Dritter Gesang

Die Sonne, die mich einst mit Glut erfüllt,
Beweisend hatte sie und widerlegend
Der Wahrheit holdes Antlitz mir enthüllt.
Und ich, belehrt, nicht länger Zweifel hegend,
Wollt eben, daß ichs sei, gestehn und stand,
Das Haupt, soweit sichs ziemt, emporbewegend.
Doch ein Gesicht erschien, und so gespannt
Hielt ich den Blick darauf, ums zu gewahren,
Daß mein Geständnis der Erinnrung schwand.
Und wie von Gläsern, von durchsichtgen, klaren,
Von Weihern, welche seicht, doch still und rein,
Den Boden unverdunkelt offenbaren,
Ein Antlitz widerstrahlt, so schwach und fein,
Daß man erkennen würd in größrer Schnelle
Auf weißer Stirn der Perle bleichen Schein;
So sah ich manch Gesicht an jener Stelle
Und war im Gegensatz des Wahns, durch den
Einst Lieb entflammt ward zwischen Mann und Quelle.
Denn plötzlich glaubt ich, wie ich sie ersehn,
Es wären Spiegelbilder, und bemühte
Mich, ringsumher ihr Urbild zu erspähn.
Doch sah ich nichts, und, zweifelnd im Gemüte,
Schaut ich ins Licht der süßen Führerin,
Die lächelnd in den heilgen Augen glühte.
Und sie begann: "Nicht staun in deinem Sinn.
Belacht ich deine kindischen Gedanken.
Noch gehst du auf der Wahrheit strauchelnd hin,
Um, wie du pflegst, dem Wahne zuzuwanken.
Wirkliche Wesen zeigt dir dies Gesicht,
Die, untreu dem Gelübd, in Schuld versanken.
Sprich, hör und glaube; denn das wahre Licht,
Das sie beseligt, wird es nie gestatten,
Daß ihm zu folgen sich ihr Fuß entbricht.
Ich wandte mich und sprach zu einem Schatten,
Der sprechenslustig schien, schnell, als ein Mann,
Den längst gequält der Neugier Stacheln hatten:
"O Seele, die das ewge Licht gewann,
Die selig hier die Süßigkeiten machten,
Die nur, wer sie geschmeckt, begreifen kann,
O sei jetzt freundlich mir. Mein ganzes Trachten
Ist ja dein Nam und euer Los. Drum sprich!"—
Und sie, bereit, mit Augen, welche lachten,
Sprach: "Unsre Lieb erschließt sich williglich
Gerechtem Wunsch, gleich der, der Liebe Bronnen,
Die ihr Gefolg gebildet will nach sich.
Dort auf der Welt gehört ich zu den Nonnen,
Doch wende nur mir die Erinnrung zu,
Und durch die höhre Schönheit, höhern Wonnen,
Daß ich Piccarda bin, erkennest du,
Mit diesen allen, die sich selig nennen,
Zum trägsten Kreis versetzt in Wonn und Ruh.
All unsre Triebe, die allein entbrennen
In Lust des Heilgen Geists, sind hoch ergetzt,
Weil sie in seiner Weihe sich erkennen.
Dies Los, von dir vielleicht geringgeschätzt,
Ward uns zuteile, weil wir dort auf Erden
Verabsäumt die Gelübd und sie verletzt."
Drauf ich: "Euch glänzt in Antlitz und Gebärden,
Ich weiß nicht was, von Gottheit, wunderbar,
Und läßt die ersten Züg unkenntlich werden,
Drob ich so säumig im Erkennen war,
Jetzt hilft mir, was du sprichst, dem Auge trauen
Und stellt mir deutlicher dein Bildnis dar.
Doch sprich: Ihr, glücklich hier in diesen Auen,
Zieht euch nach höherm Ort nicht die Begier,
Um mehr euch zu befreunden, mehr zu schauen?"
Ein wenig lächelten die Schatten hier,
Denn, als ob sie in erster Liebe glühte,
Erwiderte sie froh und wonnig mir:
"Bruder, hier stillt die Kraft der Lieb und Güte
Jedweden Wunsch, und völlig gnügt uns dies,
Und nicht nach anderm dürstet das Gemüte.
