Es gibt bestimmte Fälle, in denen die Tribadie von sehr weisen Physikern anempfohlen wurde. Bekanntlich konnte David seine Brunst nur durch Weiber wiedergewinnen, die auf seinem Leibe tribadierten. Was Salomo anlangte, so benutzte er zweifelsohne seine dreihundert Beischläferinnen nur dazu, sie in seiner Gegenwart Evolutionen im großen machen zu lassen. In unseren Tagen stellt man die idiopathische Glut im Mannesleibe durch die Spiele einer Masse Weiber wieder her, in deren Mitte sich der niederläßt, der seine Kräfte wiedererlangen will. Dies Heilmittel war von Dumoulin immer erfolgreich angeraten worden. Man weiß, daß der Kranke, sobald er die idiopathischen Wirkungen der Brunst fühlt, sich zurückziehen muß, um das Weißglühen, das sich einzustellen scheint, sich beruhigen und kräftiger werden zu lassen, anderenfalls würde er eine entgegengesetzte Wirkung erzielen. Dies System fußt darauf, daß der Mensch nur der Gegenwart des Objektes bedarf, um die Art der Hitze, um die es sich handelt, zu verspüren, die ihn mehr oder minder stark bewegt, je nachdem er mehr oder minder schwach ist. Im allgemeinen hält die öftere Wiederkehr dieser Glutanwandlungen ebensolange oder länger als die Kräfte des Mannes an. Das ist eine der Folgen der Möglichkeit, plötzlich an gewisse angenehme Sensationen einzig bei der Besichtigung der Gegenstände, die sie einen haben empfinden lassen, zu denken oder sie sich ins Gedächtnis zurückzurufen. So sagte, wer behauptet, „daß, wenn die Tiere sich nur zu bestimmten Zeiten paarten, es nur geschähe, weil sie Tiere seien“, ein sehr viel philosophischeres Wort, als er dachte.

Übrigens ist bei der Tribadie wie in allem das Übermaß schädlich, es entnervt statt anzureizen. Es kommen auch manchmal bei diesen Arten von Ausübungen Untersuchungen zufolge merkwürdige und furchtbare Dinge vor. Vor einiger Zeit geschah es in Parma, daß ein Mädchen, die sich angewöhnt hatte, mit ihrer guten Freundin zu tribadieren, sich einer dicken Nadel mit einem Elfenbeinknopf von Daumenlänge bediente, die bei den Stößen auf einen falschen Weg gelangte und in die Harnblase geriet. Sie wagte ihr Abenteuer nicht einzugestehen, duldete und litt, sie urinierte Tropfen für Tropfen; am Ende von fünf Monaten hatte sich bereits ein Stein um die Nadel gebildet, die man auf den üblichen Wegen herauszog. In den Klöstern, den weiten Theatern der Tribadie, geschehen sehr viel ähnliche Dinge; hier ist’s ein Ohrlöffel, da eine Haarnadel, anderswo eine Strickscheide oder eine Klistierröhre, wieder wo anders ein Tropfglas von Königin von Ungarwasser, ein kleines Weberschiffchen, eine Kornähre, die von selber hochsteigt, die die Vagina kitzelt und die das arme Nönnchen nicht mehr herausziehen kann. Man könnte einen Band ähnlicher Anekdoten liefern.

Herr Poivre lehrt uns in seinen Reisebeschreibungen, daß die berüchtigtsten Tribaden der Erde die Chinesinnen seien; und da in diesem Lande die Weiber von Stand wenig gehen, tribadieren sie in den Hängematten. Diese Hängematten sind aus einfacher Seide mit Maschen von zwei Finger im Quadrat gefertigt, der Körper ist wollüstig darin ausgestreckt, die Tribaden wiegen sich hin und her und reizen sich, ohne die Mühe zu haben, sich bewegen zu müssen. Ein großer Luxus der Mandarinen ist’s, in einem Saal inmitten von Wohlgerüchen zwanzig solcher schwebenden Tribaden zu haben, die vor ihren Augen einander Wonne bereiten. Der Harem des Großherrn hat keinen anderen Zweck; denn was sollte ein einziger Mann mit so vielen Schönen anfangen? Wenn der übersättigte Sultan sich vornimmt, die Nacht bei einer seiner Frauen zu verbringen, läßt er seinen Sorbet im Zimmer der Rundungen, wie man es nennt (All’ hachi), auftragen. Dessen Mauern sind mit den laszivsten Malereien bedeckt; am Eingange in dies Gemach sieht man eine Taube, und auf der Seite, wo man hinausgeht, eine Hündin gemalt, Symbole der Wollust und Geilheit.

Inmitten der Malereien liest man zwanzig türkische Verse, die die dreißig Schönheiten der schönen Helena beschreiben, von denen Herr de Saint-Priest kürzlich ein Fragment mit diesen Einzelheiten gesandt hat; das Fragment war von einem Franzosen aus dem Quartier von Pera übersetzt worden[54)].

Ich will diese Verse nicht zu übersetzen versuchen; sie sind von keinem Dichter gemacht worden. Diese arithmetische Berechnung, diese dreißig, streng drei zu drei angeführten Eigenschaften, würden allen Schwung erstarren lassen. Man schätzt Reize, die man anbetet, nicht ab, man berauscht sich, man brennt, man bedeckt sie mit Küssen; nur dann fesselt man. Eine Schöne, welche die Vorzüge, mit denen sie geschmückt ist, an den Fingern abgezählt werden sieht, hält den Zähler für einen dummen Tropf und würde selber eine traurige Figur machen. Es gibt ihrer mehr als dreißig, es gibt ihrer mehr als tausend. Wie, wenn man Helena nackt sieht, behält man einen klaren Kopf?[55)] . . . Aber die Türken sind ja nicht galant.

