Oft kommt es vor, daß die Leidenschaft in Wut ausartet. Die Gegenstände, die ihr gleichartig sind und sie nähren, bieten sich unaufhörlich dem Geiste dar; nun, man kann sich nicht vorstellen, bis zu welchem Grade dieses Achten auf einen einzigen Gegenstand entnervt, schwächt. Übrigens zieht die Lage der Geschlechtsteile, selbst ohne Pollution, eine große Verschwendung der animalischen Triebe nach sich. Pollutionen treten zu häufig auf; selbst wenn ihnen keine Samenentleerungen folgen, schwächen sie unendlich. Es gibt auffallende und unbestreitbare Beispiele dieser Art. Zu beachten ist noch, daß das Verhalten der Onanisten nicht wenig zur Schwächung, die sich aus ihren ungeteilten Handlungen ergibt, und zur Reizbarkeit ihrer Organe beiträgt. Die Natur kann nimmer weder ihrer Rechte verlustig gehen noch ihre Gesetze unbestraft verletzen lassen. Geteilte Freuden werden selbst im Übermaß eher von ihr ertragen als eine unfruchtbare List, durch welche man ihrer Herr zu werden sucht. Die Befriedigung des Geistes und des Herzens hilft zu einer schnelleren Wiedergutmachung der Verluste als die, welche die Räusche der Einbildungskraft verursachen und niemals ersetzen können.

Die Moral ist aber stets der Leidenschaft gegenüber schwach. Wenn dieser seltsame Geschmack bekannt ist, ist man mehr damit beschäftigt, ins Werk zu setzen, was ihn befriedigen kann, als darüber nachzudenken, was ihn zurückdrängen könnte; und man hat herausgefunden, daß beide Geschlechter, sich gegenseitig bedienend, den einzelnen Genuß den Reizen eines gegenseitigen Genusses vorziehen müßten.

Diese seltsame Kunst wurde zu allen Zeiten und wird noch in Griechenland gepflegt. Es ist dort üblich, sich nach dem Mahle zu versammeln. Man legt sich im Kreise auf einen Teppich, alle Füße sind nach dem Mittelpunkte gerichtet, wo man in der kalten Jahreszeit einen Dreifuß aufstellt, der eine Kohlenpfanne trägt. Ein zweiter Teppich deckt euch bis an die Schultern zu: da finden die jungen Griechinnen das Mittel, sich, ohne daß man’s merkt, die Schuhe auszuziehen und den Männern mit ihren Füßen einen Dienst zu leisten, zu dem sich viele Weiber sehr unbeholfen ihrer Hände bedienen.

Tatsächlich ist solch eine Gabe nicht allen verliehen. In Paris haben einige Leute nach einer vollendeten Erfahrung und einer Menge Versuchen ein besonderes Studium daraus gemacht. Auch die jungen Mädchen, die vom edlen Wetteifer beseelt sind, nach einem Rufe dieser Art zu trachten, tragen eifrig Sorge, Unterricht zu nehmen; doch sind sie nicht alle mit Erfolg gekrönt. Sicher ist es, daß sich hier Schwierigkeiten von mehr als einer Art in den Weg stellen.

Es handelt sich nicht um ein Gefühl, das sich auf das Wesen des Mädchens überträgt, welches nichts tut als es hervorzurufen. Es ist nur eine Sensation, die sie durch den Stoß ihres Körpers mitteilt, es ist eine Sensation, die der Mann in sich selber durch die Einbildungskraft dieses Mädchens genießen und die um so köstlicher werden muß, als sie durch ihre Kunst den Genuß verlängern kann. Diese Wonne erlischt mit dem Akt, weil sie der Mann allein fühlt. Die Köstlichkeiten des natürlichen Vergnügens dagegen gehen voraus und folgen dem innigen Verein der Liebenden. Das Mädchen, die den teilweisen Genuß leitet, darf sich also nur damit befassen, eine Situation, die ihr fremd ist, zu führen, reizen, unterhalten, dann einstweilen aufzuheben, die Wirkung mehr hinauszuschieben als zu beschleunigen und noch sehr viel weniger sie hervorzurufen. Alle diese Zärtlichkeiten müssen mit unsäglich zarten Nuancen abgestimmt sein; die gefällige Priesterin darf sich nicht dem hitzigen Überschwange überlassen, der ihr freistünde, wenn sie mit dem Opferer vereinigt wäre.

