Die du sahst den verzweifelten Kampf.
Der hinreißende Marschrhythmus zuckt mir im Blut, wie ich dem jungen Araukanerlehrer zum Abschied die Hand drücke. Auch in seinen Adern brennt noch die Flamme, die seine Vorfahren gegen die spanischen Feuerschlünde anreiten ließ. Uralte Rhythmen! Sangen sie nicht auch uns im Blute, als wir bei Gorlice stürmten, als wir über die Berge am Isonzo in Italien einbrachen, als die letzte tragische Schlacht in Frankreich anhob?
Künstliche Züchtung hat das ursprüngliche Blutrot der Copihue in fleckenloses Weiß gewandelt — die Reste der Araukaner haben ihren Frieden mit den Eroberern gemacht. Die Überlebenden gehen langsam in der Rasse des Siegers auf. Die Copihue der schweigenden Wälder weiß von keinen furchtbaren Schlachten mehr zu erzählen.
28. Längs der Küste nach Nordchile.
Dampfer „Taltal“ im Pazifik.
Die täglich wachsende Teuerung der Lebenshaltung bezeichnet den Weg vom Süden Chiles nach dem Norden des Landes. Im regnerischen Süden Überfülle an Frucht, so groß, daß jedes Jahr gewaltige Mengen nutzlos verfaulen. Im regenlosen Norden absoluter Mangel, so daß jeder Zentner Mehl, jeder Sack Kartoffeln, jeder Korb Äpfel vom Süden nach dem Norden geschafft werden muß.
Allein trotzdem liegt das wirtschaftliche Schwergewicht des Landes im Norden. Hier dehnen sich in trostlos dürrer Pampa die Salpeterlager, auf deren Ausbeute der Reichtum, ja überhaupt die ganze Finanzwirtschaft des Landes beruht.
Meinen ursprünglichen Plan, auf dem Landweg nach Antofagasta zu fahren, konnte ich nicht ausführen, denn seit einiger Zeit fährt die Longitudinalbahn wegen Kohlenmangel nicht mehr. Der große Streik im Kohlenrevier von Concepcion nötigte die Eisenbahnverwaltung, Zug um Zug einzustellen, und man kann froh sein, noch gute Zugverbindung auf der verkehrsreichen Strecke nach Valparaiso zu finden, wo der Dampfer nach Antofagasta bestiegen werden soll.