Tat sich dazu kein Werkzeug leihn

Der wohlverseh’nen Männerleiber.

Indessen besagen die Klosterregister, daß dieser Mönch sich nicht selber schwängerte; er wäre nicht Handelnder und Leidender in Eins gewesen. Er wurde den Gerichten ausgeliefert und bis zu seiner Entbindung gefangen gehalten. Nichtsdestoweniger fügt das Register folgende bemerkenswerte Worte hinzu:

„Dieser Mönch gehörte dem hochwürdigen Herrn Cardinal von Bourbon; er besaß beide Geschlechter und jedes von ihnen half sich dergestalt, daß er von Kindern schwanger ward.“

Ich weiß, daß man einen Unterschied zwischen dem eigentlichen Hermaphroditen und dem Androgynen machen kann. Androgyne und Hermaphrodit, reine Erfindungen der Griechen, die alles im schönsten Lichte darzustellen wußten und darstellen wollten, sind von allen Dichtern, die reizende Beschreibungen von ihnen machten, nach Lust gefeiert worden, während die Künstler sie unter den liebenswürdigsten Formen darstellten, die im höchsten Grade geeignet waren, Gefühle der Wollust zu erwecken. Pandora hatte nur durch die Vollkommenheiten ihres Geschlechts Erfolg. Der Hermaphrodit vereinigte in sich alle Vollkommenheiten beider Geschlechter. Er war die Frucht der Liebschaft zwischen Merkur und Venus, wie aus der Etymologie des Namens hervorgeht[46)]. Nun war Venus die Schönheit in der Vollendung, bei Merkur kamen zu seiner persönlichen Schönheit noch Geist, Kenntnisse und Talente hinzu. Man mache sich einen Begriff von einem Individuum, in dem all diese Eigenschaften sich vereinigt finden, und man wird den Hermaphroditen, wie ihn die Griechen dargestellt wünschten, vor sich sehen. Die Androgynen dagegen sind, unter der wahren Beachtung ihres Namens, nur Teilnehmer an den beiden Geschlechtern, die man Hermaphroditen genannt hat, weil die Alten vorgaben, daß Merkurs und Venus Sohn beide Geschlechter hätte. Aber es ist darum nicht minder wahr, daß, da es zu allen Zeiten Weiber gegeben hat, die großen Vorteil aus dieser androgynen Übereinstimmung gezogen haben, sie sich kostbar zu machen gewußt haben. Lucian läßt in einem seiner Dialoge zwischen zwei Hetären die eine zur anderen sagen: „Ich habe alles, wessen es bedarf, um deine Wünsche zu befriedigen!“ worauf die antwortet: „Du bist also ein Hermaphrodit?“[47)] Der Apostel Paulus wirft dies Laster den römischen Weibern vor[48)]. Nur mit Mühe vermag man zu glauben, was man im Athenaeus über Ausschweifungen dieser Art liest, die Weiber begangen haben[49)]. Aristophanes, Plautus, Phaedrus, Ovid, Martial, Tertullian und Clemens Alexandrinus haben sie in mehr oder minder offener Weise bezeichnet, und Seneca überschüttet sie mit den furchtbarsten Flüchen[50)].

Gegenwärtig sind vollkommene Hermaphroditen sehr selten; folglich scheint die Natur diese androgynen Menschen nicht mehr hervorzubringen. Zugeben muß man aber, daß man häufig auf Folgen dieser Teilung in zwei Wesen, die wir eben auseinandergesetzt haben, stößt: zu allen Zeiten, sowohl im ältesten Altertume, als auch in den neueren Zeiten näher liegenden Jahrhunderten, hat man die entschiedenste Liebe von Weib zu Weib beobachtet. Lykurg, der gestrenge Lykurg, der über so krause wie erhabene Dinge nachdachte, ließ öffentlich Spiele aufführen, die man Gymnopaedieen nannte, bei denen die jungen Mädchen nackend erschienen: laszivste Tänze, Posen, Annäherungen, Verflechtungen wurden ihnen beigebracht. Das Gesetz bestrafte die Männer, die die Kühnheit besaßen, ihnen beizuwohnen, mit dem Tode. Diese Mädchen wohnten beieinander, bis sie sich verheirateten: der Zweck des Gesetzgebers war höchstwahrscheinlich, sie die Kunst des Fühlens zu lehren, die die der Liebe so sehr viel schöner macht, ihnen alle Abstufungen der sinnlichen Empfindungen, die die Natur angibt oder für die sie empfänglich ist, beizubringen, kurz sie unter sich sie derart üben zu lassen, daß sie eines Tages zum Frommen der menschlichen Art all die Verfeinerungen anzuwenden wußten, die sie sich gegenseitig zeigten. Kurz, man lehrte sie verliebt zu sein, ehe sie einen Liebhaber hatten; denn man ist ohne Liebe verliebt, wie man oft versichert, daß man liebt, ohne verliebt zu sein. Habe kein Temperament, das will; liebe nicht, wenn du willst; das ist eine Moral von der Art, wie sie Lykurg in seinen Gesetzen enthüllt; das ist die Moral, die Anakreon wie Rosenblätter zwischen seine unsterblichen Tändeleien gestreut hat. Wer hätte je gedacht, gleiche Grundsätze bei Anakreon und Lykurg zu finden? Vor dem Dichter von Theos hatte Sappho sie in ein praktisches System verwandelt und dessen Symptome beschrieben. O, welch eine Malerin und Beobachterin war diese Schöne, die von allen Feuern der Liebe verbrannt wurde!

