Von Zeit zu Zeit künden grüne Flächen und Baumgruppen die Puestos von Indianern, die mit Hilfe primitiver Kanäle einige Hektar unter Kultur genommen haben.

Bei einer Ranchogruppe unter besonders hohen dichten Bäumen soll erste Rast gehalten werden. Allein statt der Indios, die wir um Mate, um Paraguaytee, angehen wollten, stoßen wir auf Männer, bei denen aller Sonnenbrand die mitteleuropäische Abkunft nicht verwischen konnte. Deutsche Laute nehmen den letzten Zweifel. Wir sind in einer deutschen Siedelung mitten in der Wildnis, an der Grenze der Republik.

Es sind junge Leute zwischen zwanzig und dreißig Jahren, die der für Deutschland ungünstige Ausgang des Krieges aus ihrer Bahn geworfen hat: aktive Offiziere des Heeres und der Flotte, Marineingenieure, Staatsbeamte, aber auch Handwerker und Landarbeiter. Da sie nicht über viel Geld verfügten, blieb ihnen die Qual der Wahl, wo sie das Land kaufen sollten, erspart. Sie mußten sich mit billigem Regierungsland begnügen.

Ich habe einige Tage unter diesen Siedlern gelebt, und ich muß sagen, einfacher kann man nicht gut leben, aber auch kaum glücklicher und zukunftsfroher sein. Wohl waren einige Lehmranchos da. Aber da sie noch von ihren früheren Bewohnern her voll Ungeziefer saßen, nutzte man sie lediglich als Gepäck- und Geräteschuppen, und alles, einschließlich der einen Frau, die ihren Gatten in die Wildnis begleitete, schlief im Freien.

Es ist ein herrliches Schlafen unter dem freien strahlenden Sternenhimmel, wenn auch das Aufstehen in der empfindlichen Kühle nicht ganz leicht ist. Bereits vor fünf Uhr steht alles um das mächtig flackernde Feuer, auf dem der Siedler vom Küchendienst bereits den Morgenkaffee bereitete.

Um fünf Uhr beginnt die Arbeit. Der ehemalige Indianerpuesto, in dem sich die Siedler zunächst niedergelassen, hatte einen alten verwahrlosten Kanal. Den galt es zunächst in Ordnung bringen, um möglichst rasch einige Hektar Gartenland und Weide bewässern zu können. Dann mußte ein Potrero gebaut werden, der bereits fertig ist, und jetzt ist man an der Errichtung eines Kolonistenheims, um vor Eintritt der kalten Jahreszeit unter Dach und Fach zu sein und um vor allem auch für die übrigen Frauen, die teilweise auf benachbarten Estancien, teilweise noch in Deutschland sitzen, eine gute warme Unterkunft zu schaffen.

Steine für den Unterbau liefert eine hinter der Siedelung hochsteigende Felswand. Lehmboden zum Ziegelbrennen ist zur Genüge da, Kalk hofft man noch zu finden, und so brauchen nur Holz und Wellblech zugeführt zu werden. Einer der Siedler ist Architekt, nach dessen Plänen und unter dessen Leitung gebaut wird.

Es sind etwa zwanzig Herren, die unter der Leitung zweier argentinischer Landwirte, eines Kolonisationschefs und eines Capataz, den Grundstock zu einer Siedelung legen.

Manche der Siedler stammen aus angesehenen, wohlhabenden Familien, und sicher war der Sprung in so ganz andere Lebensverhältnisse und die Gewöhnung an schwere körperliche Arbeit nicht leicht, und das Zusammenleben so verschiedenartiger Elemente auf so engem Raume mußte zu Reibungen führen. Aber wie sich alle in der Zwischenzeit ein paar tüchtige, schwielige Hände zugelegt haben, so hatte ich auch den Eindruck, daß sich die übergroße Mehrzahl nicht nur mit dem neuen Leben abgefunden hat, sondern daß sie alle völlig in ihrer Arbeit und in ihrem Unternehmen aufgehen.