Das Wasser stieg höher und höher. Jetzt reicht es schon über den Gurt. Aber schlimmer war noch die rasende Gewalt, mit der es zwischen den Granitblöcken einherschoß. Schwer kämpfte das Tier. Jetzt glitt es, sank. Schon fühlte ich seinen Kopf neben dem meinen, schwamm frei im Strom.
Aber als, statt zu versinken, der Maultierkopf noch immer an meinem Gesicht schnupperte, erwachte ich langsam aus dem Traum. Schaukelnd lag ich in der zwischen einem Eukalyptus und einer Kaktee ausgespannten Hängematte, und „Jutta“, meine Maultierstute, die ich neben dem Lager angebunden hatte, stieß mich ärgerlich mit dem Kopfe, da sie augenscheinlich ihre abendliche Ration aufgefressen hatte und mehr haben wollte.
Über mir glitzerte am tiefdunklen Nachthimmel die ganze Überfülle des südlichen Sternhimmels, und langsam kam die Erinnerung zurück.
„Reiten Sie auf keinen Fall allein durch den Fluß. Sie kennen die Furten nicht, und dann: wir sind schon weit in der Jahreszeit, von einem Tag auf den andern können die Wasser kommen.“
So hatte der Administrator von Cañamina dringend abgeraten. Aber ich hatte mir nun einmal in den Kopf gesetzt, den Weg über den Rio de La Paz zu nehmen, der eigentlich gar kein Weg ist, sondern ein Wandern im Flußbett mit hundertfältigem Kreuzen des Flusses, und stellenweise führt der Weg überhaupt mitten im Fluß, weil rechts und links nichts ist als steile Felsmauern.
Beim Abreiten von Cañamina sah es auch wenig verlockend aus. Der Himmel überzog sich. Es fing an zu tröpfeln, und wir kamen ziemlich durchnäßt nach Miguillo. Hier fing es in der Nacht aber erst richtig an, und ich verstand, warum man hier nicht „Regenzeit“ sagt, sondern „Zeit der Wasser“, und nicht „Es regnet“, sondern „Wasser fällt“.
Da es aber am nächsten Morgen besser wurde, ritt ich, noch in der Dunkelheit, los. Es wurde rasch hell, als ich an den Fluß kam. Allein von der Spur, von der sie in Miguillo gesprochen, war bald nichts mehr zu sehen; sie verlor sich völlig zwischen den Steinen.
Also aufs Geratewohl los, und wenn steil an das Flußbett herantretende Felsen zum Kreuzen des Flusses zwangen, sorgfältig Breite, Tiefe und Stärke der Strömung geschätzt, und hinein ins Wasser. Ärgerlich nur, daß die Fluten des Flusses, der allerdings auch den ganzen Dreck und Unrat der Hauptstadt mit sich führt, unter dem schmutzigen Braun nie erkennen ließen, was sich unter den Wogen und Wirbeln verbergen mochte.
Das erstemal ging es ganz gut, wenn ich auch bis über die Knie ins Wasser kam. Aber dann wurde ich leichtsinnig, und beim Passieren einer nicht ganz unbedenklich scheinenden Stelle gerieten wir bis über den Sattel unter das gurgelnde Wasser. Einen Augenblick schien es, als sollte das Maultier seinen Halt verlieren und als würden wir beide von der Strömung fortgerissen. Aber dann faßte das starke Tier wieder Fuß und arbeitete sich mit ungeheuerer Anstrengung ans Ufer. Tropfnaß waren wir, doch es war wenigstens nur beim Schrecken geblieben.