»Nach der Flucht der Feinde konnte man sich von den Strapazen etwas ausruhen und sich durch Speise und Trank stärken. Doch nur kurze Zeit gestattete man sich diese Erholungspause. Alle waren ohnehin begierig, zu erfahren, was aus den Feinden geworden. Daher brachen alle noch Streitbaren gegen die Küste auf, wobei der Weg über den Kampfplatz führte. Dort lagen in grauenvollem Gemisch Verwundete und Tote durcheinander, und auf allen Seiten ächzte und stöhnte es in schauerlichen Tönen. In betreff der am Leben gebliebenen Feinde, welche sich in die Wälder geflüchtet hatten, war guter Rat teuer. Nach mannigfachem Hin- und Herreden einigte man sich zuletzt in der Maßregel, womöglich die feindlichen Kanoes zu verbrennen, um den Indianern die Rückfahrt und die Anstiftung eines neuen Rachezuges gegen die Kolonie abzuschneiden. Es gelang, die Wilden wurden dann unter täglichen Kämpfen in die Felsengebirge der südwestlichen Gegenden unsres Eilandes gedrängt. Hierauf zogen die Krieger es vor, Frieden mit den abgeschnittenen Feinden zu schließen, und schickten deshalb Freitags Vater als Abgesandten an dieselben ab. Dieser brachte wirklich eine Verständigung zustande, zumal die armen Leute, von Hunger und Elend gebeugt, bereits auf 30 Köpfe zusammengeschmolzen waren. Sie erhielten Nahrungsmittel (Brot, Reiskuchen und Ziegenfleisch) und wurden dann unter der Bedingung unverbrüchlichen Gehorsams als Freunde aufgenommen. Auf dem südöstlichen Teile der Insel, in einem von hohen Felsen umgürteten Thale, wies man ihnen Wohnsitze an und half ihnen Hütten erbauen. Dann unterrichtete man sie auch in der Kunst, allerlei Werkzeuge zu verfertigen, das Feld zu bearbeiten, Brot zu bereiten, Körbe zu flechten, Töpfe zu formen, Ziegen zu melken, und beschenkte sie mit Äxten, Beilen, Messern und sonstigen Gerätschaften sowie mit einigen Ziegen und Böcken.
»Nach und nach wußte das Völkchen sich immer bequemer einzurichten und lebte ruhig und harmlos in seinem Winkel, glücklicher vielleicht als in der alten Heimat!
»Seit der Errichtung dieser neuen Ansiedelung erfreut sich die Kolonie« – mit diesen Worten schloß Don Caballos seinen Bericht – »nun schon zwei Jahre hindurch eines ungestörten Friedens bis zu Ihrer Ankunft, Herr Gouverneur. Zwar landeten noch von Zeit zu Zeit Indianertrupps an unserm Eilande, um ihre entsetzlichen Triumphmahlzeiten zu halten, aber sie schienen kein Verlangen weiter zu verspüren, das Innere der Insel kennen zu lernen und uns mit ihrem schlimmen Besuche zu beehren.«
Aus der Erzählung von Don Caballos ersieht man, welch schwere Zeiten und bedrohliche Wirren während meiner Abwesenheit über mein liebes Eiland hingegangen waren. Die Kolonie befand sich jedoch gegenwärtig in erwünschtem Gedeihen und Fortschreiten, und der Einfluß europäischer Gesittung hatte sich bei den Indianern in wohlthätiger Weise geltend gemacht.
Sie hatten bereits geflochtene Tische, Stühle, Ruhebetten und noch manches andre Hausgerät sauber herzustellen gelernt. Auch die Weiber des wilden Volksstammes wußten sich zu fügen und zeigten sich arbeitsam. Sie zeigten sich auch gutmütig gegen die Kinder und nahmen willig die Unterweisungen in den Lehren des Christentums auf, wobei die Frauen der Kolonisten einen besonderen Eifer kundgaben.
Unterweisung der Indianerinnen durch die Frauen der Kolonisten.
Nicht selten hatte ich während meines kurzen Besuches Gelegenheit, zu bemerken, wie von Zeit zu Zeit eine Kolonistin recht erbauliche Mitteilungen an die eine oder andre der Indianerfrauen richtete und in den letzteren ganz andächtige Zuhörerinnen fand.
Nachdem ich jetzt einen Überblick über den Stand der Kolonie gegeben habe, wie ich sie bei meiner Ankunft vorfand, will ich nun auch berichten, was ich für die Ansiedler that und in welchen Verhältnissen ich sie verließ. Es lag nicht in meiner Absicht, daß jemand der Insel den Rücken zuwende, vielmehr wünschte ich die Bevölkerung anwachsen zu sehen, und aus diesem Grunde hatte ich ja eine Menge brauchbarer Werkzeuge und Geräte mitgebracht, an denen es bisher gemangelt hatte. Der jetzige friedliche Verkehr der Kolonisten untereinander befriedigte mich in hohem Maße, und ich ermahnte sie, auch für die Folgezeit in Eintracht nebeneinander zu leben. Zur Bestärkung in diesen guten Vorsätzen veranstaltete ich ein glänzendes Friedens- und Freundschaftsfest, bei welchem unser Schiffskoch viel Ehre einlegte.