Es ist ein sonderbares Gefühl, das mich hier beschleicht. Hier ist Heimat und doch Fremde. Wie eine Figur aus dem „Lederstrumpf“ steht der alte Pionier mir dem wallenden weißen Bart auf seinem Grund. Er hat ein Leben hinter sich, wie wir es nur aus Geschichten kennen, aber er hat reiche Ernte eingebracht.

Ist dies heute noch möglich? Gibt es noch Teile in der Republik, in denen es der Fremde zu gleichem Glück und Wohlstand bringen kann wie jene Deutschen vor zwei Menschenaltern in Santa Fé? Der Gedanke beschäftigt mich, während wir im Auto zurücksausen durch die Abendlandschaft, die ganz von Goldstaub flimmert. Die Heuschrecken, die vom Wege aufschwirren, prallen gegen den Wagen. Eine ägyptische Plage, und trotzdem das blühende Land! Galt ihretwegen vielleicht einst Santa Fé für ebenso aussichtslos für Kolonisation, wie man es heute wegen Klima, Trockenheit und Wassermangel von den noch unerschlossenen Teilen der Republik wähnt? Jede Mühe und Fährlichkeit scheint es wert, mitzuhelfen, Raum und Brot für hungernde Menschheit zu schaffen.

10. Heißes Land.

Auf dem Paraná.

In den Straßen von Santa Fé stand die Glut, körperlich, sichtbar. Man schritt durch sie hindurch, wie durch greifbare Masse, und am Fuß der Häuser fehlte auch die kleinste Spur von Schatten.

Die Hitze stand über allem in der Stadt. Über allem, was man tat und sprach; es war, als sei alles gelähmt, belastet, betäubt von diesem schwülen, feuchten Hauch, der bis auf den letzten Tropfen alle Feuchtigkeit aus dem Körper zu pressen suchte. Und diese Schwüle sprach wohl auch aus den Worten des deutschen Lehrers, der davon renommierte, wie anders sie, die Auslandsdeutschen, den Krieg beendet hätten, wenn sie nur drüben gewesen wären, und wieviel mehr sie im Ausland gelitten als jene in der Heimat, denen es im Grunde an nichts gefehlt habe.

Die Nacht brachte keine Kühlung. Die Luft stand im Zimmer wie ein heißes Ölbad. Sobald man sich niederlegte, fiel die feuchtschwere Luft als drückende Hitzelast auf die Brust. Wieder aufgestanden und zu entrinnen versucht. Umsonst. Wie hineingegossen blieb der Körper in der stickigen Schwüle.

Nervenaufreizend summten die Moskitos, die immer wieder ihren Weg durch die Netze fanden. Nur wenn man den schweren starken Ventilator dicht ans Bett rückte, konnte man sich für Augenblicke das Gefühl der Kühlung vortäuschen.

Endlich brach das Unwetter los, das die Luft mit so überreicher Feuchtigkeit gesättigt hatte. Strömend floß, rann, stürzte das Wasser vom Himmel. Draußen rieselte und planschte es. Durch das Badezimmer trat ich aus dem unerträglich heißen Raum ins Freie. Die Hoffnung auf Kühlung trog. Auch hier war es nicht anders wie im Treibhaus. Schlaflos verging die Nacht.