Sie erwartete diesen Augenblick mit Leidenschaft. Alle diese entblößten Lanzen hatten ihre Glut geweckt, und sie brannte nun danach, sie aufzunehmen. Sie ließ sich auf das Bett zurücksinken und zog jenen mit sich, dem sie diese Bewährungsprobe als erstem versprochen hatte. Vernol und die drei anderen folgten in der Reihenfolge, in der sie gemessen und für gut befunden worden waren. Rose ließ sich auf einer Woge von Lust treiben. Es kam ihr ohne Unterlaß. Kaum, daß ihr genügend Zeit blieb, sich zu erholen. Der eine hatte den Ort seines Entzückens kaum verlassen, als der andere schon eindrang. Endlich trat ein Augenblick der Ruhe ein. Man war erschöpft.

Wein, Gelächter und Zärtlichkeiten ersetzten die leidenschaftlichen Eroberungen. Rose fand sich den lasziven Lippen und Händen dieser fünf Faune völlig ausgeliefert. Sie duldeten nicht das mindeste Stückchen Stoff an ihr. So blieb sie in dem anbetungswürdigen Zustand, in dem die drei Göttinnen einst dem Paris erschienen. Da sie alle jung und stark waren, dauerte es nicht lange, bis ihre Begierden wieder neu entflammt waren und zu neuen Heldentaten im Dienste der Venus drängten.

Rose hätte gern den Gürtel der Venus gehabt, ja selbst eine ganze Girlande von wollüstigen Öffnungen hätte ihren Begierden kaum Genüge tun können.

Da sie deren nur zwei besaß, wechselte sie die Szenerie. Der größte und stärkste unter ihren Eroberern mußte sich auf das Bett legen. Sie legte sich über ihn, während der mit einer weniger wirksamen Waffe versehene Freund sich hinter ihr in Positur stellte. Jeder nahm den Weg, der sich ihm bot, während sich jede ihrer Hände einer der übrig gebliebenen Waffen bemächtigte. Vernols Lanze hingegen fand sich bevorzugt, da sie dieselbe zwischen ihre Lippen aufnahm und ihn mit ihrer Zunge liebkoste und kitzelte.

Es dauerte lange, bis die siegreiche Rose, die sich solcherart von fünf Liebhabern auf einmal in jeder erdenklichen Weise erobert fand, in ein Übermaß der Lust versank, das ihr fast die Besinnung raubte.

Ich sah sie am nächsten Morgen. Sie war erschöpft, ihre Augen blickten ermattet. Ich war erstaunt, sie in diesem Zustand zu finden, und fragte sie nach der Ursache. Es dauerte eine Weile, bis sie und Vernol mir dieses Abenteuer gestanden. Ich nahm mir nicht die Mühe, ihr einen guten Rat zu geben, denn ich sah wohl, daß dies nutzlos gewesen wäre. Doch von diesem Augenblick an vermied ich es, die beiden zu treffen. Rose, die sich ohne jede Achtsamkeit den wildesten Leidenschaften auslieferte, erlag ihrer ausschweifenden Lebensweise schließlich. Ihre Regel kam nicht mehr, sie befand sich in einem Zustand schrecklicher Erschöpfung, dem die wildesten Krämpfe folgten. Nach einiger Zeit war sie nur noch ein Schatten ihrer selbst. Ihre Heiterkeit war völlig verschwunden, und ein schleichendes Fieber raffte sie hinweg.

Auch Vernol wurde von einer fiebrigen Krankheit befallen, und er brauchte lange, um sich davon zu erholen. Eine Geschlechtskrankheit machte ihm viel zu schaffen und entstellte ihn völlig. Er blieb noch monatelang schwer krank und konnte sich lange nicht erholen. Mein Vater hatte alle diese Ereignisse vorausgesehen. Ich begriff wohl, was die Sorgfalt, mit der er über mir wachte, mir erspart hatte, und ich konnte meine Dankbarkeit für ihn nicht zurückhalten. Da ich das Übermaß der Begierde fürchten gelernt hatte, schonten wir einander mehr und mehr. Wir waren mehr zärtlich, mehr wollüstig als leidenschaftlich und empfingen unsere Lust aus den Zärtlichkeiten, die wir miteinander tauschten.

Manchmal, wenn ich mich an das erinnerte, was damals auf dem Lande geschehen war, bereitete mir diese Erinnerung einen heftigen Kummer. Und in einer unserer glücklichen Nächte brach ich in plötzliche Tränen aus.

„Was hast Du, meine liebste Laurette“, fragte mein Freund ernstlich besorgt. „Warum weinst Du?“

„Ah, mein Liebster! Unmöglich kannst Du mich länger lieben, Du kannst Dein kleines Mädchen nicht länger achten nach allem, was ich getan habe . . .“