Kirche auf dem Ruinenfeld von Tiahuanacu.
(Aus den Steinen der uralten Tempelbauten errichtet.)

Wüste von Stein, Sand, Geröll. Gut paßt dazu der ölige Schimmer von vergossenem Petroleum, der vor dem Städtchen auf dem Wasser schwimmt. Die meisten Dampfer entnehmen hier den großen Tanks nordamerikanischer Petroleumfirmen den flüssigen Brennstoff für ihre Kessel. Zwischen Felsspalten führt die Röhrenleitung zum Strand, läuft auf schmutzigem Eisensteg ins Meer hinaus, um in dicke Schläuche zu münden, die auf Flößen schwimmend in Windungen wie eine riesige schmutzige Seeschlange sich längsseits des Schiffes schlängeln.

Wie eine Zwingburg haben die Yankees die riesigen Tanks vor Taltal aufgepflanzt, dessen Salpeterwerke bisher in deutschem Besitz waren. Eine von den drei großen Gesellschaften ist drauf und dran, in Yankeehände überzugehen. Oben im Rauchsalon auf dem Promenadedeck sitzen die Nordamerikaner beieinander, die in der ersten Kajüte dominieren. Abgerissene Worte wehen durch den Raum: „Wir kriegen das ganze Salpetergeschäft noch in die Hand.“

Vorn auf dem Deck liegen eng gedrängt und schlechter untergebracht als das Vieh die ursprünglichen Herren des Landes, die eingeborenen Chilenen, gute, willige Arbeiter von Haus aus.

In dem engen Gang, der an der Maschine vorbei zur Kajüte führt, hockt eine Reihe Peone beisammen und saugt gierig den Duft der Speisen, die an ihnen vorbei in die erste Kajüte getragen werden. Da tritt zu den teilnahmslos Kauernden einer im schmutzigen Poncho, lang und hager, struppiger Stoppelbart. Unruhige Augen stechen unter einer blauen Schirmmütze hervor. Er redet heftig, eindringlich, mit eindrucksvollen Gesten. Bald hat sich ein dichter Kranz um ihn gebildet; in die bisher teilnahmslos blickenden Augen kommt Leben. Und es ist, als laufe ein Funke durch all die Reihen abgearbeiteter, abgerissener Männer, ein gefährlicher, aber auch leuchtender, strahlender Funke. — In der aufkommenden See stampft und schlingert schwer das kleine Schiff. Oben im Rauchsalon trennt man sich von flaschenbedecktem Tisch. Ein behagliches „Good Night“ verweht in der Luft.

29. Die Salpeterstadt.

Antofagasta.

Der erste Eindruck: Stadt und Hafen haben an dieser Stelle keine Existenzberechtigung! Eine offene Reede, gegen den Strand zu schwarze Klippen, über die schäumend weiße Brecher toben. Man wird ausgebootet wie fast in allen chilenischen Häfen, fährt an Prahmen und Leichtern vorbei, die voll besetzt sind mit Pelikanen und Möwen, passiert die Klippen und sieht sich plötzlich umgeben von Rudeln spielender Seehunde, die so dicht das Boot streifen, daß es fast kentert.