„Das glaube ich Dir, meine Liebe. Ich werde es Dir verraten, wenn Du mir versprichst, daß Du mir nicht böse sein, sondern mich immer lieben wirst.“
Ich hielt einen Augenblick inne, und Isabelle beteuerte mir unter tausend Zärtlichkeiten, daß sie kein Wort verraten würde, wenn ich ihr nur alles sagte. „Du traust mir nicht, mein Engel? Wirklich, ich verspreche Dir ewiges Stillschweigen. Niemals wird ein Wort von dem, was Du mir sagst, über meine Lippen kommen. Laß uns daher Vertrauen gegen Vertrauen setzen.“
Also gestand ich ihr, wie ich sie belauscht hatte. Sie erschrak nicht wenig. „Ah, meine liebe Freundin, ich beschwöre Dich, bewahre dieses Geheimnis! Verrate mich nicht, ich wäre sonst verloren!“
Ich schwor ihr bei allem, was mir heilig war, ewiges Stillschweigen, und wir kamen darin überein, nicht einmal Justine einzuweihen. Isabelle gab mir unzählige Küsse und fragte mich immer wieder, welche Wirkung das, was ich gesehen hatte, auf mich gehabt habe? Ich erzählte ihr bereitwillig alles. „Aber sag mir doch, Isabelle“, bat ich sie schließlich, „durch welchen Zufall hast Du denn diese Geschichte zwischen Courbelan und Justine entdeckt?“
„Das will ich Dir sagen“, versprach sie eifrig. „Glaube mir, es gibt nichts, was ich Dir verbergen möchte, so sehr baue ich auf Dein Versprechen. Also höre zu! Ungefähr fünf Wochen vor Deiner Ankunft war ich mit meiner Mutter ausgegangen. Doch waren wir noch nicht weit vom Haus entfernt, da entdeckte sie, daß sie etwas vergessen hatte, und sie bat mich, es zu holen. Ich kehrte also ins Haus zurück. Nachdem ich gefunden hatte, was ich suchte, ging ich aus irgendeinem Grund in Justines Zimmer. Die Tür war unverschlossen, vermutlich hatte sie an keine Störung gedacht. Ich öffnete sie, und Du kannst mir glauben, nie zuvor in meinem Leben bin ich so überrascht gewesen. Ich blieb wie angewurzelt stehen und konnte es gar nicht fassen, Courbelan auf ihr zu finden. Er erschrak mindestens ebenso und verließ sie sogleich, während er sich beeilte, sein Werkzeug vor mir zu verstecken und ihre Unterröcke in Ordnung zu bringen. Sie hatte Glück gehabt, daß nicht meine Mutter an meiner Stelle war. Ich wollte mich augenblicklich zurückziehen, doch Justine hielt mich fest. Sie fürchtete wohl, daß ich meiner Mutter etwas von dem sagen würde, was ich gesehen hatte. Sie zog mich auf ihren Schoß und beschwor mich, nichts zu sagen. Ich versprach ihr alles, was sie nur wollte, während sie mich an sich drückte und meine Hände küßte. Ich muß Dir gestehen, liebste Rose, daß mir dieses Abenteuer einigen Stoff zum Nachdenken gab. Einige Tage darauf nahm mich Justine in ihre Kammer mit unter dem Vorwand, daß sie mir einige neue Stickstiche beibringen würde. Doch sie unterrichtete mich über ungleich amüsantere Dinge und brachte mir Sachen bei, die mir ganz neu waren. Sie entblößte meinen Busen und nahm meine Brüste in ihre Hände. So malte sie mir die Vergnügungen der Wollust in den lebhaftesten Farben aus. Meine Aufmerksamkeit war gefesselt. Schließlich, nachdem sie mich durch ihre Gespräche heftig erregt hatte und meine Neugierde genügend entflammt war, fühlte ich ein heftiges Feuer in meinen Adern brennen. Die Fragen, die ich stellte, verrieten Justine, daß der Augenblick günstig war. Sie nahm mich in die Arme, hob mich auf und legte mich auf ihr Bett. Dort entblößte sie mich, und ich verteidigte mich nur schwach. Sie liebkoste mich und versicherte mir, wie glücklich ein junger und liebenswürdiger Kavalier sein