Nur eines ist geblieben von den Lasten des Klimas: die Hitze. Kräuselt kein Wind die Wasser der Buchten, liegen sie da wie flüssiges Blei, dann lastet auch Tag und Nacht unerträglicher Druck auf allen Straßen, und man hebt sich morgens nicht erfrischt und müde von dem schweißnassen Lager.

Alles, was Geld hat, kann bis zu einem gewissen Grad auch der Hitze entfliehen. Man kann nach Leme oder Copacabana hinausziehen, wo die mächtigen Wellen des Atlantik an den Strand spülen, oder man kann auf den Bergen und Hügeln seinen Wohnsitz nehmen, die heute schon zahlreiche elektrische und Zahnradbahnen mit der Stadt an der Bucht verbinden. —

Es ist ein oft wiederholtes Phantasiebild, die City von New York oder Berlin in fünfzig oder hundert Jahren aufzuzeigen. Aber die Phantasie beschränkt sich bei diesem Bild auf die Übereinanderhäufung von Stockwerken und Verkehrsmitteln. Eine solche Phantasie auf Rio übertragen, böte ganz andere Möglichkeiten. Rio kann nicht nur die schönste, sondern auch die phantastischste und großartigste Stadt der Welt werden und gleichzeitig das wundervollste und eleganteste Seebad.

Es ist ja nur eine Frage des Ausbaus der Verkehrsmittel, um die ganzen Wohnviertel auf die frischen kühlen Berghügel zu verlegen, so daß am Hafen nur die Geschäftshäuser bleiben, die durch künstliche Kühlung und Ventilation vor der Hitze geschützt werden. Schnelle Verbindungen, in Tunneln laufende elektrische Schnellzüge würden an die Bucht, Badestrand und den offenen Ozean führen, so daß man von der Wohnung ebenso rasch zum Bad wie zur Geschäftsstadt gelangen könnte.

Wie heute schon eine Seilbahn freischwebend Hunderte von Metern weit auf den Zuckerhut führt, so ließen sich alle die einzelnen Bergkuppen miteinander verbinden, und auf einem zentral gelegenen würde eine Vergnügungsstadt mit Theatern, Kinos und Tanzpalästen sein.

Wer weiß, vielleicht!

60. Die Blumeninsel.

Rio de Janeiro.