36. Gebirgsreise in Bolivien.
Pongo.
Noch immer ist die Wand der Cumbre in meinem Rücken. Wie der Weg sich auch schlängelt, bleibt sie und sperrt den Horizont, ungeheuer, unheimlich und so steil, daß man jetzt kaum versteht, wie diesen senkrechten Fels überhaupt ein Weg hinunterführen kann, gangbar für Mensch und Tier.
4600 Meter! Selbst wenn man aus dem 3600 Meter hohen La Paz kommt, ist der Marsch über die Höhe anstrengend genug. Jetzt sind bereits wieder 3800 Meter erreicht, und nach dem kahlen, nackten Fels der Kordillerenhöhe mit den letzten Schneeresten des Winters fängt bereits wieder das erste Grün am Wege an.
Es dämmert. Die Wand der Cumbre wächst zusammen mit den sich ballenden Nebelwolken und steigt ins Unendliche auf. Schwache, weiße Wölkchen, die an ihr hochziehen, entzünden sich am Abendhimmel und glühen wie irrlichternde rosenrote Flächen auf.
Tief unten rauscht der Fluß, den die Gletscher schufen. Immer schwärzer wird die Tiefe, daß bald nur mehr Rauschen aus undurchdringlichem Dämmern dringt.
Wie in einen Schlund rutscht man den steilen Weg hinunter. Bizarre Felsen am Wege türmen und häufen sich, täuschen Häuser vor. Und dazwischen wirkliche Reste verfallener Mauern und Häuser, daß man nicht mehr weiß, was Schein, was Wirklichkeit ist.