Indianertanz.
Und noch eines, das man bei all der berechtigten Furcht vor maximalistischer Agitation nicht vergessen sollte: Maximalismus in russischem Sinn gedeiht nur, wo Not und Hunger herrschen. Geschieht in dieser Hinsicht alles, dieses Gespenst zu bannen? Dieser Tage kam ich mit einem reichen Getreidespekulanten ins Gespräch, und wir sprachen auch über Maximalismus. Er meinte: „Die eigentlichen Maximalisten sind wir. Mit 20 und 30 Peso die Tonne Weizen ist uns nicht gedient. Wir wollen 40, 50, 60. Wir sind Maximalisten. Wir wollen immer das Maximum.“ Er hielt es für einen Witz und lachte und war sich der bitteren Wahrheit, die er sprach, nicht bewußt.
25. Chiles deutscher Süden.
Temuco.
Sollte es möglich sein, Menschen wochenlang in tiefen Schlaf zu versenken und sie in diesem Zustand über den Ozean zu bringen, sie würden, in einer der Städte Südchiles erweckt, darauf schwören, Deutschland nie verlassen zu haben. Die viereckige grüne Plaza ist wohl etwas fremdartig, aber die Häuser ringsherum sind rein deutsch; alles ist peinlich sauber, frisch gestrichen, mit blühenden Blumen, in Läden wie in Gasthäusern deutsche Laute, deutsche Kirche, und über der Schule sogar die Inschrift: „Vergiß nicht, daß du ein Deutscher bist.“
Die heute blühendsten Provinzen des Landes, Valdivia, Llanquihue und der Süden von Cautin, sind das Werk deutscher Kolonisation. Vor zwei Menschenaltern begann südlich des Biobioflusses die Frontera, die Grenze, jenseits der das Gebiet der nur nominell unterworfenen Araukaner lag. Im Jahre 1850 kamen hierher, wo heute die blühende, reiche, fast rein deutsche Stadt Valdivia liegt, die ersten dreihundert Deutschen; weitere folgten, die an den Llanquihuesee und nach Puerto Montt zogen.
Die Nachkommen jener ersten Siedler sind heute zum großen Teil Millionäre — in Peso, nicht in Mark —, aber das Leben ihrer Großväter und teilweise noch ihrer Väter muß nach allen Erzählungen, die man hört, unsäglich hart und entbehrungsreich gewesen sein, wie es überhaupt das Schicksal aller Kolonisten zu sein scheint, daß die Früchte erst Kinder und Enkel erben.
Noch heute ist ein großer Teil der Provinzen Valdivia und Llanquihue Urwald, und eine neue deutsche Kolonie in diesem abgelegenen Gebiet würde mit ähnlichen, wenn auch nicht so großen Schwierigkeiten zu rechnen haben, wie jene ersten deutschen Kolonisten vor siebzig Jahren. Das Land, das in Kultur genommen werden soll, ist undurchdringlicher Urwald. Darum ist die erste Arbeit des Siedlers nach der Vermessung die Herstellung eines Pfades, auf dem er in mühseligem, meist stundenweitem Marsch im Winter auf unergründlichen, schlammigen Wegen — denn dann regnet es wolkenbruchartig Tag für Tag — sich seine Arbeitsgeräte und die Nahrung für sich und seine Familie heranschaffen muß.