Vor einem solchen versumpften Feld mögen einen Bedenken beschleichen, daß sich die Natur doch nicht ungestraft ins Handwerk pfuschen läßt. Allein es sind Fehler, die in der Anlage liegen. Jedes Bewässerungssystem erfordert die gleichzeitige Anlage von Entwässerungskanälen; bei dem neuen Regierungskanal hat man dies vorgesehen und auch ein Entwässerungssystem gebaut.

Der Eindruck, den das Bewässerungsgebiet macht, ist trotz der technischen Unzulänglichkeit größer als der jedes andern technischen Werkes. Denn hier greift der Mensch wirksam und erfolgreich in den Lauf der Natur ein. Er gibt dem Lande nicht nur Wasser, wann er will, sondern mit der Bewässerung des Tales ändert sich auch das Klima, und mit diesem und infolge der vom übrigen Argentinien von Grund aus abweichenden Lebensbedingungen ändert sich wohl auch der Charakter der hier aufwachsenden Menschen. Die schwüle Hitze, die andere Teile Argentiniens so unerträglich macht, fehlt hier völlig. Die Nächte sind auch im Sommer frisch, die Winter kalt. Statt der extensiven Wirtschaft im übrigen Argentinien herrscht hier intensiver Betrieb. Das Leben hat hier etwas von der Enge, aber auch von der Behaglichkeit des alten Deutschland. Ein bitterer Wermutstropfen nur: trotz der Bemühungen einzelner Deutschargentinier, wie Theodor Alemanns, war es vor dem Kriege nicht möglich, Interesse für diesen Landstrich zu gewinnen, der wie kein anderer für deutsche Einwanderung geeignet gewesen wäre. Heute ist das Land fast durchweg in festen Händen und teuer, so daß deutsche Einwanderer nur gestützt auf eine kapitalkräftige Kolonisationsgesellschaft hier die Ansiedelung wagen könnten.

18. Ritt durch Neuquen.

Am Neuquenfluß.

Der Zug fährt durch eine Wand von Staub. Mehr als die schwarzen Schleier, die die unendliche Nacht vor die Kupeefenster zieht, sind es die Staubmassen, die jeden Ausblick hemmen. Wie inmitten einer Sandhose fährt der Zug.

Resigniert gibt man den Versuch auf, durch die blinden Scheiben den Charakter der Landschaft zu erspähen, und läßt auch noch die hölzernen Rolläden herab, um dem Staub den Eintritt in den Wagen zu wehren.

Umsonst. Durch die feinsten Ritzen dringt er ein. Fingerdick setzt er sich auf Polster und Lehne, auf Koffer und Kleider. Von Zeit zu Zeit macht ein Bediensteter der Bahn den Versuch, mit einem Wedel den Staub aufzuwischen. Es ist hoffnungslos. Der Zug ertrinkt im Staub.

Wie sagte der Herr in Bahia Blanca, als er von meiner Reise durch Neuquen hörte?

„Was, in diese Wüste wollen Sie?“