Die Eigentumsrechte an diesen Ländereien gehen zum großen Teil noch auf Konzessionen zurück, die zur Zeit der spanischen Herrschaft an verdiente Feldherren und Soldaten verliehen wurden. Von den Nachkommen wurden Teile dieser Gerechtsame weitergegeben, verschenkt, verkauft und so fort, so daß heute mancher Komplex Dutzende und Hunderte von Besitzern hat. Um solches Land kaufen zu können, muß es erst „bereinigt“ werden. Zu diesem Zweck muß ein „Stammbaum“ angelegt werden, der von der ersten Konzession ausgehend alle weiteren Erben, Käufer und Besitzer feststellt. Mit allen diesen muß man sich mittels Abfindung auseinandersetzen, wenn man einen einwandfreien Besitztitel haben will, und selbst dann ist die Möglichkeit weiterer Komplikation nicht ganz ausgeschlossen, wenn nicht genaue Kenner der einschlägigen Verhältnisse die Bereinigung und den Kauf ausführen.

Vor dem noch unerschlossenen Land im Süden Argentiniens hat das Land südlich von Puerto Montt den Vorteil, daß es durch Abholzung seiner wertvollen Wälder sofort Gewinne ermöglicht, die unter günstigen Verhältnissen bereits in kurzer Zeit den Kaufpreis oder auch ein Mehrfaches davon wieder hereinbringen. Erforderlich wäre freilich eine Gesellschaft mit großem Kapital, die Einwanderer herüberbringt, Wälder abholzt und Werften anlegt, um dort eigene Schiffe zu bauen, mit denen sie den Abtransport des Holzes und weiterhin Fischfang, sowie den Transport der Ackerbau- und Viehprodukte aus den inzwischen angesiedelten Kolonien in eigene Regie nimmt. In den Wäldern ist noch verwildertes Vieh. Es sind Kohlenlager nachgewiesen. Die Anlage von Fisch- und andern Seetierkonservenfabriken sind weitere Möglichkeiten.

Natürlich lassen sich derartige Unternehmungen nur nach genauen und eingehenden Untersuchungen, zu denen Expeditionen ausgesandt werden müssen, ins Leben rufen. Aber die Möglichkeit wäre für die reichen Deutschen Chiles hier wie in den Provinzen Llanquihue und Valdivia unzweifelhaft gegeben, mittels einiger hunderttausend Peso ihren zur Auswanderung gezwungenen Landsleuten zukunftsreiche Siedelungsgebiete zu erschließen. Jetzt leben hier wie vor hundert Jahren nur wenige armselige Indianer. Vielleicht allerdings auch nicht mehr lange; denn auch hier sind bereits amerikanische Konzerne dabei, sich diese wie Königreiche großen Ländereien zu sichern.

27. Copihue.

Oh Copihue, oh Copihue,

En la paz de la selva dormida

Simbolizas la raza hecha flor.

(Aus „La Flor Nacional de Copihue“.)