Das Tal des Rio Cayunco.
Inkasee.
Ruhig steht das gefesselte Pferd. Der Peon setzt ihm das Eisen auf den Schenkel. Jetzt spürt das Tier die Hitze. Wild schlägt es mit den Hufen gegen die Bretterwände und versucht, sich mit gewaltigem Ruck zur Seite zu werfen. Umsonst, schon hat sich der glühende Stahl unerbittlich in sein Fleisch gebissen. Das Gatter öffnet sich. Verzweifelt sich schüttelnd, stürmt es ins Freie. Das nächste!
Für besonders ungebärdige Tiere, vor allem für Stiere, dient eine Art Holzklammer, welche die Tiere so zusammenpreßt, daß sie ganz widerstandslos werden. Eine ähnliche Vorrichtung benutzt man zum Festklemmen des Kopfes, um die Hörnerspitzen kappen zu können.
Eine besondere Einrichtung erfordert das Baden, dem alle aus dem Norden kommenden Tiere unterworfen werden müssen, da sie durchweg mit Zecken behaftet sind. Die Anlage ähnelt der Ensenada. Nur endet der Schlauch in einem engen Kanal, der mit desinfizierender Lösung gefüllt ist. Langsam trotten die Rinder den engen Gang vor. „Vamos! Sigue vaca, sigue!“ Mit den Peitschenstielen treiben die Peone die Unheil witternden Rinder an. Jetzt steht das erste vor dem Kanal und stutzt. Aber schon hat es den Fuß auf die schräge Zementbahn gesetzt. Und damit ist sein Schicksal besiegelt. Es saust die steile Bahn hinunter und schlägt auf dem hochspritzenden Wasser auf. Ängstliches Brüllen, verzweifelt starrende Augen, aber ein mit langer eiserner Gabel bewaffneter Peon faßt die Hörner und taucht unerbittlich den Kopf in die dunkle Flut.
Rind auf Rind passiert. Will eines absolut nicht vor, so genügt ein rascher Griff, der ihm den Schwanz bricht, um es vorzutreiben.
Dazwischen traben die Kälber. Sie sind die Widerspenstigsten. Oft gelingt es ihnen, sich umzudrehen. Dann müssen sie rückwärts schreitend ins Bad getrieben werden. Oder zwei purzeln übereinander, geraten gleichzeitig mit einem ausgewachsenen Rind ins Bad und kommen unter dessen Füße; dann gibt es aufreibende Arbeit, sie vor dem Ertrinken zu bewahren.
Am Ende des Bades führt eine Rampe in zwei zementierte Einzäunungen, aus denen die kostbare Flüssigkeit wieder ins Bad zurückfließen kann. Hier steht zitternd und tropfend das verängstigte Vieh, während von der andern Seite das aufreizende „Sigue vaca!“ klingt und die Peone einen neuen Schub Rinder in den Trichter treiben.