Eine Steigung, die nie enden will. Und immer schlechter der Weg, die reinsten Treppen mit ausgetretenen, ungleich hohen Stufen. Dazu regnet es jetzt. Schon dicke Tropfen. Der wasserdichte Gummimantel ist nicht lange mehr wasserdicht. Bald dringt die Feuchtigkeit bis auf die Haut.
Die Höhe ist endlich erreicht. Fast unmittelbar fällt sie jenseits des schmalen Grates wieder ab.
Man glaubt, falsch geritten zu sein; denn der Weg ist kaum mehr als Geröll und Steinbruch, den der strömende Regen in die reinsten Grotten mit Wasserfällen verwandelt. Aber die Indios, die tropfnaß mit ihren Tieren an der andern Seite aufsteigen, nicken auf die Frage nach dem Wege.
Also hinunter, das Tier am Zügel! Ein Springen von Stein zu Stein, die Mula bald vorsichtig tastend, bald fast auf der Kruppe rutschend hinterher. Dazu Wasser, Wasser in Strömen. Aber sobald man bis auf die Haut naß ist, wird man vergnügt, denn nässer kann man nun nicht mehr werden.
Und wie könnte man auch verdrießlich sein, wo sich das Blattwerk immer phantastischer um einen rankt, Fächer, Teller, Schwerter, Grün in allen Schattierungen. Hunderte von Bäumen, die man nicht kennt. Und alles umrankt und verwoben durch schlingende, wuchernde Lianen.
Ab und zu erscheint der Berg gespalten, und den Einschnitt hinunter stürzt aus hundert Meter Höhe ein sprühweiß gischtender Wasserfall.
Langsam vertropft der Regen. Aus dem Grün hört man seltsames Rascheln, und fremde, bunte Vögel fliegen über den Weg, glitzernd farbige Schmetterlinge folgen.
Aber das Wunderbarste ist doch, wie jetzt Regen und Wolken weichen, und wie man nun, sobald die Bäume den Blick freigeben, das Land sieht, in das man hinabsteigt.
Gewiß, es gibt Landschaften von gewaltigerer Schönheit und auch von größerer Fremdartigkeit, aber es passiert einem kaum, daß man sie nicht längst im Bilde sah, ehe man sie wirklich betritt. Allein, wer sah je Bilder von den Yungas. Nicht einmal in La Paz gab es dergleichen.
So aber ist die Landschaft: Man denke sich den Schwarzwald oder den Wiener Wald. Waldberge. Aber Waldberge, die vom Tal aus tausend, zweitausend und mehr Meter ansteigen. Ungeheuere Kuppen, und von der Sohle bis zur Spitze mit dem gleichen, fremdartig, tropisch anmutenden Wald bedeckt.