Denn wenn es höherm Wunsch sich überließ,
So würd es ja dem Willen widerstehen,
Der uns in diesen niedern Kreis verwies.
Dies kann in diesen Sphären nicht geschehen;
Lieb ist das Band des ewigen Vereins,
Mit der nicht Kampf noch Widerstand bestehen.
Vielmehr ists Wesen dieses selgen Seins,
Nur in dem Willen Gottes hinzuwallen,
Drum schmilzt hier aller Wunsch und Trieb in eins.
Und, wie wir sind von Grad zu Grad, muß allen
Wie ihm, des Will allein nach seiner Spur
Den unsern lenkt, dies ganze Reich gefallen.
Und unser Frieden ist sein Wille nur,
Dies Meer, wohin sich alles muß bewegen,
Was er schafft, was hervorbringt die Natur."—
Nun sah ich: Paradies ist allerwegen
Wo Himmel ist, strömt auch von oben her
Vom höchsten Gut nicht gleich der Gnade Regen.—
Wie bei verschiednen Speisen man nicht mehr
Von dieser will und sich nach jener wendet,
Für diese dankt und noch verlangt von der,
So ich mit Wink und Wort, als sie geendet,
Um zu erfahren, was sie dort gewebt,
Allein verlassen, ehe sies vollendet.
"Vollkommnes Leben und Verdienst erhebt
Ein Weib", so sprach sie, "zu den höhern Kreisen,
In deren Tracht und Schleier manche strebt,
In Schlaf und Wachen treu sich zu erweisen
Dem Bräutigam, dem jeder Schwur gefällt,
Den reine Liebestrieb ihm schwören heißen.
Ihr nachzufolgen floh ich jung die Welt,
Weiht ihrem Orden mich und war beflissen,
Dem gnugzutun, was sein Gesetz enthält.
Doch Menschen, ruchlos mehr, als gut, entrissen
Gewaltsam dem Verlies, dem süßen, mich
Wie drauf mein Leben war—Gott wird es wissen—
Der andre Glanz, der mir zur Rechten dich
So freudig hell bestrahlt, denn er entzündet
In unsrer Sphäre ganzem Schimmer sich,
Versteht von sich, was ich von mir verkündet.
Denn man entriß, wie meinem, ihrem Haupt
Den Schleier, der der Nonnen Stirn umwindet.
Doch, ob man Rückkehr ihr zur Welt erlaubt,
Blieb doch ihr Herz bekrönt mit jenem Kranze,
Den ihrer Stirn verruchte Tat geraubt.
Sie ist das Licht der trefflichen Konstanze,
Die mit dem zweiten Sturm aus Schwabenland
Den dritten zeugt, umstrahlt vom letzten Glanze."
Piccarda sprachs, mir heiter zugewandt,
Und fing ein Ave an, indem sie singend,
Wie Schweres in der tiefen Flut, verschwand.
Mein Blick, ihr nach, soweit er konnte, dringend,
Erhob sich dann, sobald er sie verlor,
Nach einem Ziele größern Sehnens ringend,
Zu Beatricens Antlitz ganz empor,
Doch als ihr Aug, ein Blitz, in meins geschlagen,
So daß zuerst es niedersank davor,
Da macht es zögern mich mit weitern Fragen.

Vierter Gesang

Zwischen zwei Speisen, gleich entfernt und lockend,
Ging hungrig wohl ein freier Mann zugrund,
Nicht von der einen noch der andern brockend.
So stund ein Lämmchen zwischen Schlund und Schlund
Von zweien Wölfen fest, in gleichem Zagen,
So stund auch zwischen zweien Rehn ein Hund.
So ließ verschiedner Zweifel mich nicht fragen.
Ich schwieg nur, weil ich mußt, und kann davon
Drum weder Gutes jetzt noch Böses sagen.
Ich schwieg, doch ward mein Wunsch vom Antlitz schon
Klar ausgedrückt und deutlicher vernommen,
Als hätt ich ihn erklärt mit klarem Ton.
Beatrix tat wie Daniel, als entglommen
Nebukadnezar war in blinder Wut,
Die des Propheten Deutung ihm benommen.
