Berge wie Lebewesen, unheimliche, fremdartige Lebewesen. Man sieht keine Felswände, Schründe oder Klippen, nur Wald, Wald. Was jenseits von ihm an Fels, Schnee und Eis der Kordillere sonst sichtbar sein mag, decken die Wolken.

Das Unheimlichste aber ist der Fuß der Berge. Unten, ganz unten muß ein Fluß fließen. Man sieht ihn nicht. So eng stoßen die Berge im Tal zusammen. Man sieht nur die Krümmungslinien, in denen die steil abfallenden und dennoch grünen Wände sich begegnen. Man möchte meinen, daß unten hinein kein Sonnenstrahl dringe und dort düster feuchte, dunstige Tümpel voll vorsintflutlichem Gewürm sein mögen.

All diese Wälder sind Urwald. Unbetretbarer, nie betretener jungfräulicher Wald. Er ist beiderseits des Weges durch und durch undurchdringlich. Man ist mitten drin und übersieht ihn doch von Höhenwegen aus. Steht ihm gleichsam Aug in Aug gegenüber. Der Mensch und der Wald. Seit Stunden, seit den Indianern auf der Höhe, kreuzt niemand mehr meinen Weg.

Es gibt nur den einen unfehlbaren Weg durch den Wald, unfehlbar, denn es gibt nicht eine Abzweigung. Und jeder muß die vorgeschriebene Tagesreise machen. Denn vor Tagesende gibt es kein Haus, nicht die geringste menschliche Spur. Ein endlos langer Tag durch Wald.

Ein vorspringender Rücken ist es, der das erste einsame Haus trägt. Bella Vista. Hier ist der Wald gerodet, hellgrüne Pflanzungen, Mais, Bananen, Zitronen, Orangen. Zu gleicher Zeit tragen die Orangenbäume brautweiße Blüten und vollsaftige, goldene Früchte. Gelbe Zitronen und Limas in dunkelgrünem Laub. An der Banane aber schält sich aus riesiger violetter Blüte die vieltraubige Frucht.

Der Regen hat aufgehört, die Wolken haben sich verzogen. Man sieht weithin talabwärts in das wellige, hügelige Grün. Nur an einzelnen Stellen ist es sonderbar rot gefärbt. Tief orangerote, kreisrunde Flecken unterbrechen das zarte Grün, gleichsam als durchbrächen ungeheuere Giftpilze den Waldboden.

Es sind Ceibas, Wollbäume, Bäume ohne Blätter, nur dicht bedeckt mit den orangefarbigen Blüten. Dicht vor den Häusern, auf die ich zureite, steht solch ein Baum, und wie zum Willkommen wirft ein Windstoß seine Blüten auf mich herab, während beiderseits des Weges Orangeblüten, schneeige und rosige Pfirsichblüten schimmern und goldene und gelbe Früchte glühen.

38. Was die Yungas erzeugen.

Coroico.