Indianerin am Webstuhl.
Karawane geht hinter Karawane, Maultiere und dann wieder Esel, struppige kleine Hochlandsesel mit langhängendem Zottelfell. Mit Früchten und Coca aus den Yungas, mit Gerste und Fleisch vom Hochland und mit Ware jeder Art von La Paz. Und dazwischen, spärlich allerdings, Reisende. Am seltsamsten wohl jene Dame, die ich unterwegs traf. Sie selbst, mit der ältesten Tochter hinter sich, auf dem Maultier; mit ihr der indianische Diener, ein Kind vor sich im Sattel und auf dem Rücken noch einen Säugling.
Kein angenehmes Reisen. Und so reist denn auch kaum jemand in den Yungas außer jenen indianischen Frachtführern und etwa der eine oder andere Fincabesitzer, der einmal im Jahr mit oder ohne Familie auf kurze Zeit auf sein Gut kommt, um nach dem Rechten zu sehen. Der Bolivianer reist ja überhaupt nicht gern, und wenn schon, dann eher nach Europa als in sein eigenes Land.
Schwierig, anstrengend und teuer, das war der sich immer wiederholende Refrain, wenn ich mich nach den Reisemöglichkeiten abseits der Bahn erkundigte.
Vor allem teuer! „Sie brauchen ein bis zwei Reittiere für sich, mindestens ein Packtier und ein Tier für den Führer, der gleichzeitig als Arriero die Tiere versorgt.“ Wie oft habe ich das gehört. Da kämen allerdings leicht bald 1000 Peso für eine kurze Reise heraus.
So geht’s freilich nicht. Und so habe ich auf Packtier und Führer verzichtet und bin allein losgeritten, das Nötigste in den Packtaschen, wie ich es von so manchen einsamen Ritten im Balkan und in Mexiko her gewohnt war.
Der Hof der Posada ist schon voll fremder Tiere. Eine Jagdgesellschaft, ein Minenbesitzer und ein paar Goldsucher haben bereits ihre Tiere eingestellt. Es gibt Beißen und Schlagen, bis jedes Tier sein Futter hat.
Futter! Da denkt man freilich an das, was erfahrene Yungasreisende in La Paz erzählten. Ein Tercio Cebada, ein Büschel Gerste auf dem Halm, kostet einen Peso. Mindestens drei bis vier Tercios braucht man, um sein Tier satt zu kriegen.
Da ist das Futter für den Menschen billiger, das ein siebenjähriger Junge bringt — gleichzeitig Kellner, Hausdiener und Pferdeknecht, kurz der einzige dienstbare Geist im Hause. Suppe und Fleisch, derartig mit Aji, dem einheimischen Pfeffer, gewürzt, daß Mund und Gaumen brennen wie Feuer. Ein Ungar müßte seine Freude daran haben; denn gegen Aji ist der magyarische Paprika die reinste Süßrahmbutter.