Allein dieses überaus günstige Bild täuscht. Nach sieben mageren Jahren haben Bahia Blanca und der Süden das erste fette Jahr. Der Feind des Südens ist die Trockenheit. Im vergangenen Jahr hat es ungewöhnlich viel geregnet, daher die erstaunlich große Ernte.
Die Zukunft Bahia Blancas als Getreideexporthafen liegt im Süden der Provinz Buenos Aires und in der Pampa. Die nähere Umgebung der Stadt wie alles Land südlich davon ist wenig wertvoll, und ein großes mißglücktes Kolonisationsunternehmen in dieser Gegend ist ein warnendes Exempel.
Der zweite Hauptexportartikel Bahia Blancas, die Wolle, liegt augenblicklich darnieder. Der Wollpreis sinkt, und Händler und Produzenten halten zurück. Nach den phantastischen Preisen, die im Kriege für Wolle gezahlt wurden, ist die Reaktion nur natürlich. Aber es krampft einem doch das Herz zusammen, wenn man die riesigen Wollager sieht, die bessere Preise hier abwarten sollen, und an die stilliegenden Textilfabriken in Deutschland denkt und an den Mangel an Kleidung.
Dazu kommt natürlich Vieh. — In letzter Zeit sind mehrere Frigorificos gebaut worden, während ein großzügiger Obstexport aus dem Rio-Negro-Tal mit Marmelade- und Konservenfabriken noch Zukunftsmusik ist.
Ist der eine Zukunftsfaktor Bahia Blancas die Entwicklung seines Hinterlands, so ist der andere sein Hafen. Auch hier sind die Ansichten nicht weniger geteilt. Bahia liegt an einer langsam versandenden und verschlickenden Bucht. Wenn auch jetzt noch mittlere Ozeandampfer an den Kais anlegen können, so ist die Frage, welche Kosten es auf die Dauer machen wird, die Fahrstraße offen zu halten.
Der Hafen ist landschaftlich nicht weniger trostlos als die ganze Umgebung der Stadt. Schlick und Morast lassen nicht erkennen, wo das Land aufhört und das Wasser anfängt. Die Bucht wirkt wie ein brauner Sumpf.
Ein Gewirr von Schienensträngen, alle übervoll von getreidebeladenen Waggons, führt an die Molen. Hier liegt ein Schiff neben dem andern, alle harren auf Ladung. Aber wie eine ungeheure, zinnengekrönte Festung türmen sich die Getreidesilos, hoch die Kamine und Masten überragend.
Die Hafenanlagen sind sämtlich in privaten Händen, die einen in Ingeniero White gehören der Südbahn, die andern in Puerto Galvan der Pazifikbahn.
Die Bahnen englisch. Die Hafenanlagen und Silos englisch. Die Schiffe an den Molen — teilweise tragen sie noch deutsche Namen — unter dem Union Jack. Nirgends sonst drängt sich die ungeheuere wirtschaftliche Gewalt Großbritanniens so unerbittlich auf und die tyrannische Macht, mit der sie das gesamte Transport- und Verkehrswesen ganz Argentiniens zu Wasser und zu Lande beherrscht. Die Engländer können — und sie haben es getan — jedes Unternehmen, das ihnen nicht paßt, dadurch zugrunde richten, daß sie ihm keine Transportmittel stellen. Hier liegen die Grenzen deutschen Betätigungsdranges und Unternehmungsgeistes in Argentinien.