Zwei oder drei Tage lang wurde ihre Anwesenheit nicht bemerkt, dann aber zogen die Leute haufenweise aus der Stadt, um sie anzusehen, und die ganze Gegend geriet ihretwegen in Aufregung. Anfangs hatte man Angst, ihnen nahezukommen, und die Flüchtlinge selbst waren froh, wenn dies nicht geschah, denn das Gerücht ging, daß die Pest auch in Waltham ausgebrochen sei und bereits auf Epping übergegriffen habe. Daher bat sie der Kapitän, nicht in ihre Nähe zu kommen, da sie alle völlig gesund wären und weder von ihnen angesteckt werden noch auch hören möchten, daß sie die Seuche zu ihnen gebracht hätten.
Darauf erschienen die Kirchspielbeamten und fragten aus der Entfernung, wer sie wären und mit welchem Recht sie sich hier aufhielten. Der Kapitän antwortete ganz aufrichtig, sie wären arme Flüchtlinge aus London, die dem kommenden Elend sich hatten entziehen wollen, um ihr Leben zu retten und die weder Freunde noch Verwandte besäßen, wohin sie sich hätten flüchten können. Zuerst wären sie nach Islington gezogen, da aber die Seuche auch dahin gekommen sei, wären sie weitergewandert. Und weil sie voraussetzten, daß die Inwohner von Epping ihnen doch verwehrt hätten, in die Nähe der Stadt zu kommen, hätten sie nun ihr Lager unter dem freien Himmel aufgeschlagen und nähmen freiwillig all die Beschwerlichkeiten eines solchen Aufenthaltes auf sich, lieber, als daß irgend jemand ihnen vorwerfen könnte, er wäre durch sie zu Schaden gekommen.
Zuerst wollten die Leute von Epping nichts davon hören, daß sie dablieben und befahlen ihnen, weiterzuwandern. Dies wäre kein Platz für sie, und wenn sie auch behaupteten, gesund zu sein, so möchten sie doch, ohne es zu wissen, schon angesteckt sein und die ganze Gegend anstecken, und deshalb könne man sie hier nicht dulden.
Der Kapitän verhandelte mit ihnen in aller Geduld weiter und hielt ihnen vor, daß sie alle von London, wohin sie ihre Landesprodukte verkauften, lebten und ihre Höfe erhielten, und daß es nicht recht wäre, so unbarmherzig gegen Londoner zu sein, durch die sie so viel verdienten. Später würden sie sich nur mit Reue daran erinnern, wenn es sich herumspräche, wie ungastlich, unfreundlich und barbarisch sie sich gegen Bewohner von London verhalten hätten, die vor dem schrecklichsten Feinde des Menschengeschlechtes geflüchtet wären. Von nun an wäre jeder Eppinger in London verfehmt, und der Pöbel würde ihnen Steine in den Straßen nachwerfen, wenn sie wieder zu Markt kämen.
Die Eppinger erwiderten darauf, in Walthamstow wäre eine ganze Bande erschienen, die auch behaupteten, sie wären alle gesund, und hätten gedroht, die Stadt zu plündern und mit Gewalt ihren Weg fortzusetzen. Fast 200 wären sie gewesen, mit Waffen und Zelten wie eine richtige Armee. Durch die Drohung, sonst sich alles selbst zu nehmen, hätten sie Lebensmittel von der Stadt erpreßt, und die ganze Umgegend wäre von ihnen verseucht worden. Wahrscheinlich gehörten auch sie zu dieser Bande und verdienten, ins Gefängnis geworfen zu werden, bis sie Schadenersatz geleistet hätten für alles, was sie angerichtet und für die Angst und den Schrecken, in die sie die ganze Gegend gestürzt hätten.
So wurde noch lange hin- und hergeredet, bis endlich der Kapitän sagte, sie würden nichts mit Gewalt nehmen, selbst wenn die Eppinger ihre Herzen gänzlich jedem Mitleid verschlössen, und wenn dann das Wenige, das sie hätten, verbraucht wäre, so müßten sie eben nach dem Willen Gottes zugrunde gehen.
Seine vernünftige und ruhige Art zu reden hatte eine solche Wirkung auf die Eppinger, daß sie fortgingen. Und obwohl sie wohl mit ihrem Bleiben nicht einverstanden waren, taten sie doch auch nichts, sie zu vertreiben, so daß die armen Teufel die nächsten drei oder vier Tage Ruhe hatten. Mittlerweile hatten sie sich mit einem Lebensmittelladen am Rande der Stadt in Verbindung gesetzt, der ihnen die nötigsten Bedürfnisse in der üblichen Weise lieferte, indem die Lebensmittel in einiger Entfernung auf die Erde gelegt wurden.
Das junge Volk kam inzwischen oft bis ganz nahe ans Lager, stand da herum, schaute sich alles an und unterhielt sich mit ihnen, wobei aber immer noch ein Zwischenraum aufrechterhalten wurde. Daß man hörte, wie sie am ersten Sonntag beteten und ihre Sonntagsfeier mit Psalmensingen begingen, machte einen guten Eindruck, so daß allmählich die Stimmung der Leute umschlug, und man sie mit Mitleid zu betrachten begann. Die Folge davon war, daß nach einer schweren Regennacht ein gewisser Landedelmann, der in der Nachbarschaft lebte, ihnen einen Karren mit zwölf Bündeln Stroh schickte, um darauf zu liegen und die Dächer ihrer Hütten damit zu decken. Der Kirchspielgeistliche sandte ihnen auch, ohne von dem ersteren Geber zu wissen, zwei Scheffel Weizen und einen halben Scheffel weiße Erbsen.
Nachdem diese beiden so begonnen und ein Beispiel der Nächstenliebe gegeben hatten, schlossen sich bald andere an, und es verging kaum ein Tag, der ihnen nicht irgendeine Gabe brachte. Einige schickten Sessel, Tische und solche Haushaltungsgegenstände, die sie nötig hatten, andere Leintücher und Bettdecken, die dritten Ton- und Küchengeschirr.
Dadurch ermutigt, baute ihnen der Zimmermann in wenigen Tagen einen großen Schuppen oder ein Haus mit Dachsparren, einem richtigen Dach und einem oberen Stockwerk, wo sie trocken hausen konnten, denn das Wetter begann jetzt, anfangs September, allmählich feucht und kalt zu werden. Auf der einen Seite errichtete er noch eine Erdmauer mit einem Kamin darin, und ein anderes Mitglied der Gesellschaft fabrizierte dazu mit unsäglicher Mühe und Arbeit einen Rauchfang, um den Rauch hinauszulassen.