Im Norden gibt es viel billiges und auch gutes Land. Aber ob deutsche Familien dort auf die Dauer die sehr hohen Temperaturen ertragen?

So bleibt zunächst nur der Süden.

Der Früchteaufkäufer, der mir gegenüber sitzt, schwärmt davon. Er kauft für eine Engrosfirma in Buenos Aires ein. Seine Pflücker sind schon unten; denn die Chacreros verkaufen die Ernte meist auf den Bäumen. Er zahlt für den Cajon, für die Kiste Pfirsiche, die etwa 180 bis 200 Stück faßt, zweieinhalb Peso. Mit Pflücklohn, Fracht und sonstigen Unkosten stellt sich der Cajon auf 6 Peso. Verkauft wird er im Großhandel für 12 bis 14 Peso. Und bis die Früchte an den Konsumenten kommen, kosten sie ein bis eineinhalb Peso das Dutzend. „Muy lindo negocio“ — ein feines Geschäft —, meint schmunzelnd der Händler.

Draußen zieht erst unter klarem Sternenhimmel und dann bei grauendem Tag das Land vorbei. Noch öder, noch trostloser, noch flacher, wenn möglich. Stundenlang nur roher Kamp und der ewige Draht. Die Estancien müssen weit drinnen im Lande liegen. Kaum daß man ab und zu einen dunklen Schatten am Horizont sieht.

Erst hinter Pringles ändert sich das Bild. Sanft ansteigende Hügel, dann steile Felsen, tief eingeschnittene Flußtäler. Und gleichzeitig zwischen den Bergen grüne Gärten, Bäume — man staunt, richtige Bäume —, die Sierra de la Ventana, die einer Oase gleich die ewig gleichförmige Landschaft unterbricht.

Aber nach wenigen Stationen werden die Hügel flacher und verlaufen sich schließlich wieder in der unendlichen Ebene, graubraun, öde und tot.

Mit einem Male steht mitten in der Ebene ein Schiff. Schornsteine, zwei Masten und unterhalb des schwarzen Rumpfes ein leuchtender roter Streifen. Unvergleichlich phantastisch sieht es aus, bis das Auge langsam erkennt, daß die Ebene am Horizont ohne erkennbare Grenzlinie in Schlick, Sumpf und schließlich offenes Wasser übergeht.

Schiff auf Schiff. Dann die unheimlichen Türme der Getreidesilos: Bahia Blanca, die Metropole des Südens!

13. Die Metropole des Südens.

Bahia Blanca.