würde, an ihrer Stelle diese lieblichen Reize zu sehen und zu berühren, die ich mein eigen nenne. Wie seine Maschine anschwellen und er vor Lust ersterben würde! Ihre Schmeicheleien und die lebhaften Farben, in denen sie diese Bilder vor mir ausbreitete, brachten mich dahin, sie alles tun zu lassen, was sie wollte. Sie legte ihre Fingerspitzen zwischen meine Schamlippen und kitzelte und liebkoste mich aus Leibeskräften. Es dauerte nicht lange, und ich empfand das Vergnügen, das sie mir so lebhaft ausgemalt hatte. Doch sie versicherte mir unentwegt, daß ich mit einem hübschen jungen Mann noch viel mehr Wollust haben würde. Von da an wiederholte sie dieses Spiel des öfteren, und eines Tages führte sie ihren Finger sogar in meine Spalte ein. Ich empfand einen gewissen Schmerz dabei, aber das war nicht weiter schlimm. Ich bemühte mich nach Kräften, ihr das Vergnügen, das sie mir bereitete, zurückzugeben. Acht oder zehn Tage vor Deiner Ankunft geschah dann etwas Besonderes. Meine Mutter war allein ausgegangen und hatte uns, ohne es zu wissen, unseren Spielen überlassen. Justine erfand irgendeinen Vorwand, und bald waren wir beide splitternackt. Courbelan, der sich hinter einem Vorhang versteckt hielt, wurde so zum Zeugen all unserer Torheiten. Das war zwischen den beiden abgesprochen worden, ohne daß ich etwas davon wußte. Sie lachte herzlich über diese List. Ich wunderte mich über ihr Gelächter und wollte den Grund wissen. Schließlich gestand sie mir, daß uns Courbelan die ganze Zeit beobachtete. Er kam nackt wie wir selbst hinter einem Vorhang hervor, mit einem ragenden Speer bewaffnet, dessen Länge und Umfang mich nicht wenig erschreckte. Ich zitterte vor Scham und Furcht und wollte mich selbst verstecken. Doch die beiden hielten mich zurück, und Courbelan nahm mich in seine Arme und liebkoste mich mit seinen Händen und Lippen überall, wo er mich nur erreichen konnte. Er nahm sich alle Freiheiten, und Justine half ihm noch dabei. Schließlich wich meine Scheu dem Verlangen. Er drückte mir seine Rute in die Hand, und ich zögerte nicht, sie zu packen. Das Feuer seiner Küsse und seiner Berührungen, sowie das Beispiel Justines, die ihn ohne alle Bedenken liebkoste, ließ all meine Glieder vor Vergnügen zittern. Ich befand mich in einer Situation, in der ich nichts verweigern konnte. Die Empfindungen, die er mir verursachte, waren viel stärker als jene, die Justine mir bereitet hatte. Ich wünschte brennend, daß er mit ihr dasselbe täte. Doch er ging viel weiter, indem er sie auf das Bett legte. Während er mich mit einer Hand festhielt, gab er mir Gelegenheit zu sehen, wie er in ihr verschwand.
Die Heftigkeit ihrer Bewegungen ließ mich die Intensität ihrer Gefühle ahnen. Heute war es das sechste Mal, daß ich mit den beiden auf diese Weise zusammen war. Ich habe mich sehr auf Deine Ankunft gefreut, meine Liebe, weil ich gehofft habe, dadurch mehr Freiheiten zu, bekommen. Denn ich habe ein unaussprechliches Verlangen danach, daß Courbelan mit mir dasselbe mache wie mit Justine. Ich habe natürlich Angst, daß ich dadurch ein Kind bekommen könnte, und auch seine Größe macht mir Bedenken. Aber nachdem sie ihn mit so großer Begeisterung aufnimmt, kann ich mir vorstellen, daß diese Furcht unsinnig ist und der Schmerz, den man dabei empfindet, bei weitem durch die Lust aufgewogen wird, von der Courbelan mir erzählt hat. Justine widersetzt sich meinem Verlangen immer, doch ihre verschiedenen Gründe scheinen mir recht fadenscheinig.
