»O Herr, erlaube mir, daß ich dem Tiere die Hand reiche, es wird euch allen viel zu lachen geben!«
»Sei kein Thor, Freitag«, sagte ich zu ihm; »der Bursche dort läßt nicht mit sich spaßen. Er wird dich mit Haut und Haar verschlingen.«
»Was? Er mich essen?« triumphierte Freitag. »Dafür werde ich mich sehr bedanken – ich werde ihn essen; gebt acht, es wird viel Spaß absetzen.«
Die Reisegesellschaft gab seiner Laune nach und wartete der Dinge, die da kommen sollten. Freitag zog im Nu seine Stiefel und Strümpfe aus, zog statt deren ein Paar Schuhe an, übergab sein Pferd einem Bedienten, nahm ein Gewehr und eilte gerade auf den Bären los.
»Höre, höre, guter Freund«, wandte sich Freitag an Meister Petz, »ich möchte mit dir ein bißchen plaudern.« Aber der Bär schien keine besondere Neigung zu haben, sich in ein Gespräch einzulassen. Da die freundliche Ansprache unerwidert blieb, versuchte Freitag auf andre Art, dem Vierbeinigen Aufmerksamkeit einzuflößen. Er hob einen großen Stein auf und warf ihn dem Tiere an den Kopf. Doch ob er den Bären oder eine alte Mauer getroffen hätte, war ganz gleich: sein Gegenüber verharrte in bewundernswürdigem Gleichmut. Dieser kecke Übermut Freitags machte einige der Reisenden besorgt, und schon schickten sie sich an, auf das Fell des Bären eine nachdrückliche Ladung zu geben. Aber Freitag, der die Eigenart des Tieres studiert zu haben schien, winkte abwehrend gegen die Schußfertigen. Dann wandte er sich seitwärts und schwang sich auf den Stamm einer Eiche, an deren Fuße er sein Gewehr anlehnte. Der Bär, immer wütender geworden, folgte knurrend hinterdrein.
Ich konnte bis jetzt in der ganzen Posse noch nichts »zum Lachen« finden, im Gegenteil, mir war ganz unheimlich zu Mute, als ich meinen Getreuen sich bis an das äußerste Ende des Astes zurückziehen und den Bären ihm auf dem Fuße folgen sah.
»Jetzt, meine Herren«, rief Freitag in heiterer Stimmung, »jetzt werden Sie sehen: der Tanz beginnt!«
Bei diesen Worten sprang er und schüttelte den Ast so kräftig, daß diese schaukelnde Bewegung dem Bären unbehaglich wurde und er sich bedachtsam zurückzog. Freitag aber ließ ihn nicht so leichten Kaufes frei, sondern rief ihm zu: »Was kommst du nicht näher, Freund? Immer komm her!« Und wirklich that das Tier einige Schritte vorwärts. Jetzt neues kräftiges Schütteln und Schaukeln – neuer Rückzug; kurz, das Spiel dauerte eine Zeitlang in dieser Weise fort, und wir mußten über die drolligen Gebärden des Bären herzlich lachen.
Doch Abend und Dunkelheit brachen herein, und ich rief Freitag zu, dem Possenspiel ein Ende zu machen; denn wir alle wußten nicht, wie der Scherz ausgehen würde.
Freitag zog sich sogleich an das äußerste Ende des Astes zurück, hielt sich mit größter Geschicklichkeit mit beiden Händen daran fest und sprang dann leichten Fußes auf den Boden.