Die menschliche Existenz, die natürliche Konstitution des Menschen, gibt ihm das Recht zu wählen und selbst zu wechseln, wenn er sich getäuscht sieht. Nun wohl, wer täuschte sich nicht? Schließlich ist es dieses Recht zu wählen, das die Frau unbeständiger und treuloser macht als die Männer, die sich eher an die allgemeinen Gesetze halten. Wenn nun in den Frauen wegen der Beschaffenheit ihres Geschlechts ein größerer Grad von Wollust, ein lebhafteres und dauerhafteres Vergnügen als in uns Männern lebendig ist, so werden sie in gewisser Weise für die Beschwerden und Schmerzen entschädigt, denen sie unterworfen sind. Welche Ungerechtigkeit, aus diesen natürlichen Eigenschaften ein Verbrechen zu machen! Sind die Frauen etwa die Urheberinnen ihres Temperaments? Von wem haben sie es empfangen? Ihre Einbildungskraft, die auf Grund der Feinheit und Sensibilität ihrer Organe so leicht erweckt wird, ihre exzessive Neugierde und ihr leicht erregbares Temperament gaukeln ihnen Bilder vor, die sie heftig bewegen und die sie der Realität ihrer Begierden um so leichter zugänglich machen.
Betrachten wir doch die Unannehmlichkeiten, die durch die Eifersucht, dieses Lieblingskind unserer Eigenliebe und unseres Egoismus, verursacht werden! Sind die Frauen diesem Übel nicht ungleich stärker unterworfen als die Männer? Finden wir uns doch mit den Eigenarten des weiblichen Charakters ab! Machen wir ihnen das Joch leicht, das die Natur ihnen aufgebürdet hat! Binden wir sie mit losen Ketten, um ihren Geist zu fesseln, ihr Herz zu unterjochen und die Unbeständigkeit zu bändigen, die ihnen die Natur verliehen hat! Halten wir ihnen ihre Schwächen zugute, um sie uns nicht zu entfremden, was ohne Zweifel geschehen würde, wenn sie die Bürde der Ketten, mit denen die Liebe sie beladen möchte, zu drückend empfänden. Ohne diese unsere Großzügigkeit wäre die schönere Hälfte des Menschengeschlechts recht unglücklich. Doch wie bedauerlich ist es, daß diese Grundsätze von dem weitaus größten Teil unserer zivilisierten Welt nicht befolgt werden. Es ist vor allem die Unduldsamkeit, welche die Untreue der Frau zu einem solch beklagenswerten Verhängnis werden läßt. Und doch, glaube mir, liegt es vor allem an uns Männern, durch Klugheit und Weitblick die Frauen vor den furchtbaren Folgen zu bewahren, welche ihre Unabhängigkeit für sie haben kann. Denn so natürlich diese Unbeständigkeit auch Deinem Geschlecht erscheinen mag, so entsteht daraus doch zuweilen das größte Unheil. Bedenken wir nur die unglücklichen Resultate, die diese fatale Neigung bei den Frauen häufig zeitigt, während die Untreue der Männer zumeist keine solchen Folgen nach sich zieht!
Ich werde Dir den Grund dafür an einem einfachen Beispiel beweisen. Wenn man in zwanzig verschiedene Gefäße denselben Wein füllt und diesen dann in einem Gefäß mischt, so wird er in seinem Geschmack und seiner Qualität unverändert sein. Doch wenn man in einem einzigen Gefäß zwanzig verschiedene Flüssigkeiten zusammengießt, so wird sich daraus eine Mischung ergeben, welche die natürlichen Eigenschaften jeder dieser Flüssigkeiten verändert. Und wenn man auch nur einen Tropfen davon in ein Gefäß schüttet, in dem sich eine unvermischte Flüssigkeit befindet, so wird diese dadurch verdorben werden.
Aus diesem Beispiel kannst Du leicht Deine Folgerungen ziehen. Wenn sich ein Mann mit mehreren Frauen vereint, kann daraus kein Übel entstehen. Sein Verhalten ist vielmehr dasselbe, wie wenn man ein und dieselbe Flüssigkeit in mehrere Gefäße füllte. Aber wenn eine Frau, selbst eine gesunde Frau, sich hintereinander mit mehreren Männern verbindet, so wird diese Vermischung der Samenflüssigkeit in ihr, selbst wenn die Männer ihrerseits ganz gesund sein sollten, doch die gefährlichsten Folgen zeitigen.
