Dieser Zustand hielt nicht lange an. Denn zwölf Stunden später ging alles in einem Schwefelregen unter, bis auf Loth und seine Töchter, die, in einer Höhle verborgen, glaubten, daß die Welt im Feuer vergehen wollte, wie sie bei der Sintflut in Wasser ersäuft worden war. Und die Furcht, keine Nachkommenschaft zu haben, bestimmte die Töchter, die anscheinend nicht auf die Folgen ihrer frischen Schändung rechneten, so schnell wie möglich von ihrem Vater welche zu erlangen. Die Ältere widmete sich als erste diesem frommen Opfer; sie legte sich auf den Biedermann Loth, den sie berauscht gemacht hatte, ersparte ihm alle Mühe bei diesem von der Liebe zur Menschheit dargebrachten Opfer und gebrauchte ihn, ohne daß er etwas davon merkte[89)]. In folgender Nacht tat ihre Schwester desgleichen; und der gute Loth, der ebenso leicht zu täuschen wie schwer zu erwecken gewesen zu sein scheint, hatte mit diesen unfreiwilligen Handlungen so großen Erfolg, daß seine Töchter neun Monate nach diesem Erlebnisse zwei Knaben zur Welt brachten, Moab, den Gebieter des Moabiterstammes[90)], und Ammon, den der Ammoniter.

Unabhängig von der ausdrücklichen Zeugenschaft des Apostel Paulus[91)] weiß man, daß die Römer sehr weit gingen in den Ausschweifungen der Päderastie. Bemerkenswert aber ist, daß nach den Worten des großen Apostels die Weiber dem Vergnügen wider die Natur größeren Vorzug einräumten als dem, das sie herausfordern. — Et feminae imitaverunt naturalem usum in eum usum qui est contra naturam: Im zweiundzwanzigsten Verse des siebenten Kapitels unten auf der Seite liest man diese Worte. Und der folgende Vers hat Caravaggio den Gedanken zu seinem Rosenkranz eingegeben, der sich im Museum des Großherzogs von Toskana befindet. Man sieht da etwa dreißig eng verschlungene Männer (turpiter ligati) im Kreise, die sich mit der wollüstigen Glut umarmen, welche der Maler seinen zügellosen Kompositionen zu geben wußte.

Im übrigen ist die Päderastie auf dem ganzen Erdball bekannt gewesen: Reisende und Missionare beglaubigen es. Letztere berichten sogar einen Fall dreifacher Sodomie, der Doktor Sanchez’ Scharfsinn in Verwirrung gesetzt und gewetzt hat. Hier ist er:

Marco Polo hat in seiner geographischen Beschreibung, die 1566 gedruckt worden ist, die Schwanzmenschen des Königreichs Lambri beschrieben. Struys hatte von denen der Insel Formosa und Gemelli Carreri von denen der Insel Mindors, in der Nähe von Manilla, gesprochen. So viele Autoritäten waren mehr als hinreichend, um die jesuitischen Missionare zu bestimmen, vorzugsweise in diesem Lande Bekehrungen zu unternehmen. Tatsächlich brachten sie welche von diesen Schwanzmenschen mit, die infolge einer Verlängerung des Steißbeins wirklich Schwänze von sieben, acht und zehn Zoll trugen, die empfindlich waren und, was ihre Beweglichkeit anlangte, alle Bewegungen machten, die man einen Elefantenrüssel vollführen sieht. Nun legte sich einer dieser Schwanzmänner zwischen zwei Weiber schlafen, von denen eine, die im Besitz einer großen Clitoris war, es so einrichtete, daß sie ihre Clitoris päderastisch unterbrachte, während der Schwanz des Insulaners sieben Zoll in das legitime Gefäß ragte. Der Insulaner — er war recht gefällig — ließ es geschehen und näherte sich, um alle seine Fähigkeiten in Wirksamkeit zu bringen, der anderen Frau, und erfreute sich ihrer, wo die Natur dazu einladet . . . Das war gewißlich eine herrliche Gelegenheit zur Übung seiner Talente für den Fürsten der Kasuistiker.

