Dann geht es an die Arbeit des Holzfällens, die der Ungeübte, Fremde, ohne Hilfe einheimischer Peone, meist Chiloten von der Insel Chiloé, kaum bewerkstelligen kann. Aus den Erinnerungen der ersten Ansiedler ist einiges erhalten. Eine jener alten Ansiedlerfrauen, die als Kind in den Urwald kam, berichtet, wie sie im Sommer ankamen und wie Vater, Mutter und ältere Geschwister vom Morgengrauen bis zur Abenddämmerung sich mit dem Fällen der Baumriesen mühten. Und als dann der Frühling seinen Abschied nahm, da war das Stücken Lichtung, an dem so unendliche Arbeit hing, noch jämmerlich klein.
Ist diese erste Lichtung geschaffen, so wird das übermannshohe Gewirr von Stämmen, Ästen und Blättern angezündet, sobald die Sonne des Sommers das Laub gedörrt hat. Allein so eisenhart und fest sind die Stämme, daß nur Blätter und Zweige verbrennen und selbst die dürren Äste kaum ankohlen. So müssen Stämme und Äste mit der Axt durchhauen, aufgeschichtet und neuerdings angezündet werden. Die größten Stämme bleiben liegen, oder man läßt sie überhaupt stehen. Noch heute sieht man im Süden überall, selbst an der Bahnstrecke, Felder, zwischen denen hohe, abgestorbene oder angekohlte Baumstämme in die Luft ragen.
Teilweise sind es ganze lichte Wälder solcher kahler Stämme, zwischen denen das Korn wächst, und im ersten Augenblick wähnt man, man führe durch jene Gegenden Frankreichs, in denen der Regen des beiderseitigen Trommelfeuers die Wälder getötet.
Zwischen den Stöcken und Stämmen wird der erste Weizen in den mit der Hacke aufgeritzten Urwaldboden gestreut. So wird Jahr für Jahr ein immer größeres Stück unter Kultur genommen, bis langsam nicht nur der eigene Bedarf für den Lebensunterhalt, sondern auch ein verkaufsfähiger Überschuß erzeugt wird.
Einfacher ist die Haltung des Viehs; dieses wird in den Wald getrieben, wo es sich die Nahrung selbst sucht. Auch die Wohn- und Arbeitsverhältnisse sind denkbar einfach. Als Wohnung dient ein Bretterhaus, als Fortbewegungsmittel die Carreta, ein primitiver zweirädriger Karren, dessen Räder häufig einfach zwei Scheiben Baumstamm sind. Das Zugtier ist überall der Ochse, der die Carreta mittels eines Joches primitivster Art zieht, von dem Treiber mit dem gestachelten Stab des klassischen Altertums gelenkt.
26. Llanquihue und Magallanes.
Valparaiso.
Das Herz Chiles ist sein Längstal, das sich zwischen Hochkordillere und Küstenkordillere von Nord nach Süd erstreckt. Hier ist seine Korn- und Fruchtkammer, hier führt der Hauptverbindungsweg, hier liegen seine reichsten Städte.
Bei Puerto Montt hört dieses Tal auf. Hier ist das Meer hereingebrochen und hat das Tal unter Wasser gesetzt. Die Küstenkordillere hat es in eine Reihe von Inseln zerlegt, während die Hänge der Hochkordillere statt auf das fruchtbare Tal zu münden, jetzt von den vielen Golfen und Kanälen genetzt werden, die sich zwischen Inseln und Festland hinziehen.