Zur leichteren Durchführung dieser Verfügungen und weiterer Verordnungen, die nach genauer Erwägung nötig befunden werden sollten, wird hiermit bestimmt, daß die Ratsherrn, ihre Vertreter sowie die Gemeindevertreter wöchentlich zusammenkommen, und zwar einmal, zweimal, dreimal oder öfter, je nach Notwendigkeit, an irgendeinem in ihren Pflegschaftsbezirken üblichen, von jeder Ansteckung oder Verseuchung freien, Orte, um zu beraten, auf welche Weise besagte Verfügungen zur Ausführung zu bringen sind. Und sollen solche, die in oder nahe an verseuchten Plätzen wohnen, ihr Kommen unterlassen. Und sollen besagte Ratsherrn, Stellvertreter und Gemeindevertreter, in ihren verschiedenen Bezirken alle Verfügungen in Wirksamkeit setzen, die von ihnen bei besagter Zusammenkunft beraten und zum Wohle von seiner Majestät Untertanen und zu ihrer Befreiung von der Seuche für richtig gehalten worden sind.
| Sir John Lawrence, | Lordmayor |
| Sir George Waterman | } Sherifs |
| Sir Charles Doe |
Es ist unnötig zu sagen, daß diese Verfügungen nur jene Plätze betrafen, die unter der Gerichtsbarkeit des Lordmayors standen, aber die Friedensrichter der Kirchspiele, die zu der näheren Umgebung und den Vorstädten gehörten, ergriffen die gleichen Maßregeln. Freilich wurde zur Absperrung der Häuser auf unserer Seite erst später geschritten, weil, wie ich schon erzählt habe, die Pest nicht so bald zu uns kam und erst Anfang August ihre volle Heftigkeit entfaltete.
Anfangs nannte man diese Absperrung der Häuser eine recht grausame und unchristliche Maßregel, und die solchermaßen eingesperrten Leute klagten aufs Bitterste; auch kamen täglich die heftigsten Beschwerden an den Lordmayor über zu Unrecht oder aus Bosheit abgesperrte Häuser. Die Untersuchung ergab die Grundlosigkeit mancher Beschwerden; in andern Fällen zeigte sich, daß die Krankheit nicht zu den ansteckenden gehörte, oder auch, daß die Erkrankten, wennschon ihr Fall nicht sicher war, eingewilligt hatten, nach dem Pesthause gebracht zu werden, worauf die Absperrung aufgehoben wurde.
Eines Tages, als ich etwa um 8 Uhr morgens durch Houndsditch kam, hörte ich einen großen Lärm. Zwar waren nur wenige Leute auf der Straße, da es ihnen verboten war, dort lange herumzustehen oder sich mit andern herumzutreiben, auch hielt ich mich selbst nicht lange auf, aber das laute Geschrei erweckte meine Neugierde, so daß ich einem, der aus dem Fenster schaute, zurief und ihn fragte, was es denn gäbe.
Wie es schien, war der Wächter, der vor dem verseuchten oder angeblich verseuchten und abgesperrten Hause seinen Posten hatte, nun schon zwei Nächte hintereinander dagewesen, wie er wenigstens erzählte, und der Tagwächter, der auch schon einen Tag hier sein Amt versehen hatte, war eben gekommen, um ihn abzulösen – und während dieser ganzen Zeit war kein Laut aus dem Hause gedrungen, kein Licht hatte sich gezeigt, die Leute verlangten nichts, schickten den Wächter weder auf irgendeine Besorgung, was doch gemeinhin die Haupttätigkeit der Wächter ausmachte, noch wollten sie sonst etwas von ihm. So war es nach seinem Berichte seit Montagnachmittag. Da hatte er in dem Hause ein arges Schreien und Heulen gehört, wie er meinte, weil dort gerade jemand gestorben war. Wirklich war auch der Leichenkarren in der vorhergehenden Nacht vor der Türe angehalten und die Leiche eines Dienstmädchens herabgebracht worden. Die Leichenträger hatten sie in den Karren geworfen, wie sie war, nur in ein Stück grünes Zeug gewickelt, und waren davongefahren.
Als der Lärm und das Geschrei ertönte, hatte der Wächter an die Türe geklopft, aber eine ganze Weile hatte niemand geantwortet. Endlich hatte jemand zum Fenster herausgesehen und mit einer verärgerten, aber doch weinerlichen Stimme gefragt: »Was wollt Ihr denn, daß Ihr so klopft?« Er hatte geantwortet: »Ich bin der Wächter, wie geht’s Euch? Was ist los?« – Die Person hatte darauf gerufen: »Was geht das dich an? Halt’ den Leichenkarren an.« Das war so um 1 Uhr herum gewesen. Bald nachher hatte er, wie er erzählte, den Leichenkarren angehalten und von neuem geklopft, aber keine Antwort erhalten. Auch als er immer weiter geklopft und der Kerl von dem Karren mit seiner Glocke geläutet und wiederholt gerufen hatte: »Bringt die Leiche heraus!«, war alles still geblieben, bis der Fuhrmann, der irgendwo anders gebraucht wurde, endlich nicht mehr warten wollte und weggefahren war.
Der Wächter hatte nicht gewußt, was er aus all dem machen sollte, so hatte er die Sache auf sich beruhen lassen, bis der Tagwächter zur Ablösung gekommen war. Nachdem er ihm alles aufs genaueste erzählt hatte, klopften die beiden eine Zeitlang an die Türe, aber ohne Erfolg. Doch bemerkten sie, daß das Fenster oder der Fensterflügel im zweiten Stock, aus dem die Person herausgeschaut und gerufen hatte, noch immer offen stand.
Darauf holten die beiden Leute, um ihre Neugier zu befriedigen, eine lange Leiter, und einer von ihnen stieg hinauf und spähte in das Zimmer. Dort sah er die Leiche einer Frau auf dem Boden liegen, die nichts als ein Hemd an hatte. Aber obwohl er laut rief und mit seinem langen Stock auf den Boden stieß, rührte sich nichts, auch war kein Laut in dem ganzen Hause zu hören.
Nun stieg er wieder herunter und sprach mit seinem Kameraden, der auch hinaufstieg und alles gerade so fand wie der andere, worauf sie sich entschlossen, die Sache beim Lordmayor oder einer andern Behörde zur Anzeige zu bringen. Aber durchs Fenster wollte keiner von ihnen steigen. Von seiten der Behörde wurde auf die Anzeige hin befohlen, das Haus aufzubrechen, und zwar in Gegenwart eines Konstablers und anderer dazu bestimmter Personen, damit nichts gestohlen würde. Also geschah es, es wurde aber niemand in dem Hause gefunden als die Leiche jenes jungen Weibes, das man, da doch nichts mehr zu machen war, sich selbst überlassen hatte. Die andern hatten wohl auf irgendeine Weise den Wächter getäuscht und sich durch die Tür oder eine Hintertür oder über die Dächer davongemacht. Er selbst konnte darüber keine Angaben machen, und was das Schreien und Heulen anbetraf, so war es wohl bei dem jämmerlichen Abschied gewesen, der ihnen zu tiefst ans Herz ging, da es sich um die Schwester der Hausfrau handelte. Der Mann selber, seine Frau, mehrere Kinder und Dienstboten waren alle fort und geflohen, ob krank oder gesund, konnte ich niemals erfahren, freilich zog ich auch keine Erkundigungen ein.