Der Sultan betritt diesen Saal, in dem die Stummen alles vorbereitet haben. Er hockt in einer Ecke nieder, wo er sich auf die Erde legt, um die Stellungen von einem günstigen Gesichtswinkel aus zu sehen. Raucht drei Pfeifen und während der Zeit, die er darauf verwendet, erscheint, was Asien an Vollkommenstem hervorbringt, nackt im Saal. Sie paaren sich zuerst nach dem Bilde der schönen Helena, dann vermischen sie sich und bilden Gruppen und Stellungen, zu denen die Mauern ihnen Beispiele geben, die sie dank ihrer Gewandtheit übertreffen. Unter anderen gibt es in diesem wollüstigen Raume auch sieben Gemälde Bouchers, deren eines die von Caravaggio ersonnenen Stellungen darstellt; und der letzte Sultan ließ sie in Natur nach dem Maler der Anmut ausführen. O, wenn man so viele Mühen aufwendete, um die Sitten zu bilden, wie um sie zu verderben, um Tugenden zu schaffen, wie Begierden zu erregen, dann würde der Mensch bald die höchste Stufe der Vollendung, für die die Natur empfänglich ist, erreichen!

Die Akropodie

Die Natur müht sich bei der Erzeugung der Lebewesen auf sehr verschiedenen Wegen; sie ist des Willens, daß sich das Menschengeschlecht durch die Mitwirkung zweier Individuen erneuert, die sich in den hauptsächlichsten Bestandteilen ihrer Organisation gleichen und bestimmt sind, dabei durch besondere Mittel, die jedem zu eigen sind, mitzuwirken. Ebenso beschränkt sich das Wesen eines Geschlechts nicht auf ein einziges Organ, sondern erstreckt sich durch mehr oder minder merkbare Abstufungen auf alle Körperteile. Das Weib z. B. ist nicht nur Weib an einer einzigen Stelle; es ist es in all den Gesichtspunkten, von denen aus es ins Auge gefaßt werden kann. Man möchte sagen, die Natur habe alles an ihm der Anmut und der Reize wegen geschaffen, wenn man nicht wüßte, daß es einen sehr viel wesentlicheren und edleren Zweck hat. Infolgedessen entsteht in allen Wirkungen der Natur die Schönheit auf ein Gesetz hin, das in die Ferne strebt, und indem sie schaffen will, was gut ist, schafft sie notwendigerweise zu gleicher Zeit, was gefällt.

Das ist das Hauptgesetz, das die besonderen Abänderungen nur beeinträchtigen, zumal Leidenschaften, Geschmacksrichtungen, Sitten, die einer direkten Beziehung zu den Gesetzgebungen und Regierungen unterworfen, stets aber der physischen Beschaffenheit, die in diesem oder jenem Klima obwaltet, untergeordnet sind, sich mehr oder weniger von der dem Menschen widerstrebenden Natur entfernen. So werden in heißen Ländern die dunklen, kleinen, mageren, lebhaften, geistreichen Menschen weniger arbeitsam, weniger kräftig, frühreifer und minder schön als die in den kalten Ländern; Liebe wird da ein blindes hitziges Verlangen, ein glühendes Fieber, eine verzehrende Notdurft, ein Schrei der Natur sein. In den kalten Ländern wird diese weniger physische und moralischere Leidenschaft ein sehr maßvolles Bedürfnis, ein überlegtes, erwogenes, analysiertes, systematisches Gefühl, eine Frucht der Erziehung sein. Schönheit und Nutzen, oder alle Schönheiten und Nutzen sind also nicht miteinander verknüpft, ihre Beziehungen entfernen sich voneinander, schwächen sich ab, verändern sich; die Menschenhand leistet fortwährend der Aktivität der Natur Widerstand, manchmal beschleunigen unsere Bemühungen auch ihren Lauf.

Das wechselseitige Gesetz der physischen Liebe zum Beispiel ist in den nördlichen und mittäglichen Ländern durch die menschlichen Einrichtungen sehr geschwächt worden. Wir sind der Natur zum Hohn in ungeheure Städte eingepfercht und haben ebenso die Klimata durch Öfen — Werke unserer Erfindung, deren ständige Anstrengung unsäglich machtvoll arbeitet — verändert. In Paris, das eine selbst im Vergleich mit unseren mittäglichen Provinzen recht niedrige Temperatur hat, sind die Mädchen eher mannbar als in den selbst Paris benachbarten Landstrichen. Diese mehr schädliche als etwa nützliche Prärogative, die sich an die ungeheure Hauptstadt knüpft, hat moralische Gründe, die sehr häufig den physischen Gründen gebieten. Die körperliche Frühreife wird von der frühzeitigen Übung der intellektuellen Fähigkeiten bedingt, die sich mit der Zeit nur zum Nachteil der Sitten schärfen. Die Kindheit ist kürzer, die früh entwickelte Jugend wird erblich, die tierischen Funktionen und die Fähigkeit, sie auszuüben, verstärken sich (denn sich vervollkommnen würde nicht das richtige Wort sein) von Menschenalter zu Menschenalter. Nun stehen die körperlichen Anlagen mit den geistigen Fähigkeiten in einer Beziehung zueinander, die von der Generation vererbt sein kann.