Wird Arturo Alessandri ein ähnliches Schicksal haben? Der Fremde, der in die Politik des Landes nicht eingeweiht ist, vermag nur zu vermuten. Man sagt ihm, Überraschungen bei der Wahl seien das Gewöhnliche. Erst in den letzten Tagen, bevor die Wähler zur Urne schreiten, beginne das Geld und der Stimmenkauf seine Rolle zu spielen.

Aber andrerseits sieht, wer die politischen und sozialen Erschütterungen Europas leidend und handelnd miterlebte, in manchem auch klarer. Fast erschütternd war in Santiago die Ähnlichkeit mit Berlin, als kurz nach meiner Ankunft der vierundzwanzigstündige Generalstreik als Demonstration gegen die Verhaftung des radikalen sozialistischen Studentenführers Gandolfo einsetzte.

Ich war noch völlig fremd, hatte noch keine Zeitung gelesen, wußte nicht, um was es sich handelte. Aber das hastige Schließen von eisernen Rolläden der Geschäfte um die Mittagszeit, diese so plötzlich überfüllten Straßenbahnen und die nervöse, unruhige Eile, die mit einem Male das ganze Getriebe der Stadt ergriffen hatte, erinnerte erschreckend an so manche Tage in Berlin, wenn plötzlich das Gerücht des Generalstreiks auftauchte und man hastete, noch vor dem letzten Stadtbahnzug die weit im Vorort gelegene Wohnung zu erreichen.

Unter südamerikanischer Sonne glühen die politischen Leidenschaften heißer. Aber es fehlt andrerseits der günstige Boden für gewaltsame Erschütterungen, den Krieg und Hunger in den Seelen der mitteleuropäischen Völker bereitete. So muß man hoffen, daß jene recht behalten, die Unruhe und Umsturz für ausgeschlossen halten. Aber man darf doch nicht vergessen, daß die chilenische Präsidentenwahl des Jahres 1920 die erste politische Wahl ist, die einen sozialen Charakter hat.

Allerseelen auf dem Friedhof.

Indianische Wasserträgerin.

Musikanten in Copacabana.