Man begreift wohl, daß dies Vorgehen hitzigen jungen Leuten gegenüber nicht am Platze ist, die ihr Ungestüm leitet und die in dieser Art Lüsten nur die Verzückung der Wonne suchen; man kann sie nur mit denen ausüben, bei denen in einem reiferen Alter das lebhafte Feuer des Temperaments abgeschwächt und die Einbildungskraft geübter ist: sie wollen sich des Vergnügens mit allen Sensationen und den Schattierungen erfreuen, die diese Art von Lust bietet.

Unter den Männern, ebenso auch unter den Weibern, besteht eine sehr große Temperamentsverschiedenheit; manche sind von einer Geilheit, für die man keine Worte findet. Die, welche sich mit Temperament zu, begnügen wissen und eine bedeckte Eichel haben, bewahren eine der alten Satire würdige Geilheit. Der Grund davon ist sehr einfach: die Eichel, die der Sitz der Wollust ist, erhält sich dank dem ständigen Verharren in der lymphatischen Flüssigkeit, die sie schlüpfrig macht, ihre kostbare Empfindlichkeit, statt daß sie, wie bei denen, die sie entblößt tragen, die man beschnitten hat, oder bei denen die Vorhaut von Natur aus zu kurz ist, mit dem Alter hart und schwielig wird, denn bei denen ist die vorbereitende Flüssigkeit, die sie absondert, ganz umsonst da.

Nun wird aber ein in der Kunst des Thalaba bewandertes Mädchen sich einem Manne dieser Klasse gegenüber nicht wie mit einem anderen aufführen. Stellt euch die beiden Handelnden nackt in einem mit Spiegeln umgebenen Alkoven und auf einem Lager mit einem Himmelbett vor. Das eingeweihte Mädchen vermeidet es zuerst mit größter Sorgfalt, die Zeugungsteile zu berühren: ihre Annäherungen sind zart, ihre Umarmungen süß, die Küsse mehr zärtlich als lasziv, die Zungenbewegungen abgemessen, der Blick wollüstig, die Umschlingungen der Glieder voll Anmut und Weichheit; sie kitzelt mit den Fingern leicht die Brustwarzen, bald merkt sie, daß das Auge feucht wird, fühlt, daß sich die völlige Erektion eingestellt hat, dann legt sie den Daumen leicht auf das äußere Ende der Eichel, die sie in ihrer lymphatischen Flüssigkeit gebadet findet, mit der Daumenspitze fährt sie leise zu ihrer Wurzel hinab, kommt zurück, fährt wieder hinunter, fährt um den Kranz. Sie hält ein, wenn sie merkt, daß die Sensationen sich mit allzu großer Schnelligkeit vermehren. Sie wendet dann nur allgemeine Berührungen an, und das nur nach gleichzeitigen und unmittelbaren Berührungen der Hand, dann mit beiden und dem Nähern ihres ganzen Körpers; daß die Erektion zu hitzig geworden, merkt sie in dem Augenblick, in welchem man die Natur handeln lassen oder ihr helfen oder sie reizen muß, um zum Ziel zu gelangen, weil der Krampf, der den Mann überkommt, so lebhaft und der Empfindungshunger so heftig ist, daß er zur Ohnmacht führen würde, wenn man ihm nicht ein Ende machte.

Um aber diese Weise der Vollendung, diese Kraft des Genusses zu erlangen, muß das Mädchen sich aus dem Spiele lassen, um alle Nuancen der Wollust, die die Seele des Thalaba durchläuft, studieren, befolgen und verstehen, um die aufeinander folgenden Verfeinerungen anwenden zu können, die diese Genußsteigerungen, die sie erzeugt, verlangen. Man gelangt in dieser Kunst gewöhnlich nur bis zu einer Stufe der Vollendung, teils durch ein feines Gefühl, teils durch eine genaue Berührung, die bei diesen Gelegenheiten die einzigen und wirklichen Richter sind . . . Was aber wird das Resultat dieses Werkes der Wollust sein . . . Wird es Martial, der ausgelassene Martial? . . . Ich höre ihn rufen:

Ipsam crede tibi naturam dicere rerum,