„Ah“, seufzte sie, „meine geliebte Rose, wie wenig hat meine Neugierde mich zufrieden gestellt. Courbelan kam, wie er dies immer zu tun pflegte. Ich öffnete ihm. Er flog in meine Arme und trug mich auf das Bett. Seine Hände liebkosten mich, wie sie es schon oft getan hatten. Ich leistete ihm keinen Widerstand, doch dann hat er mich mit seinem riesigen Instrument durchbohrt, wie ich es erwartet habe. Aber welchen Schmerz hat mir dies verursacht! Ach, dieses riesige Werkzeug hat mich förmlich zerrissen. Ich wagte nicht zu schreien und brach in Tränen aus. Er versuchte mich zu trösten, indem er mich umarmte und mir versicherte, daß ich Sekunden später nur noch Lust empfinden würde. Er täuschte mich. Als er es wieder versuchte, war mein Schmerz genau so heftig. Er tat es ein drittes Mal, und ich sträubte mich dagegen. Aber er erstickte meinen Widerstand. Auch tat er es diesmal mit sehr viel Vorsicht und Zartheit, daß ich glaubte, diesmal keinen so heftigen Schmerz zu empfinden. Doch es war beinahe dasselbe wie zuvor. Diese furchtbaren Schmerzen mischten sich mit meiner Angst, ein Kind zu bekommen. Du weißt ja, wie Justine mir diesen Gedanken eingeimpft hat. Courbelan hat ein so heftiges Brennen an jenem gewissen Örtchen verursacht, daß ich es nicht einmal zu berühren wagte. Ich habe deshalb auch nicht tanzen können.“
Es fiel mir nicht schwer, Isabelles Mißgeschick zu erklären. „Ohne Zweifel bist Du enger gebaut als Justine, die etliche Jahre älter ist“, warf ich ein.
„Das sagte Courbelan auch. Er meinte, mit der Zeit und durch eine gewisse Übung würde ich schon weiter werden. Aber in der Zwischenzeit werde ich es nicht mehr dulden.“
Es blieb uns also nichts anderes übrig, als uns für den Rest des Abends ruhig zu verhalten, und so schliefen wir schließlich ein.
Am nächsten Tag rief Justine Isabelle in ihr Zimmer und eröffnete ihr, daß sie Courbelans unerwünschten Besuch bemerkt habe. Er habe vergessen, die Pforte ordnungsgemäß zu schließen, auch habe sie bemerkt, daß ihr Bett in Unordnung geraten sei. Sie sagte Isabelle auf den Kopf zu, daß sie, anstatt mit ihrer Mutter fortzugehen, im Haus geblieben sei und die Wohnung erst zwei Stunden später verlassen habe. Sie verlangte von ihr ein offenes Geständnis und versicherte ihr, daß sie sich auch ohne dieses jederzeit davon überzeugen könne, was in der fraglichen Zeit geschehen sei.
Isabelle versuchte sich zu verteidigen, doch die Spuren dessen, was geschehen war, waren so offensichtlich, daß sie schließlich die halbe Wahrheit gestand, ja, Courbelan sei gekommen, und er habe ihr dieselben Aufmerksamkeiten wie früher erwiesen, Justine versicherte ihr, daß sie dies nicht glaube. Sie sei überzeugt, daß Courbelan sie genommen habe, umso mehr, als alle Anzeichen dafür sprächen. Meine Cousine leugnete, aber dieses Mädchen gab sich damit nicht zufrieden. Sie war viel stärker als Isabelle. Ohne weiteres hob sie sie in ihren Armen auf und legte sie auf das Bett. Isabelle vermochte keinen Widerstand zu leisten, und weil sie fürchtete, daß ihr neue Schmerzen bevorstünden, gestand sie schließlich alles, was ihre Gouvernante wissen wollte. Justine, die die Folgen dieses Abenteuers fürchtete, war wütend auf Courbelan, und sie brachte es fertig, seinen künftigen Besuchen so viele Hindernisse in den Weg zu legen, daß es meiner Cousine beinahe unmöglich wurde, ihn zu sehen.
Justine benutzte künftig alle Möglichkeiten, die ihr zu Gebote standen, um eine weitere Verbindung zwischen Courbelan und Isabelle zu verhindern. Courbelan zerstritt sich deshalb mit ihr und zog wenig später in eine andere Stadt. Wahrscheinlich hat er inzwischen sowohl Isabelle als auch Justine vergessen. Diese verließ übrigens meine Tante bald danach. Möglicherweise ist sie ihm nachgereist, um ihn wieder für sich zu gewinnen.
Während der ersten Zeit vermochte Isabelle ihren Ärger darüber, daß sie ihn nicht sehen konnte, nicht zu verbergen. Ich litt unter ihren Launen, aber ich verstand und tröstete sie, so gut mir das möglich war. Schließlich gelang es mir, die Erinnerung an diesen liebenswürdigen jungen Mann in ihr verblassen zu lassen. Ich liebte meine Cousine herzlich, umso mehr, als auch sie eine leidenschaftliche Zuneigung für mich hegte und diese nicht wenig dazu beitrug, daß sie ihren Kummer schließlich vergaß.
Wir blieben noch vier Monate zusammen, und während dieser Zeit lehrte sie mich alles, was sie von Courbelan und Justine erfahren hatte.
Ich entnahm daraus unschwer, daß Courbelan vom ersten Augenblick an seine Augen auf Isabelle geworfen hatte. Unter dem Vorwand, daß Isabelle ein Geheimnis, an dem sie beteiligt war, am besten bewahren würde, hatte er Justine überredet, sie an ihren Spielen teilnehmen zu lassen. Wäre Justines Eifersucht nicht ein so ernsthaftes Hindernis gewesen, er hätte von Isabelle ohne Zweifel früher Besitz ergriffen.