„Sigue vaca!“ „Vamos!“ „Sigue, sigue!“ und dazwischen ein indianerartiges Aufheulen in hohen Fisteltönen. Donnerwetter, trotz der Ensenada ist es harte Arbeit. Die Kehle ist heiser vom Schreien, Gesicht und Arme sind schwarz von Staub. Die braune Haut der Peone sieht sich an wie altes, brüchiges Leder.

Endlich haben wir einen Schub im Trichter. Das Tor wird geschlossen. Drinnen bleiben zwei berittene Peone und treiben die Rinder, die immer wieder umzukehren versuchen, in den Schlauch.

Der nächste Schub und der übernächste! Je weniger Vieh im ersten Corral bleibt, desto ungebärdiger wird es. Es sind ja jene Widerspenstigen, die bisher immer wieder auszubrechen verstanden, die übrigblieben und die nun hineingetrieben werden müssen.

„Sigue, sigue vaca!“ Die Kehle gibt nur mehr ein heiseres Brüllen her. Mund und Lunge sitzen voll Staub. Es ist ein eigentümliches Gefühl, in diese Masse Rinderhäupter hineinzureiten. Langsam schiebt sie sich vor, bis eines ausbricht und die ganze Herde kehrtzumachen droht. Da heißt es, sofort den Widerspenstigen zurückzutreiben.

Ein mächtiger Stier trottet vor mir zwischen den Kühen her. Zornig und tückisch schielt er, als empfinde er das Unwürdige seiner Situation. Plötzlich dreht er und will zurück. Eine Wendung mit dem Pferd, und die Last des angaloppierenden Pferdes prallt dem Stier in die Flanken, während gleichzeitig die schwere Peitsche ihm über den Rücken saust.

Die Brust des Pferdes ist Waffe und Werkzeug. Mit ihr reitet man das Vieh an, wie das Pferd auch gewöhnt ist, mit der Brust die Tore der Umzäunung zu öffnen. Bewundernswert ist die Ruhe der Tiere. Für den Neuling ist es ein unheimliches Gefühl, so mitten zwischen den Hörnerspitzen einer unruhig drängenden Rinderherde zu reiten, aber willig sprengt das Pferd immer wieder von neuem gegen jedes widerspenstige Rind. Es ist ein heißes, hartes, aber auch schönes, ritterliches Arbeiten. In der Luft liegt etwas von der Aufregung, Lust und Gefahr eines siegreichen stürmischen Schlachttages.

Ein anderes Bild: Eine Herde frisch eingetroffener Pferde jagt über den Kamp. Im Galopp geht es zur nächsten Ensenada. Sie müssen gezeichnet werden.

Es ist Sitte und Gesetz von jenen Zeiten her, als das Land noch keine Drahtzäune kannte, daß jedes Stück Vieh die Marke seines Besitzers, die gesetzlich eingetragen ist, führen muß. Diese Marke ist etwas Ähnliches wie bei uns ein Wappen und wird auch auf dem Briefbogen geführt. Wird ein Stück Vieh verkauft, so wird die Marke umgekehrt über die erste Markierung eingebrannt, zum Zeichen, daß der Besitzer das Pferd rechtmäßig verkaufte, und daneben wird das Zeichen des neuen Besitzers aufgeprägt.

Die Pferde stehen jetzt hintereinander im Schlauch, das vorderste zwischen zwei Gattern vorne und hinten eingepreßt. Von einer Plattform aus kann man ihm bequem mittels der Schlaufe der Peitsche eine bändigende Fessel über die Nüstern legen. Inzwischen glüht an dem kleinen Knochenfeuer, das mit Fett zu hellerer Flamme angefacht wird, das Brandeisen.