Wenn ein Mädchen, eine junge, reizende, freie und unabhängige Frau, die dem Pöbel entstammt und daher keine Erziehung genossen hat und keine hinreichenden Vorkehrungen trifft, infolge ihrer eigenen Arglosigkeit oder aus Nachgiebigkeit gegenüber der Lockung jener alten Hähne, die auf ihre Reize scharf sind, sich in diesen schrecklichen Zustand versetzt, so werden die Folgen unausbleiblich sein. Hat sie sich nun infolge ihres Temperaments oder weil sie den Charakter einer Libertine hat, verführen lassen, mehrere Männer in rascher Reihenfolge zu empfangen, wird sie dies zu ihrem eigenen Schaden tun, und sie wird ohne Zweifel ein Opfer der Ansteckung sein, auch wenn diese Männer an und für sich gesund sein mögen. Die Mischung der Samenflüssigkeit in ihrem Innern hat die schädlichsten Folgen. Sie wird an weißem Ausfluß und Geschwüren der Gebärmutter zu leiden haben, wenn ihr nicht noch Schlimmeres bevorsteht. Die Samenflüssigkeit dieser verschiedenen Männer, die einander infolge der Verschiedenheit des Temperaments oder infolge der Verschiedenheit ihres Gesundheitszustandes widersprechen, zerstört die Gesundheit der Frau, die sie in sich aufgenommen hat. Vor allem jene, die an Hautkrankheiten leiden, übertragen diese häufig auf die Frauen, mit denen sie sich verbinden. Gar nicht zu reden von jenen anderen, die an chronischen Geschlechtskrankheiten leiden, ohne daß deshalb ihre Potenz zerstört wäre. Alle diese Stoffe, die sich an ein und demselben Ort treffen, verursachen mit beinahe absoluter Sicherheit ein Gift, das viel wirksamer ist als jeder einzelne Krankheitsstoff für sich allein. Das beweist, daß die Frauen nicht für die physische Untreue gemacht sind und noch weniger für die Prostitution, der sich so viele von ihnen ergeben.
Du ersiehst aus dem Gesagten wohl, daß die physikalischen Erkenntnisse sowie Vernunft und Erfahrung es gewiß erscheinen lassen, daß von dem Augenblick an, da sich die Frauen der Freizügigkeit ihres Temperaments auslieferten, die venerische Ansteckung sich an den Quellen des Lebens verbreiten mußte. Unglücklicherweise ist sie aus den niedrigsten Volksschichten, wo sie vielleicht ihren Ausgang genommen hat, bis zu den Spitzen der Gesellschaft emporgestiegen.
Doch da dies nun einmal geschehen ist, erscheint es ohne Zweifel notwendig, daß erleuchtete und kluge Männer, die durch eine lange Erfahrung weise geworden sind, versuchen, ein Mittel zu finden, das die verheerenden Folgen dieser geschlechtlichen Vergiftung aufhebt. Es gab genügend solche Männer, die, mögen sie auch dem Spott und dem Geschrei des Pöbels ausgesetzt sein, doch ihren Zeitgenossen ebenso nützlich sind wie künftigen Generationen, indem sie die Schäden zu beseitigen suchen, die aus der Prostitution der Frauen für alle Welt entstanden sind.
Das ist übrigens auch ein Vorteil dieses Schwämmchens, das ich Dich benützen lehrte. Aber die Anwendung desselben allein genügt nicht. Die Flüssigkeit, mit der es präpariert ist, zerstört zwar die Kraft des männlichen Samens, aber das Gift, das durch die Vermischung der Säfte auf den weiblichen Körper einzuwirken vermag, ist oft stärker. Immerhin reicht diese Vorsichtsmaßnahme in vielen Fällen, die verheerenden Folgen einer Infektion zu verhindern.
Es gibt indessen noch eine stärker wirkende Flüssigkeit. Eine Frau, die ihren Gebärmuttermund durch ein mit dieser Flüssigkeit durchtränktes Schwämmchen verschließt, kann sich ohne Risiko mit mehreren Männern paaren, ja, sie kann sogar einen kranken Mann empfangen. Kommt ihr der Verdacht, daß ein Mann krank sein könnte, zu spät, so kann sie das Schwämmchen hinterher mittels der seidenen Schnur entfernen und sich durch eine Waschung mit derselben Flüssigkeit reinigen, um danach ein anderes Schwämmchen, das auf dieselbe Weise getränkt ist, wieder einzuführen. Man kann diese Schwämmchen auch in eine starke Lösung einer solchen Flüssigkeit tauchen und sie hernach wieder in Gebrauch nehmen.
Auch ein gesunder Mann kann sich im Verkehr mit einer Frau, die er im Verdacht einer venerischen Erkrankung hat, schützen, indem er ein mit vorbeugender Flüssigkeit getränktes Schwämmchen in ihre Vagina einführt. Doch sollte er nach dem Verkehr sein Glied in dieser Flüssigkeit waschen. Dazu kann man ein Glas oder Porzellangefäß verwenden. Noch sicherer ist es, wenn man in den Harnkanal etwas von dieser Flüssigkeit einführt. Dazu kann man eine kleine Elfenbeinröhre — doch niemals einen Metallgegenstand verwenden. Will der Mann eine sehr köstliche Sensation erleben, soll er diese Flüssigkeit zur Hälfte mit Rosenwasser mischen. Ich würde Dir das nicht sagen, meine Liebe, wenn ich nicht die entsprechende Erfahrung gemacht hätte.