O meine geliebte Eugenie, wie wundervoll war dieser Tag für mich! Ich gestehe Dir, meine teure Freundin, es war der schönste Tag meines Lebens und zugleich der erste, an dem ich die Wonnen der Liebe in ihrem vollen Umfang erfahren habe. Selbst wenn ich heute daran denke, überkommt mich ein wollüstiger Schauer, den ich Dir nicht beschreiben kann.

In dem Raum herrschte eine angenehme Wärme. Ich fühlte mich so, wie ich war, unendlich wohl, und hatte kein Bedürfnis, mich wieder anzuziehen. Ich befand mich in einer Art von süßem Wahnsinn und wollte, nackt wie ich war, mit meinen beiden Lieben soupieren. Die wachsame Lucette hielt die Dienerschaft fern. Sie war liebenswürdig genug, uns ganz allein zu bedienen, nachdem sie die Türen sorgfältig verschlossen hatte. Ich wollte, daß auch sie sich in diesem Zustand sehen ließ, und entkleidete sie eigenhändig. Ah, wie reizend erschien sie mir. Wir setzten uns zu Tisch. Mein Geliebter saß zwischen uns und wurde von uns beiden mit Zärtlichkeiten verwöhnt, die er uns bereitwillig wiedergab.

Bald waren wir aufs Neue entflammt. In einem so erregten Zustand war es nur verständlich, daß sich die geliebte Waffe, der ich mich vorhin so tapfer unterworfen hatte, wieder in ihrer vollen Stärke aufrichtete. Die Tafelfreuden verloren bald alles Interesse für uns, und wir eilten zu unserem geliebten Bett. An diesem Tag, der einzig und allein mir gewidmet war, empfand ich noch einmal die vollen Wonnen der Liebe.

Mein Geliebter legte sich an meine linke Seite, seine Schenkel unter den meinen, die ich geöffnet hielt. Kräftig pochte seine Lanze an meinen Eingang. Lucette nahm meinen Kopf zwischen ihre Knie. Ihre reizende Kleine war direkt vor meinen Augen. Ich streichelte und kitzelte sie und liebkoste ihr Hinterteil, das munter in die Luft ragte. Ihr Leib berührte meine Brüste, ihre Schenkel waren zwischen meinen Armen. Wir glühten alle drei vor Begierde. Sie öffnete meine Schamlippen, die von einem lebhaften Rot waren, und versah mich mit jenem köstlichen Schwamm, der meinen Geliebten in die Lage versetzen sollte, sich ohne alle Scheu in mich zu ergießen. Es schmerzte mich ein wenig, als ihn Lucette mit behutsamen Fingern in mich einführte, ich litt. Doch ertrug ich diesen Schmerz in der Hoffnung auf eine höchst erfreuliche Sensation. Lucette selbst bahnte dem köstlichen Instrument den Weg. Es drang mühelos ein, während sie mich kitzelte. Ich leistete ihr währenddessen einen ähnlichen Dienst, während die Finger meines Geliebten in Lucettes Grotte spielten. Er wiederholte dabei die Bewegungen, die sein Instrument in mir vollführte. Ah — all diese Variationen, diese Stellungen, diese Vielfalt von Sensationen! Wir fühlten, wie die Lust über uns zusammenschlug. Halb ohnmächtig vor Lust verströmten wir uns beinahe gleichzeitig. Danach waren wir wohlig ermattet. Lucette stand auf, um Ordnung zu machen, und als sie damit fertig war, legten wir uns alle in ein Bett und schliefen aneinandergeschmiegt ein. Diese Nacht war in meiner Vorstellung mehr als der festlichste Tag.