Ich habe sie bedrängt, mir diesen meinen Herzenswunsch zu erfüllen. Ich habe ihre Gründe mit all den Einfällen bekämpft, die mir gerade in den Kopf kamen, und sie hat mir schließlich versprochen, daß sie meinen Wünschen folgen würde. Aber bis heute hat sie ihr Wort nicht gehalten.“
Wenige Tage danach wurden wir von Justines Verwandten zu einer Hochzeit eingeladen. Diese Einladungen sind in kleinen Provinzstädten üblich. Isabelle meinte lachend, das sei endlich eine günstige Gelegenheit, sie zu täuschen. Ich wußte natürlich, was ihre Phantasie so lebhaft beschäftigte, und ich beschloß, ihr zu helfen. Ohne Zweifel würde Courbelan zum Tanz kommen, denn das taten die jungen Leute bei solchen Anlässen immer, auch wenn sie nicht eingeladen waren. Die Hoffnung, Justine und Isabelle zu treffen, würde ihn sicher dorthin führen. Ich würde zunächst allein erscheinen und sagen, daß Isabelle mit ihrer Mutter unterwegs sei und später nachkommen würde. Ohne Zweifel würde ich ihn sehen und Gelegenheit haben ihm zu sagen, daß Isabelle ihn zu sprechen wünsche und in Justines Zimmer warte. „Nein, nein, das ist unmöglich“, sagte sie errötend. Aber ich drängte sie und erstickte ihren Widerspruch in meinen Zärtlichkeiten.
Es war ganz leicht, ihr Verlangen zu wecken, und schließlich stimmte sie dem zu, was ich ihr vorgeschlagen hatte. Ich hatte mich noch nicht völlig angezogen, als meine Tante das Haus verließ. Kaum war ich bei Justines Verwandten angekommen, traf ich auch schon Courbelan. Ich zog ihn beiseite und sagte ihm ganz ruhig, was ich mir vorgenommen hatte. Er verschwand augenblicklich. Ich bedauerte nur, nicht auf meinem Wachposten zu sein. Doch ohne Zweifel würde Isabelle mir nachher alles sagen. Also nahm ich ohne Bedenken an dem festlichen Treiben teil, nachdem ich bei dem Fest meiner lieben Cousine schon nicht anwesend sein konnte.
Justine fragte mich, kaum daß ich den festlich geschmückten Raum betreten hatte, warum Isabelle nicht mit mir gekommen sei. Ich sagte vereinbarungsgemäß, daß sie mit ihrer Tante gegangen sei, doch daß wir uns hier verabredet hätten. Sie nahm meine Ausrede als die natürlichste Sache der Welt. Doch als sie sah, daß auch Courbelan nach kurzer Zeit verschwand und meine Cousine immer noch nicht kam, schöpfte sie Verdacht. Ohne sich mir näher zu erklären, konnte sie sich nicht enthalten, zu bemerken, daß das Verschwinden des einen und das Ausbleiben der andern doch recht eigenartig sei. Ihre Unruhe nahm zu, doch nicht lange danach tauchte Courbelan wieder auf und bald darauf auch meine Cousine. Justine verschwand an ihrer Stelle, und ich erzählte Isabelle von dem Verdacht, den ihre Gouvernante geschöpft hatte. Sie vermutete gleich, daß jene in die Wohnung zurückgekehrt sei, und das beunruhigte sie nicht wenig. Doch Justine kam wieder, und diesmal blieb sie. Doch hatte sie gewisse Nachforschungen angestellt und erfahren, was sie wissen wollte. Kaum waren wir wieder zu Hause, zogen Isabelle und ich uns in unser Zimmer zurück, indem wir Müdigkeit vorschützten. In Wirklichkeit wollte ich die erstbeste Gelegenheit benützen, um mit ihr allein zu sein und alles zu erfahren, was ich wissen wollte. Ich sagte, daß ich vom Tanz erschöpft sei, und Isabelle sagte dasselbe, obwohl sie gar nicht getanzt hatte. Sie hatte immer einen Vorwand gefunden, um die Aufforderungen, die an sie ergingen, auszuschlagen. Wir legten uns also zu Bett. Ich schloß sie in meine Arme, und ich wollte meine Hand dorthin legen, wo sie unzweifelhaft jenes riesige Instrument empfangen hatte. Aber sie stieß meine Hand zurück und sagte, sie habe heftige Schmerzen.