Sanchez urteilt: „Was den ersten Fall anlangt,“ sagte er, „die doppelte, wenngleich in ihren Endzwecken unvollständige Sodomie, weil weder Schwanz noch Clitoris das Trankopfer vollziehen konnten, so handelten sie in nichts wider den Willen Gottes und die Stimme der Natur; im zweiten Falle handelte es sich um einfache Hurerei.“

Ich denke mir, ähnliche Schwänze würden mehr als einem ersprießlichen Zwecke in Paris dienen, wo die Verbreitung der Päderasten beträchtliche Fortschritte macht, wenn sie auch weniger blüht als zu Zeiten Heinrichs III., unter dessen Herrschaft Männer sich gegenseitig unter den Portiken des Louvre herausforderten. Bekanntlich ist diese Stadt ein Muster der Polizeiverwaltung. Infolgedessen gibt es öffentliche Orte, die zu diesem Treiben bestimmt sind. Die jungen Männer, die sich dieser Profession widmen, sind sorgfältig in Klassen geteilt; denn die reglementarischen Systeme erstrecken sich auch bis dahin. Man prüft sie. Die zu handeln und leiden verstehen, die schön, rosig, wohlgebaut, fleischig sind, werden den großen Herren aufgespart, oder sie lassen sich teuer von Bischöfen und Finanzmännern bezahlen. Die, welche ihrer Testikeln beraubt sind, oder wie der Kunstausdruck lautet (denn unsere Sprache ist keuscher als unsere Sitten), die kein Webergewicht haben, aber geben und empfangen, bilden die zweite Klasse. Sie sind ebenfalls teuer, weil sich die Weiber ihrer bedienen, während sie den Männern dienen. Die keiner Erektion mehr fähig, weil sie zu verbraucht sind, obwohl sie alle zum Vergnügen notwendigen Organe haben, schreiben sich als Nur-Patienten ein, und aus ihnen setzt sich die dritte Klasse zusammen. Wer ihren Vergnügungen vorsitzt, tritt den Wahrheitsbeweis ihrer Ohnmacht an. Zu diesem Zwecke legt man sie ganz nackt auf eine am unteren Ende offene Matratze, zwei Mädchen liebkosen sie nach bestem Können, während eine dritte den Sitz des venerischen Verlangens mit frischen Brennesseln schlägt. Nach viertelstündigen derartigen Versuchen führt man in ihren Anus roten spanischen Pfeffer ein, der eine beträchtliche Reizung ausübt. Auf die durch die Brennesseln hervorgerufenen Hitzblattern streicht man scharfen Caudebecer Senf und hält die Eichel in Kampfer. Die all diesen Prüfungen widerstehen und keine Spur von Erektion aufzuweisen haben, dienen als Patienten für dreifachen Preis. O, wie recht tut man, die Aufklärungsfortschritte unseres philosophischen Jahrhunderts zu rühmen!

Behemah

Unzucht mit Tieren, — Dieser Titel ist dem Geiste zuwider und beschimpft die Seele. Wie ist’s möglich, sich ohne Abscheu vorzustellen, daß es einen so verderbten Geschmack in der menschlichen Natur geben kann, wenn man bedenkt, wie sehr sie sich über alle Lebewesen zu erheben vermag? Wie sich klar machen, daß ein Mensch sich so hat wegwerfen können? Was, alle Reize, alle Wonnen der Liebe, all ihren Überschwang . . . hat er einem verächtlichen Tiere vor die Füße legen können! Und der Physis dieser Leidenschaft, diesem begehrenden Fieber, das auf solche Abwege geraten kann, haben die Philosophen ohne jegliches Schamerröten die Moral der Liebe unterordnen können! „Allein ihre Physis ist gut“, haben sie gesagt[92)]. — Nun, schön, lest Tibull und lauft dann und schaut euch diese Physis in den Pyrenäen an, wo jeder Hirt seine begünstigte Ziege hat, und wenn ihr die scheußlichen Vergnügungen des rohen Bergbewohners genugsam betrachtet habt, wiederholt noch einmal: „In der Liebe ist einzig die Physis gut.“

Ein sehr philosophisches Gefühl nur kann einen verpflichten, seine Augen einen Augenblick auf einem so seltsamen Gegenstande ruhen zu lassen, weil dies Gefühl, indem es Kraft gibt, alle Gedanken sich aus dem Kopf zu schlagen, welche Erziehung, Vorurteile und Gewohnheit uns Zug für Zug einprägen, mehr als eine Ansicht, nach der man sich richten kann, mehr als eine Erfahrung gibt, deren Ergebnisse nützlich und seltsam werden können.

Die besondere Form, durch welche die Natur Mann und Weib charakterisiert hat, beweist, daß der Geschlechtsunterschied nicht von einigen oberflächlichen Verschiedenheiten abhängt, sondern daß jedes Geschlecht das Resultat vielleicht so vieler Verschiedenheiten ist, wie es Organe im Menschenleibe gibt, wennschon sie nicht alle in gleicher Weise sinnlich wahrnehmbar sind. Unter denen, die auffallend genug sind, um sich bemerkbar zu machen, gibt es welche, deren Nutzen und Zweck nicht genau festgestellt worden ist. Hängen sie im wesentlichen vom Geschlechte ab, oder sind sie eine notwendige Folge der Anlage der Hauptbestandteile[93)]?