Sappho, die man nur noch aus Fragmenten ihrer schwülen Gedichte und aus ihren unglücklichen Liebschaften kennt, kann man als die berühmteste Tribadin ansehen. Zur Zahl ihrer zärtlichen Freundinnen rechnet man die schönsten Weiber Griechenlands, die sie zu Gedichten begeisterten. Anakreon versichert, man fände in ihnen alle Merkmale der Liebeswut. Plutarch zieht eine dieser Dichtungen als Beweis heran, daß die Liebe eine göttliche Wut ist, die heftigere Verzückungen hervorruft, als die der Priesterin in Delphi, der Bacchantinnen und der Priester der Cybele; man beurteile darnach, welche Flamme das Herz verzehrte, das also begeisterte[51)].

Sappho aber, die so lange in ihre Gefährtinnen verliebt war, opferte sie dem undankbaren Phaon auf, der sie der Verzweiflung in die Arme warf. Würde es nicht besser für sie getaugt haben, in den Eroberungen wie in den Vertrautheiten fortzufahren, die durch die Geschlechtsgleichheit und die Sicherheiten, die sie bietet, so erleichtert wurden und die ihres Geistes Schwung ihr so mühelos verschaffen konnte? Umsomehr als sie mit all den Vorzügen begabt war, die man sich für diese Leidenschaft, für die sie die Natur bestimmt zu haben scheint, wünschen kann, denn sie hatte eine so schöne Clitoris, daß Horaz der berühmten Frau das Beiwort mascula gab, was so viel bedeutet wie Mannweib.

Es scheint, daß die Schule der Vestalinnen als das berühmteste Serail der Tribadinnen, das es je gegeben hat, angesehen werden kann, und man darf ruhig behaupten, daß der Sekte der Androgynen in der Person dieser Priesterinnen die größten Ehren zuteil geworden sind. Das Priesteramt war keine der üblichen, einfachen und bescheidenen Einrichtungen in seinen Anfängen, welche von der ungewissen Frömmigkeit abhängen und ihren Erfolg nur der Laune verdanken. Es zeigte sich in Rom mit dem erhabensten Pomp: Gelübde der Jungfräulichkeit, Hut des Palladiums, Anvertrauung und Unterhaltung des heiligen Feuers[52)], Symbol der Erhaltung der Herrschaft, ehrvollste Vorrechte, ungeheurer Einfluß, Macht ohne Grenzen. Wie teuer aber ist all das bezahlt worden mit der völligen Beraubung des Glücks, zu dem die Natur alle Lebewesen beruft, und mit den furchtbaren Todesstrafen, die der Vestalinnen harrten, wenn sie ihrem Rufe unterlagen! Wie würden sie, jung und all der Lebhaftigkeit der Leidenschaften fähig, ohne Sapphos Hilfsquellen dem entgangen sein, wo man ihnen die gefährlichste Freiheit ließ und der Kult selber in ihnen die wollüstigsten Gedanken wach rief? Denn bekanntlich opferten die Vestalinnen dem Gotte Fascinus, dargestellt unter der Form des ägyptischen Thallum; und es gab seltsame feierliche Handlungen, die bei diesen Opfern obwalten mußten: sie hefteten dies Bildnis des männlichen Gliedes an die Wagen der Triumphatoren. So war das heilige Feuer, das sie unterhielten, bestimmt, sich auf wahrhaft belebenden Wegen im ganzen Reiche fortzupflanzen; ein solcher Gegenstand der Betrachtung war wenig geeignet, den Blicken junger Mädchen ausgesetzt zu sein, die Jungfräulichkeit gelobt hatten!

Man sieht, daß die Tribaden des Altertums berühmte Vorbilder hatten. In seinen palmyrenischen Altertümern führt der Abbé Barthelemi die Gewänder an, mit denen sie öffentlich prunkten: es waren nach ihm[53)] die Enomide und die Callyptze. Die Enomide wand sich eng um den Körper und ließ die Schultern frei. Was die Callyptze anlangt, so kennt man sie nur dem Namen nach wie die Crocote, die tarentinische Lobbe, die Anobole, das Eucyclion, die Cecriphale und die in lebhaften Farben gemalten Tuniken, die sehr deutlich die Glut der Tribaden anzeigten, die unausgesetzt lüstern waren wie die Wellen, die sich folgen, ohne jemals zu versiegen. Den Situationen entsprechend, in denen sie sich befanden, legten sie diese Kleidungsstücke an. Die Callyptze war für die Öffentlichkeit bestimmt, die Enomide trugen sie, wenn sie Besuche bei sich empfingen. Der Tarentine bedienten sie sich auf Reisen, die Crocote war für das Haus, wenn sie sich einsamer Beschäftigung widmeten. Die Anobole für Tribaderie unter vier Augen, die Cecriphale für nächtliche Stelldicheins, das Eucyclion, um ausgelassene Gesellschaften abzuhalten, die gemalten Tuniken für große Verbrüderungen, Orgien, und die Farbe der Tunika zeigte den Dienst an, mit dem die Tribade, die sie trug, für den Tag beauftragt worden war. Jede Art des Beistandes hatte ihre besondere leuchtende Farbe.