Im ersten Freudentaumel schon vergaßen die jungen Leute völlig, eine Abmachung zu beachten, der sie sich unterwerfen wollten. Nur der älteste von ihnen, der zugleich der schlaueste war, hatte sie nicht völlig aus den Augen verloren. Er nahm Rose zusammen mit einem seiner Freunde in die Mitte. Sie protestierte ein wenig, doch dann ging sie auf die Neckereien der jungen Leute ein. Es war noch mitten in der schönen Jahreszeit. Man wanderte ziemlich rasch. Am Ziel angekommen, begab man sich in ein kühles Zimmer. Rose war erhitzt, sie warf sich auf einen Diwan, öffnete ihr Mieder, und ihre in Unordnung geratenen Röcke ließen ein außerordentlich hübsch geformtes Bein sehen, das wahre Lobeshymnen unserer jungen Leute herausforderte. Man ließ Wein und Likör bringen, die Köpfe begannen sich zu erhitzen und die Sinne nicht minder. Ein freches Liedchen klang auf, das Benehmen wurde freier, etliche Küsse wurden getauscht. Der älteste von den vier Burschen, der natürlich am meisten Erfahrung hatte, umarmte Vernol und verriet ihm schließlich, unter welcher Bedingung die vier diesen Ausflug unternommen hätten. Vernol lachte Tränen darüber, und Rose, die wie gewöhnlich neugierig war, wollte wissen, was es damit auf sich habe. Als die vier Freunde mit der Wahrheit nicht recht herausrücken wollten, bedrängte sie diese umso lebhafter. Schließlich gestand ihr der Älteste, man habe beschlossen, daß derjenige, der die kleinste Rute sein eigen nenne, die Zeche für die übrigen zahlen solle.

Diese Worte und das Gelächter, das darüber ausbrach, ergötzten Rose. Sie wurde lebhaft, hob ein Bein so hoch, daß man beinahe alles sehen konnte, und rief: „Ei, wer wird denn wohl der Schiedsrichter sein?“

„Sie selbst, meine Schöne“, sagte der Älteste unverblümt.

Rose, die vom Wein erhitzt war, fühlte sich von dieser Rolle geschmeichelt und erregt und antwortete, daß sie ohne jeden Zweifel für jeden das beste Zeugnis ablegen würde. Von diesem Augenblick an genierte sich niemand mehr. Die obszönsten Ausdrücke mischten sich mit den gewagtesten Zärtlichkeiten, die von Mund zu Mund gewechselt wurden. Rose erwies sich bald als ein erfahrener Champion und nahm unerschrocken an allem teil. Sie war noch auf ganz andere Angriffe gefaßt gewesen, die sie mehr interessierten und die sie daher förmlich herausforderte. Sie rief Vernol zu sich, und indem sie ihm einen Arm um den Hals legte, drückte sie ihn an ihren Busen und verlangte, daß er diesen küsse. Dann ließ sie ihre Hand tiefer gleiten und bemächtigte sich seiner Lanze, während er ihr ganz ungeniert unter die Röcke griff, die nach oben gestülpt wurden und nun so gut wie alles sehen ließen. Dieser Anblick erregte die Freunde so sehr, daß sie alle Selbstbeherrschung vergaßen. Der eine faßte ihr Hinterteil, der andere einen Schenkel, der dritte ihre Brüste. Kurz, jeder packte ein anderes Stück von ihr. Rose befahl Vernol wieder aufzustehen, und sie zeigte ihnen seine Rute.

„Könnt ihr mit etwas ähnlichem aufwarten?“ fragte sie herausfordernd.

Darauf nahm jeder seine Waffe in die Hand, und sie hatte das Vergnügen, fünf nackte und bedrohlich aussehende Ruten auf einmal zu sehen. Sie alle sagten ihr den Kampf an, und einige von ihnen würden mit Sicherheit besiegt werden. Rose setzte sich mit ausgebreiteten Schenkeln auf das Bett. Der Ort, an dem das allgemeine Lanzenstechen stattfinden sollte, war völlig unbedeckt.

„Ich könnte nach dem Augenschein urteilen“, sagte sie. „Aber ich will die Sache genau nehmen, so daß keiner sich über mich zu beklagen hat. Deshalb will ich ein Maß anwenden, das dem meinen gerecht wird. Los, fangen wir an!“

Sie ließ alle fünf vor sich antreten und nahm mit großer Genauigkeit Maß, und zwar sowohl was die Länge als auch die Stärke betraf.

Der Anblick und die Berührung dieser kampfbereiten Lanzen erregte sie derart, daß sie auf den Rücken fiel und sich nach zwei oder drei Bewegungen den Zuckungen ihrer Wollust überließ. In diesem Augenblick wollten alle zugleich über sie herfallen, doch sie hielt sie zurück.

„Zuerst will ich mein Urteil verkünden“, sagte sie. Der Älteste mußte demzufolge den Wein und die übrigen Getränke zahlen, während Vernol den Rest zu übernehmen gehabt hätte, wenn er nicht schon dazu eingeladen worden wäre. So kam der zweitälteste zu dieser Ehre. Er war kaum weniger gut gerüstet als Vernol. Er hatte eine recht ansehnliche Figur, und Rose tröstete ihn über seinen Ärger, indem sie ihm versprach, daß er der erste sein werde, seine Kräfte an ihr zu erproben.