Eine recht verfängliche Operation müßte es geben, wenn man beschneiden wollte, wo es nichts mehr abzusäbeln gibt. Wie zum Exempel wollte man bei den Völkern vorgehen, die aus Sauberkeit oder Notwendigkeit die Beschneidung vorgenommen hatten und zum Judentum übertraten, so daß man sie des Bundes wegen nochmals beschneiden müßte? Anscheinend begnügt man sich dann damit, der Rute einige Tropfen Blutes abzuzapfen an der Stelle, wo die Vorhaut abgeschnitten worden ist. Und dies Blut nannte man das Blut des Bundes. Doch dreier Zeugen bedurfte es, um dieser Zeremonie den Stempel der Echtheit zu geben, wenn man keine Vorhaut mehr aufzuweisen hatte.

Die abtrünnigen Juden dagegen sind bestrebt, an sich die Spuren der Beschneidung zu tilgen und sich Vorhäute zu machen.

Der Text der Makkabäer beweist das ausdrücklich. „Sie haben sich Vorhäute gemacht und haben den Bund getäuscht“[67)]. Der Apostel Paulus scheint im ersten Briefe an die Korinther zu fürchten, daß die zum Christentum übertretenden Juden desgleichen täten! „Wenn“, sagt er, „ein Beschnittener zum neuen Glauben berufen ist, soll er sich keine neue Vorhaut machen“[68)].

Der heilige Hieronymus, Rupert und Haimon streiten die Möglichkeit solchen Tuns ab und glaubten, daß die Spuren der Beschneidung sich nicht verwischen ließen. Die Patres Conning und Coutu jedoch haben mit Recht und durch Tat bewiesen, daß die Sache möglich ist. Mit Recht durch die Unfehlbarkeit der heiligen Schrift, durch Tat durch die Gewähr des Galienus und Celsus, die behaupten, daß man die Spuren der Beschneidung auszulöschen vermöchte. Bartholin[69)] zitiert Oegnieltus und Fallopus, die das Geheimnis gelehrt haben, dies Mal in dem Fleische des Beschnittenen zu vertilgen.

Buxdorf Sohn bestätigt in seinem Brief an Bartholin dies Geschehen selbst durch Beweise von Juden. Da diese Materie überdies zu wichtig war, als daß religiöse Menschen einige Zweifel darüber hätten bestehen lassen wollen, haben die Patres Conning und Coutu am eigenen Leibe das von den eben erwähnten Ärzten angegebene Verfahren erprobt.

Die Haut an sich ist bis zu einem Maße dehnbar, daß man es kaum zu glauben vermöchte, wenn nicht die der Frauen in Schwangerschaft und die aus der Haut lebender Wesen gemachten Gewänder alltägliche Beweise lieferten. Oft sieht man auch Augenlider schlaff werden oder sich ungewöhnlich ausdehnen. Nun ist die Haut der Vorhaut durchaus der der Augenlider ähnlich.

Da die Patres Conning und Coutu das genau eingesehen hatten, ließen sie sich gesetzmäßig beschneiden; und als die Wurzel ihrer Vorhaut geheilt war, befestigten sie ein so schweres Gewicht an ihr, wie sie es aushalten konnten, ohne eine Zerrung hervorzurufen. Die unmerkliche Spannung und Rosenöleinreibungen längs der Rute erleichterten die Verlängerung der Haut bis zu dem Maße, daß Conning in dreiundvierzig Tagen sieben und ein viertel Zoll gewann. Coutu, der eine härtere Haut besaß, konnte nur fünf und einen halben Zoll vorweisen. Man hatte ihnen eine Büchse aus doppeltem Weißblech hergestellt und an dem Gürtel befestigt, daß sie urinieren und ihren Geschäften nachgehen konnten. Alle drei Tage besichtigte man die Ausdehnung, und die besichtigenden Patres, die Kommission ad hoc genannt, legten fast genau solche Register über das Erscheinen von Connings neuer Vorhaut an, wie man es an der Pont Royal getan hat, um das Wachsen der Seine zu messen.

Demnach ist’s also genau bewiesen, daß die Bibel hinsichtlich der Männer die Wahrheit verkündigt hat; hinsichtlich der Weiber aber haben Conning und Coutu nicht die volle Genugtuung erhalten können. Kein Weib wollte erlauben, daß man ihr ein Gewicht an die Clitoris hänge; wie es denn auch heute keine gibt, die sich etwas von ihr abschneiden läßt, weder aus Angst vor der Annäherung des Mannes (denn es gibt Auswege, die jedes Hindernis zu umschiffen wissen, wie sich leichtlich begreifen läßt)[70)], noch im Zeichen des Bundes, weil es Tatsache ist, daß sie sich alle vermischen, ohne einer Verringerung zu bedürfen. Man ist heute weit davon entfernt, über die Verlängerung einer Clitoris betrübt zu sein . . . O, der Fortschritt der Kunstgriffe in unserem Jahrhundert ist ungeheuer!

Bekanntlich schneiden die Türken die Haut ab und berühren sie nicht mehr, während die Juden sie zerreißen und so leichter heilen. Übrigens machen die Kinder Mahomeds die größte Feierlichkeit aus dieser Operation. Als Amurat III. im Jahre 1581 seinen ältesten Sohn von vierzehn Jahren beschneiden lassen wollte, schickte er einen Gesandten an Heinrich III., um ihn zur Beiwohnung der Zeremonie mit der Vorhaut einzuladen, die im Monat Mai des folgenden Jahres in Konstantinopel feierlich begangen werden sollte. Die Liguisten und besonders ihre Prediger griffen die Gelegenheit dieser Gesandtschaft beim Schopfe, um Heinrich III. den Türkenkönig zu nennen und ihm vorzuwerfen, er sei der Pate des Großherrn.

Die Perser beschneiden Kinder im Alter von dreizehn Jahren zu Ehren Ismaels; doch die merkwürdigste Methode hinsichtlich dieser Sitte übt man auf Madagaskar aus. Dort schneidet man das Fleisch dreimal nacheinander ab, die Kinder leiden sehr darunter, und der Verwandte, der die abgeschnittene Vorhaut als erster aufhebt, schluckt sie hinter.