"Daß dich zwei Wünsche drängen, seh ich gut,"
Begann sie, "die dich fesseln. So daß keiner
Von beiden sich nun kund nach außen tut.
Du fragst: Bleibt unser Will ein guter, reiner,
Wie macht Gewalttat andrer dann den Wert
Und wie den Umfang des Verdienstes kleiner?
Hiernächst auch zweifelst du, weil Plato lehrt,
Daß, wies ihm scheint, zu ihrem Sternenkreise
Die Seele von der Erde wiederkehrt.
Die beiden Zweifel drängen gleicherweise
Auf deinen Willen ein, daher ich Ietzt
Der schlimmern Meinung Falschheit erst beweise.
Der Seraph, den der reinste Schimmer letzt,
Moses und Samuel—die je heilig waren,
Ja, selbst Marien nenn ich dir zuletzt,
Sind nicht in anderm Himmel als die Scharen
Der selgen Geister, die du jetzt gesehn,
Sind reicher nicht und ärmer nicht an Jahren.
Die erste Sphäre machen alle schön,
Doch ist verschiedner Art ihr süßes Leben,
Wie mehr und minder Gottes Hauche wehn.
Sie zeigten hier sich, nicht, weil ihnen eben
Der Kreis zuteil ward, nein, weil dies beweist,
Daß sie zum Höchsten minder sich erheben.
So sprechen muß man ja zu eurem Geist,
Den nur die Sinne zu dem allen leiten.
Was die Vernunft sodann ihr eigen heißt.
Drum läßt sich auch zu euren Fähigkeiten
Die Schrift herab, wenn sie von Gott euch spricht,
Von Hand und Fuß, um andres anzudeuten.
Die Kirche zeigt mit menschlichem Gesicht
Gabriel und Michael und Raphaelen,
Der neu geklärt Tobias Augenlicht.
Doch des Timäus Lehre von den Seelen
Ist andrer Art. Er glaubt auch, was er lehrt,
Und scheint darin kein Sinnbild zu verhehlen.
Daß sich zu ihrem Stern die Seele kehrt,
Er sprichts und glaubt, daß sie von dort gekommen,
Als die Natur sie uns zur Form gewährt.
Allein wird dies nicht wörtlich angenommen,
So kann er doch vielleicht mit dem Beweis
Dem Ziel der Wahrheit ziemlich nahekommen,
Dafern er meinte, daß aus jedem Kreis
Das Gut und Böse stamm, und deshalb lehrte,
Dem kehre Schimpf zurück und jenem Preis.
Und dieser schlechtverstandne Satz verkehrte
Fast alle Welt, so daß in Sternen man
Den Mars, Merkur und Jupiter verehrte.—
Der andre Zweifel, welcher dich umspann,
Hat mindres Gift, indem er nicht entrücken
Dich meinem Pfad durch seine Schlingen kann.
Denn scheint auch ungerecht den Menschenblicken
Unsre Gerechtigkeit, nun, so beweist
Dies Glauben nur, nicht ketzerische Tücken.
Allein wohl fähig ist des Menschen Geist,
In diese Wahrheit tiefer einzudringen,
Drum will ich jetzt, daß du befriedigt seist.
Ist das Gewalt, wenn jenen, welche zwingen,
Der, welcher leidet, nie sich willig zeigt,
So kann sie jenen nicht Entschuldgung bringen.
Denn Wille, der nicht will, bleibt ungebeugt,
Wie Feuer, mag der Sturmwind tosend Schwellen,
Oft hingeweht, neu in die Höhe steigt.
Der Wille wird zu der Gewalt Gesellen,
Wenn er sich beugt; drum fehlte jenes Paar
Rückkehren könnend zu den heilgen Zellen.
Blieb jener Nonnen Will unwandelbar,
Wie auf dem Rost Laurentius geblieben,
Wie Scävola, der streng der Rechten war,
So hätt er sie, befreit, zurückgetrieben
Denselben Pfad, auf dem man sie entführt;
Doch selten sind, die solchen Willen lieben.
Noch hättest du den Zweifel oft gespürt,
Der jetzt gewiß vor meinem Wort geschwunden,
Wenn du wohl aufgemerkt, wie sichs gebührt.
