„Recht gern, Rose. Aber das wird die letzte Zeremonie sein!“

„Ah ja! Sieh nur, Vernol hat sein Taschentuch Laurette zugeworfen. Wir müssen sie vereinen. Du bist doch bestimmt damit einverstanden?“

„Natürlich, meine Liebe, ganz wie Du willst.“

Sie nahm unsere Hände und fügte sie zusammen. Vernol und ich umarmten uns, unsere Lippen trafen sich. Sie legte seine Hand auf meine Brüste und nannte uns Mann und Frau. Wir waren alle vier sehr erhitzt. Vor allem Rose brannte förmlich. „Wie hübsch wäre es“, rief sie plötzlich, „wenn wir ein Bad haben könnten, um uns zu erfrischen. Die Glut erstickt mich noch!“

Mein Vater erhob sich und zog an einer Schnur, mittels der er einen Vorhang von einer Nische wegzog. Zu meinem Erstaunen entdeckten wir dahinter ein Badebecken, in das sich abwechselnd kaltes und warmes Wasser, vermischt mit allerlei Wohlgerüchen, ergoß.

Rose war begeistert. „Ist das nicht herrlich? Fast wie in einem verzauberten Schloß! Ich werde mich in eine Nymphe verwandeln, aber ich werde nicht die einzige sein.“

In wenigen Augenblicken hatte sie sich mit dem einzigen Abzeichen der Nymphen geschmückt. Sie bemächtigte sich meiner und verlangte von Vernol und meinem Vater, daß sie helfen sollten, mich in denselben Zustand zu versetzen. Die beiden ließen sich das nicht zweimal sagen. In Sekundenschnelle verschwanden alle meine Dessous. Rose gab ihrem Bruder ein Zeichen, und auch er verwandelte sich schnell in einen Faun, während wir meinem Vater unseren Beistand liehen.

Meine Augen verschlangen Vernol. Ah, wie hübsch er war und wie sehr gefiel er mir im Glanz seiner Jugendfrische! Er war weiß und rosig wie ein junges Mädchen, und doch bewaffnet mit dem Speer, der das Kennzeichen des Mannes ist.

Wir tauchten alle vier in das duftende Naß, um darin die Glut zu löschen, die uns zu verzehren drohte. Fortwährend waren wir zwei Nymphen von den männlichen Lanzen bedroht, aber sie erschreckten uns nicht. Wir waren die Beute der vorwitzigen und leidenschaftlichen Hände, der verwegensten Küsse unserer Tritonen und konnten uns nicht genug daran tun, ihnen diese Liebkosungen durch die unsrigen zu vergelten. Wir scherzten mit ihren Pfeilen, und sie wollten sich unser bemächtigen. In diesem Augenblick hatte mein Vater die Klugheit, durch einen schnellen Handgriff das bewußte Schwämmchen bei mir unterzubringen.

Vernol faßte nach mir, doch einem ebenso natürlichen wie wirksamen Instinkt zufolge hinderte ich ihn und flüchtete aus dem Bassin. Flucht ist das sicherste Mittel, das Verlangen der Männer anzustacheln. Rose folgte mir, und sofort waren die beiden hinter uns her. Aber die momentane Abkühlung hatte sie ernüchtert, und so waren sie für den Augenblick keine ernsthafte Gefahr. Wir hüllten uns spielerisch in leichte Schleiergewänder, die nichts verbargen, und machten es uns auf dem Diwan bequem. Mein Vater zog an einer anderen Schnur, und wie durch Zauberei senkte sich ein mit Leckerbissen aller Art, köstlichen Weinen und Früchten beladener Tisch zwischen uns. Wir aßen und tranken, und die Hitze, die uns vorhin verzehrt hatte, begann augenblicklich wieder aufzuflammen. Vernol vor allem war ungeduldig. Ich befand mich in einem Taumel von Lust und genoß mit Augen und Händen, doch hatte ich es nicht eilig, ans Ziel zu kommen. Vielmehr wollte ich langsam genießen und befand mich darin in schönster Übereinstimmung mit meinem Vater, der sich gleichfalls Zeit ließ. Vernol und Rose waren daher gezwungen, ihre Ungeduld zu zähmen. Rose fiel dies leicht, weil unsere Zärtlichkeiten und Liebkosungen sie ihrem eigenen Eingeständnis zufolge schon dreimal dem Gipfel der Lust entgegengetragen hatten. Sie genoß also die Mahlzeit, die sie unser Hochzeitssouper nannte. Aber es war nicht Hymen, der dieses Mahl regierte, dessen Königin allein die Wollust war. Sie allein konnte uns erfreuen und Genüge tun. Deshalb erhob sich in der Mitte der festlich geschmückten Tafel auch triumphierend Priap, der Gartengott, der sein mächtiges Szepter in Händen hielt. Das Tischtuch war an den vier Ecken mit Stickereien geschmückt, welche die wollüstigsten Gruppen darstellten. Unter ihnen gab es alte Satyrn, die hinter blühenden jungen Nymphen herjagten. Alles inspirierte und erregte uns. Rose war wie eine trunkene Bacchantin. Weinglas und Flasche in Händen, bot sie uns den Anblick all ihrer Reize.