Ach, liebe Eugenie, warum übertrifft die Einbildungskraft die Wirklichkeit immer wieder, wo diese allein doch unser Glück ausmachen kann? Ich glaubte natürlich, daß nun alle Tage wie dieser eine sein würden, doch mein väterlicher Geliebter, der weiterhin über meine Gesundheit wachte, machte mir anderntags folgende fatale Eröffnung: „Meine teure Laurette, ich kann Dir nicht verbergen, daß ich etwas tun muß, das uns allen schmerzlich sein, wird. Dein Temperament ist noch nicht gefestigt genug, als daß ich Dich ihm überlassen könnte, und Du bist mir viel zu teuer, als daß ich Dir nicht alle Aufmerksamkeit widmen würde, deren ich fähig bin. Währenddessen wirst Du nur unsere Zärtlichkeiten genießen. Du wirst in gewisser Weise an unseren Vergnügungen teilnehmen, aber nur ab und zu wird Dir eine Nacht wie diese vorbehalten sein; Du wirst sie ebenso angenehm finden wie die heutige und wirst sie natürlich mit Ungeduld erwarten. Wenn Du mir gefallen willst, wirst Du Dich diesen Entschlüssen widerstandslos und mit Freuden fügen.“

Diese Worte waren ein sicheres Mittel, zu erreichen, daß ich mich mit meiner Lage ohne Murren abfand. Glaube nicht, meine Liebe, daß ich dabei Eifersucht empfunden hätte.

4. Kapitel

Ich fügte mich also dem Willen meines väterlichen Geliebten. Ah, teure Eugenie, wie gut habe ich daran getan! Nach der neunzehnten oder zwanzigsten derartigen Soiree verließ uns zu unserem Kummer unsere teure Lucette. Ihr Vater, der in der Provinz weilte, rief sie zu sich. Eine gefährliche Krankheit ließ ihn ihre Rückkehr vor seinem Tod ersehnen. Ihre Abreise verursachte uns einen leidenschaftlichen Schmerz, und unsere Tränen mischten sich mit den ihren. Ich für meinen Teil konnte mein Schluchzen nicht zurückhalten. Nur die Hoffnung, sie bald wieder zu sehen, konnte mich trösten. Aber kurz nach dem Tod ihres Vaters verfiel sie selbst in eine langwierige Krankheit, die ihr viele Schmerzen verursachte. Ihr Vater hatte gewisse Heiratspläne mit ihr gehabt, und auch ihre Verwandtschaft redete ihr zu, doch sie wollte nichts davon hören. Sie schrieb, der Unterschied zwischen meinem Vater und den Männern, die ihr den Hof machten, sei zu groß. Sie wollte nicht in eine Hochzeit willigen und sehnte sich danach, zu uns zurückzukehren. Doch ihre Mutter und ihre Verwandtschaft überredeten sie schließlich, und sie stimmte zu, nachdem sie meinen Vater, dem sie in allen Dingen ihr Vertrauen schenkte, um Rat gefragt hatte. Er riet ihr zu, eine an sich günstige Partie nicht auszuschlagen. Mein Vater fühlte sich immer verpflichtet, den Vorteil derer im Auge zu haben, die ihm vertrauten. Er hätte es ohne Zweifel für ein Zeichen der Schwäche gehalten, wenn er anders gehandelt hätte. Doch diesmal brachte sein Rat Unheil. Lucette starb an den Folgen ihrer ersten Niederkunft.

Indes, ich greife den Ereignissen voraus. Lucettes Abreise hatte mich melancholisch gestimmt, doch tröstete ich mich rasch in den Armen meines väterlichen Geliebten. Die Krankheit, in die Lucette verfiel, brachte ihn dazu, meine Gesundheit mit der größten Aufmerksamkeit zu überwachen. Ich hielt mich in allem an seine Ratschläge, denn ich setzte das allergrößte Vertrauen in ihn. Er entfernte sich kaum je von mir und überwachte mich dauernd, weil er wußte, daß mir mein leidenschaftliches Temperament zu schaffen machte.

Bald nach Lucettes Abreise traf er einige Veränderungen in seinem Appartement. Man konnte nur noch in mein Zimmer gelangen, indem man das seine durchquerte. Er hatte der Dienerschaft ernsthaft eingeprägt, daß sie keinen anderen Eingang benutzen durfte. Unsere Betten standen an derselben Wand, die er durchbrechen und durch eine Art von Paravent hatte ersetzen lassen. Dieser konnte jederzeit entfernt werden, doch das war unser kleines Geheimnis, und nur wir kannten den Trick, der die scheinbare Wand, zurückweichen ließ. Den Schlüssel zu meinem Zimmer hatte eine Frau, die er an Lucettes Stelle aufgenommen hatte, die uns aber in allem nur eine Dienerin war.