Als nun John Hayward mit seinem Karren daherkam und zwei Tote auf dem Dach der Bude liegen sah, zog er sie mit dem Hacken, der dazu gebraucht wurde, herab und warf sie auf den Karren, was den Sackpfeifer in seinem Schlaf nicht störte. Dann ging’s weiter, und sie luden, wie mir John erzählte, so viele Leichen auf, daß sie den guten Sackpfeifer fast lebendig begruben. Er aber schlief immer weiter. Endlich gelangten sie zu dem Ort, wo die Leichen begraben werden sollten, wenn ich mich recht erinnere, bei Mountmill. Als nun der Karren hielt und die Leute sich fertig machten, ihre Ladung in die Grube zu werfen, erwachte der Bursche, machte mit einiger Anstrengung seinen Kopf unter den Leichen frei, stemmte sich auf und rief: »Hoho, wo bin ich denn?« Der eine von den Leuten entsetzte sich darüber nicht schlecht, John aber faßte sich schnell und sagte: »Beim Himmel, da ist einer auf dem Karren, der noch nicht ganz tot ist.« Darauf fragte der andere: »Wer bist du?« – »Ich bin der arme Sackpfeifer,« antwortete der Bursche, »aber wo bin ich denn?« – »Wo du bist!« meinte John Hayward, »nun, du bist auf dem Leichenkarren und sollst jetzt begraben werden.« – »Ja, bin ich denn tot?« fragte er, worauf sie nun doch lachen mußten, obwohl sie zuerst nicht wenig erschrocken waren. Dann halfen sie dem Burschen herab, und er machte sich davon.

Ich weiß, die Geschichte wird so erzählt, daß er auf dem Karren zu spielen anfing, und die Träger dadurch dermaßen in Schrecken setzte, daß sie davon liefen, aber davon wußte John Hayward nichts. Er erzählte die Sache genau so, wie ich sie wiedergegeben habe. –

Von dem Augenblick an, als man sah, daß die Seuche sich über die ganze Stadt verbreiten würde, und jeder floh, der es nur irgend möglich machen konnte, stockte aller Handel vollständig, bis auf die Geschäfte, die zur unmittelbaren Erhaltung des Lebens notwendig waren.

Das war eine so ernsthafte Sache, die die Lage der Bevölkerung aufs Schwerste in Mitleidenschaft zog, daß ich ins einzelne gehen muß. Ich will in folgendem die verschiedenen Volksklassen zusammenfassen, die dadurch sofort in verzweifelte Umstände gerieten.

Es wurden arbeitslos:

1. Alle Werkmeister in den Fabriken, besonders jenen, die Putz, Modeartikel, Kleider und Möbel herstellten; die Band- und Bortenwirker, die Verfertiger von Gold- und Silberspitzen, die Gold- und Silberdrahtzieher, die Näherinnen, Putzmacherinnen, Schuhmacher, Hut- und Handschuhmacher, dann die Tapezierer, Kunsttischler, Spiegelglaser und zahllose Arbeiter, die von ihnen abhingen. Die Werkmeister hörten auf und entließen alle ihre Arbeiter und Hilfsarbeiter.

2. Da der Handel gänzlich aufgehört hatte (denn nur wenige Schiffe wagten sich noch flußaufwärts, und hinaus ging gar keines), wurden mit einem Male alle überzähligen Zollbeamten, die Bootführer, Fuhrleute, Träger und alle die sonst mit dem Handel zu tun hatten, entlassen und arbeitslos.

3. Alle Bauarbeiter hatten nichts mehr zu tun, denn niemand hatte Lust, sich ein Haus zu bauen, zu einer Zeit, da Tausende leer standen, so daß dadurch alle Maurer, Ziegelträger, Schreiner, Zimmerleute, Stukkateure, Zimmermaler, Glaser, Schlosser und Dachdecker überflüssig wurden.

4. Da es keine Schiffahrt mehr gab, waren alle Seeleute ohne Beschäftigung und mit ihnen alle jene, die mit dem Bau und der Schiffsausrüstung zu tun hatten, die Schiffszimmerleute, Kalfaterer, Tau- und Segelmacher, Ankerschmiede, Figurenschnitzer, Kanonengießer, Lichtzieher u. a. m. Ihre Werkmeister konnten vielleicht von ihren Ersparnissen leben, aber der Handel lag so gänzlich darnieder, daß alle Arbeiter entlassen werden mußten. Dazu kam, daß auch der Bootsverkehr auf dem Flusse aufgehört hatte, und damit auch die Bootführer, Leichterführer, Bootbauer und was sonst noch damit zusammenhängt, arbeitslos geworden waren.