Doch hält ein andrer schon dein Aug umwunden,
Und gänzlich schwände deine Kraft dahin,
Eh du dich Selbst aus ihm herausgefunden.
Ich legt es als gewiß in deinen Sinn,
Die Seele, die der ersten Wahrheit Pforten
Stets nahe bleibt, sei niemals Lügnerin.
Doch nun erfuhrst du durch Piccarda dorten,
Daß ihren Schleir Konstanze nie vergaß,
Und dies scheint Widerspruch mit meinen Worten.
Oft, Bruder, die Gefahr zu fliehn, geschahs,
Daß sich ein Mensch, auch wider Willen, dessen,
Was nimmer sich zu tun geziemt, vermaß.
So hat Alkmäon, welcher sich vermessen
Des Muttermords, weil ihn sein Vater bat,
Die Sohnespflicht aus Sohnespflicht vergessen.
Daraus erkennst du diese Wahrheit: hat
Der Wille sich vermischt dem äußern Drange,
So liegt in ihm die Schuld der bösen Tat.
Der unbedingte Wille trotzt dem Zwange,
Doch stimmt insofern bei, als der Gefahr
Er zagend weicht, vor größerm Schaden bange.
Piccarda sprach, dies siehst du jetzo klar,
Vom unbedingten Willen nur zum Guten,
Vom zweiten Ich, und beider Wort ist wahr."
So war das Wogen jener heilgen Fluten
Dem Quell entströmt, dem Wahrheit nur entquillt,
Daß süß befriedigt meine Wünsche ruhten.
"Liebste des ersten Liebenden, o Bild
Der Gottheit," rief ich, "deren Rede regnet,
Erwärmt und mehr und mehr belebt und stillt.
Oh, war mit Inbrunst doch mein Herz gesegnet
Zum Dank, der gnügte deiner Huld—doch dir
Sei nur von ihm, der sieht und kann, entgegnet.
Nie sättigt sich der Geist, dies seh ich hier,
Als in der Wahrheit Glanz, dem Quell des Lebens,
Die uns als Wahn zeigt alles außer ihr.
Doch fand er sie, dann ruht die Qual des Strebens,
Und finden kann er sie, sonst wäre ja
Jedweder Wunsch der Menschenbrust vergebens.
Dann läßt der Geist, wenn er die Wahrheit sah,
An ihrem Fuß den Zweifel Wurzel schlagen
Und treibt von Höhn zu Höhn dem Höchsten nah.
Dies ladet nun mich ein, dies heißt mich wagen,
Nach einer andern dunkeln Wahrheit jetzt
Voll Ehrfurcht, hohe Herrin, Euch zu fragen.
Kann wohl der Mensch, der ein Gelübd verletzt,
Durch andres gutes Werk dies so vergüten,
Daß Ihrs, nach Eurer Wag, als gnügend schätzt?
Sie sah mich an, und Liebesfunken sprühten
Aus ihrem Aug so göttlich klar hervor,
Daß ich, besiegt, sobald sie mir erglühten,
Gesenkten Blicks mich selber fast verlor.

Fünfter Gesang

"Wenn ich in Liebesglut dir flammend funkle,
Mehr, als es je ein irdisch Auge sieht,
So, daß ich deines Auges Licht verdunkle,
Nicht staune drum—es macht, daß dies geschieht,
Vollkommnes Schauen, welches, wies ergründet,
In dem Ergründeten uns weiterzieht.
Schon glänzt, ich sehs in deinem Blick verkündet.
In deinem Geist ein Schein vom ewgen Licht,
Das, kaum gesehen, Liebe stets entzündet.
Und liebt ihr, weil euch andrer Reiz besticht,
So ists, weil, unerkannt, vom Licht, dem wahren,
Ein Strahl herein auf das Geliebte bricht.
Ob andrer Dienst, dies willst du jetzt erfahren,
Gebrochenes Gelübd ersetzen kann,
Um vor dem Vorwurf euer Herz zu wahren."
So fing ihr heilges Wort Beatrix an
Und setzte dann, die Rede zu vollenden,
Ununterbrochen fort, was sie begann.
