. . . Verum noverat
Anus caprissantis vocare viatica.
Auf der Insel Sardinien, die weder jemals ein sehr blühendes noch sehr volkreiches Land gewesen ist, leitete der Name des Ancon genannten Ortes sich von dem der Königin Omphale ab, die ihre Frauen miteinander tribadieren ließ, sie dann ohne Unterschied mit Männern zusammensperrte, die auserlesen waren, um in allen Arten von Kämpfen zu glänzen[116)]. Man weiß, was der orientalische Despotismus die Menschlichkeit und die Liebe gekostet hat; in allen Zeiten hat er die bedrückt und jene herabgewürdigt. Sardanapal[117)] ist einer der elendesten Tyrannen jener Gefilde, von dem der Gedanke und der Brauch kam, die Prostitution der Mädchen und Knaben zu vereinigen.
Korinth konnte Samos den Vorrang streitig machen in der Vervollkommnung der öffentlichen Prostitution; sie war dort derartig hochgeschätzt, daß es dort Tempel gab, in denen man unaufhörlich Gebete an die Götter zur Vermehrung der Prostituiertenzahl richtete[118)]. Man behauptete, daß sie die Stadt gerettet hätten. Im allgemeinen aber gingen die Korinther dafür durch, beinahe ausschließlich die Kunst der Biegsamkeit und der wollüstigen Bewegungen zu beherrschen[119)]. Man erkannte sie an einer bestimmten Körperhaltung und ihrer besonders zierlichen Figur.
Die Lesbierinnen werden bei der Erfindung oder der Sitte genannt, den Mund zu dem häufigst angewandten Wollustorgan gemacht zu haben[120)].
Verschiedene Völker zeichneten sich ebenfalls durch sehr merkwürdige Sitten aus, die bei ihnen häufiger vorkamen als bei allen anderen, dergestalt daß das, was heute nur das Laster dieses oder jenes Individuums ist, damals das bestimmte Merkmal eines ganzen Volkes war.
So stammt von der Bevölkerung der Insel Euboea, die nur Kinder liebte und sie in jeder Weise prostituierte, der Ausdruck chalcidieren[121)]. Ebenso schuf man den Ausdruck phicidissieren, um eine recht ekelhafte Laune zu bezeichnen[122)]. Man drückte die Gewohnheit, welche die Bewohner von Sylphos, einer Insel der Cykladen, hatten, die natürlichen Freuden durch die des Anus zu unterstützen, mittels des Wortes siphiniassieren aus[123)].
So fand man in den Jahrhunderten des Verderbnisses, wo man alles erprobte, Worte, um alles auszumalen. Daher das cleitoriazein[124)] oder die Verschmelzung von zwei Clitoris, eine Handlung, die Hesychtus und Suida sich die Mühe gemacht haben uns zu erklären, indem sie uns lehren, daß diese Handlung wie das Laichen des Karpfens mit seinesgleichen vor sich geht: eine ist in Bewegung, während die andere anhält und umgekehrt (darum das Sprichwort non satis liques), daher der Ausdruck cunnilinguus, den Seneca so ableitet. Die Phönizier unterschieden sich von den Lesbiern, indem erstere sich die Lippen rot färbten, um den Eingang in das wahre Heiligtum der Liebe vollkommener nachzuahmen, während die Lesbier, die nur Schminke in der Farbe der Spuren der Liebesopfer auflegten, weiße hatten[125)]. Und das ist nicht die ungewöhnlichste Weise, auf die man die Lippen geschmückt hat, denn Sueton berichtet, daß der Sohn des Vitellius sie mit Honig bestrichen habe, um zur Vermehrung seiner Lust die Eichel seines Lieblings zu saugen, indem er so die zarte Haut, die diesen Körperteil umgibt, schlüpfrig machte, sollte der Speichel des mit Honig bestrichenen Handelnden den Liebeserguß anziehen. Das war ein bekanntes und auf erschöpfte Männer wirkendes Aphrodisiaticum[126)]. Aber Vitellius nahm diese Zeremonie alle Tage öffentlich an denen vor, die sich dazu hergaben[127)], was nicht seltsamer ist, als die Trankopfer (semen et menstruum), die laut Epiphanius gewisse Weiber, ehe sie sie hinterschluckten, den Göttern darboten[128)].
Ich endige diese merkwürdige Rekapitulation, um die Moralisten zu fragen, ob die Alten sehr viel besser waren als wir, und die Gelehrten, welche Dienste sie den Männern und den Gebildeten geleistet zu haben glauben, wenn sie diese und so viele ähnliche Anekdoten in den Archiven des Altertums ausgegraben haben?
Finis.