Der Zimmermann und einer von der anderen Gesellschaft meinten, das alles wäre kein Grund, die offene Straße zu versperren und die Leute nicht durch die Stadt zu lassen. Sie wollten ja gar nichts von ihnen als die Freiheit, durch die Stadt zu ziehen. Hätten die Einwohner Angst, so könnten sie ja in ihre Häuser gehen und die Türen abschließen. Die Konstabler aber und wer sonst noch herumstand waren jedem vernünftigen Grunde unzugänglich und versteiften sich auf das, was sie schon gesagt hatten. So kehrten die beiden Unterhändler zu ihren Kameraden zurück, um mit ihnen zu beraten, was zu tun wäre. Darüber konnten sie sich nicht einig werden, bis der Bäcker und frühere Soldat sagte, sie sollten alles ihm überlassen. Er wies darauf den Zimmermann an, aus Baumzweigen etwas Flintenähnliches zu schnitzen, und nachdem sie auf diese Weise 5 oder 6 Musketen verfertigt hatten, die aus der Entfernung ganz gut für solche gehalten werden konnten, nahm er ein paar Leute mit sich und schlug das Zelt mitten auf der Straße auf, der Barrikade gerade gegenüber, die von den Stadtbewohnern errichtet worden war. Dann stellte er vor das Zelt eine Wache mit der einzig wirklichen Flinte in ihrem Besitz, der mit geschultertem Gewehr auf und ab gehen mußte, daß jeder ihn sehen konnte. Das Pferd wurde an eine Hecke neben dem Zelt gebunden und ein Feuer auf dessen anderer Seite angezündet, so daß man von der Stadt aus das Feuer und den Rauch sehen konnte, aber nicht, was die Leute dabei taten.
Die Städter beobachteten sie eine gute Weile und mußten bei all diesen Zurichtungen glauben, daß sie es mit einer ganzen großen Bande zu tun hätten. Daher machten sie sich mehr Sorge, daß sie bleiben als daß sie weggehen würden. Von dem einen Pferd und der einen Muskete schlossen sie auf viele, und als sie noch Leute mit geschulterten Gewehren auf dem Felde hin- und hergehen sahen, gerieten sie in einen mächtigen Schrecken, liefen zum Friedensrichter und fragten ihn, was man tun solle. Was ihnen jener antwortete, weiß ich nicht, aber jedenfalls kamen sie gegen Abend auf die Barrikade und riefen die Schildwache vor dem Zelt an.
Das Ergebnis der langen Unterhandlungen war endlich, daß die Flüchtlinge versprachen, einen Fußweg hinten um die Stadt herum über die Felder zu nehmen, und die Städter sich dagegen verpflichteten, sie mit reichlichen Lebensmitteln zu versorgen, unter der Bedingung, daß jene auch nicht einen Schritt gegen die Stadt von der Stelle aus hin machten, wo die Lebensmittel niedergelegt würden.
Damit war alles einverstanden, und demgemäß wurden an den vereinbarten Platz 20 große Brotlaibe und ebensogroße Fleischstücke gebracht, auch einige Gatter auf dem Nebenwege geöffnet, aber niemand hatte den Mut, den Flüchtlingen zuzusehen, und da die Nacht schon hereingebrochen war, hätte man auch nicht gewahren können, wie wenige Leute sie waren.
So zog der Soldat die ganze Gesellschaft aus der Schlinge, brachte aber dafür die ganze Grafschaft in Aufruhr. Wären sie wirklich 200 oder 300 gewesen, wie es hieß, so hätte man die Bevölkerung gegen sie aufgeboten und sie ins Gefängnis geworfen oder auch totgeschlagen.
Das merkten sie bald, denn zwei Tage später trafen sie auf mehrere Haufen Reiter und Fußvolk, die »drei Kompanien mit Musketen bewaffneter Leute« verfolgen sollten, die von London kamen und mit der Pest verseucht waren, und nicht nur diese verbreiteten, sondern auch überall plünderten.
Nun erkannten sie die Folgen ihrer Handlungsweise und die Gefahr, in der sie sich befanden. Sie beschlossen daher, auf den Rat des früheren Soldaten, sich wieder zu trennen. Die drei wandten sich gegen Waltham, die andern in zwei Teilen nach dem Walde von Epping zu.
Die erste Nacht brachten sie alle im Walde zu, nicht weit voneinander, vermieden es aber, das Zelt aufzuschlagen aus Angst, daß sie dadurch verraten werden könnten. Dagegen machte sich der Zimmermann mit Axt und Beil an die Arbeit und schlug so viele Baumzweige herab, daß sie daraus drei hüttenartige Unterschlupfe machen konnten, in denen sich ganz gut übernachten ließ. Lebensmittel hatten sie auch genug, und die Sorge für den nächsten Tag überließen sie der Vorsehung. Die Ratschläge des alten Soldaten hatten ihnen so gut gefallen, daß sie ihn nun freiwillig zu ihrem Führer erwählten. Er zeigte auch gleich, daß sie damit das Richtige getroffen hatten. Er meinte nämlich, daß sie nun weit genug von London wären, und daß sie die gleiche Sorge tragen müßten, nicht angesteckt zu werden, als niemanden anzustecken. Gewaltsam wollten sie nicht vorgehen, und daher müßten sie sich den getroffenen Maßregeln anbequemen. Damit waren sie alle einverstanden und setzten am nächsten Tage ihren Marsch gegen Epping zu fort. Auch der Kapitän, wie er jetzt genannt wurde, und seine beiden Gefährten hatten sich wieder an die anderen angeschlossen.
Als sie in die Nähe von Epping kamen, machten sie halt und suchten sich einen Platz im offenen Walde, nicht zu nah, aber auch nicht zu weit von der Straße in einem kleinen Gebüsch. Hier schlugen sie ihr Lager auf, das aus drei großen runden Hütten bestand, die der Zimmermann mit Hilfe der andern aus Zweigen aufbaute, die er an den Enden zusammenband. Die Seitenwände wurden mit Blättern und Moos verstopft, so daß sie vollständig dicht und warm hielten. Außerdem hatten sie das kleine Zelt, das den Frauen überlassen wurde, und eine kleine Hütte für das Pferd.
Am nächsten Tage war zufällig Markttag in Epping, wohin der Kapitän mit einem Begleiter sich aufmachte, um einige nötige Lebensmittel einzukaufen, nämlich Brot und etwas Fleisch. Zwei der Frauen gingen für sich, als ob sie gar nicht zu der Gesellschaft gehörten, und kauften noch mehr. Mittlerweile verfertigte der Zimmermann einen Tisch und einige Bänke und Stühle, so gut es eben gehen wollte.