"Die größte Gab aus Gottes Vaterhänden
Und seiner reichen Güte klarste Spur,
Von ihm geschätzt als höchste seiner Spenden,
Ist Willensfreiheit, so die Kreatur,
Der er Vernunft verlieh, von ihm bekommen,
Von diesen jede, doch auch diese nur.
Hieraus ersieh den hohen Wert des frommen
Gelübdes, wenn es so beschaffen ist,
Daß Gott, was du geboten, angenommen.
Denn, wer mit Gott Vertrag schließt, der vermißt
Sich, diesen Schatz zum Opfer darzubringen,
Mit dessen Werte sich kein andrer mißt.
Wie kann drum je hier ein Ersatz gelingen?
Brauchst du auch wohl, was du geopfert hast,
So ists nur Wohltat mit gestohlnen Dingen.
Du hast das Wichtigste nun aufgefaßt,
Doch weil die Kirche vom Gelübd entbindet,
So zweifelst du an meiner Wahrheit fast.
Drum bleib am Tisch ein wenig noch. Hier findet,
Ob du auch Unverdauliches gespeist,
Das Mittel sich, vor dem der Schmerz verschwindet.
Dem, was ich sag, erschließe deinen Geist,
Denn Hören gibt nicht Weisheit, nein, Behalten;
Behalt es drum, damit du weise seist.
In diesem Opfer sind zwei Ding enthalten;
Das erste: des Gelübdes Gegenst and—
Das zweite: der Vertrag, es treu zu halten.
Der letztere hat ewigen Bestand,
Bis er erfüllt ist, und wie er zu achten,
Dies macht ich oben dir genau bekannt.
Drum mußten die Hebräer Opfer schlachten,
Obwohl für das Gelobte dann und wann
Sie, wie du wissen mußt, ein andres brachten.
Der Gegenstand kann also sein, daß man,
Auch ohne Reu und Vorwurf zu empfinden,
Mit einem andern ihn vertauschen kann.
Nur mag sich dessen niemand unterwinden
Nach eigner Wahl, wenn ihn der ersten Last
Der gelb und weiße Schlüssel nicht entbinden.
Und jeder Tausch der Bürd ist Gott verhaßt,
Wenn, die wir nehmen, die wir von uns legen,
Nicht wie die Sechs die Vier, voll in sich faßt.
Drum, ziehet das, was man gelobt, beim Wägen
Jedwede Wag herab durch sein Gewicht,
So gibts auch nirgendwo Ersatz dagegen.
Scherzt, Sterbliche, mit dem Gelübde nicht.
Seid treu, doch seht euch vor; denn schwer beklagen
Wirds jeder, der, wie Jephtha, blind verspricht.
Ihm ziemt es besser: Ich tat schlimm! zu sagen,
Als, haltend, schlimmer tun—und gleiche Scham
Sah man davon den Griechenfeldherrn tragen;
Drob Iphigenia weint in bitterm Gram
Und um sich weinen Weis und Toren machte,
Ja, jeden, der von solchem Dienst vernahm.
Sei nicht leichtgläubig, Christenvolk, und trachte,
Nicht wie der Flaum im Windeshauch zu sein;
Daß dich nicht jedes Wasser wäscht, beachtet
Das Alt und Neue Testament ist dein,
Der Kirche Hirt ist Führer ihren Söhnen,
Und dieses gnügt zu eurem Heil allein.
Und reizt euch jemand, schlechtem Trieb zu frönen,
Nicht Schafe seid ihr, eurer unbewußt,
Drum laßt vom Nachbar Juden euch nicht höhnen.
Tut nicht dem Lamm gleich, das der Mutter Brust
Aus Einfalt läßt und, dumm und geil, vergebens
Nur mit sich selber kämpft nach seiner Lust."
Beatrix sprachs und wandte, regen Strebens,
Ganz Sehnen, ihren Blick zum hellem Licht,
Empor zur schönen Welt des höhern Lebens.
Ihr Schweigen, ihr verwandelt Angesicht
Geboten dem begiergen Geiste Schweigen
Und ließen mich zu neuen Fragen nicht.
Und schnell, wie sich beschwingte Pfeile zeigen,
Ins Ziel einbohrend, eh die Sehne ruht,
So eilten wir, zum zweiten Reich zu steigen.
Die Herrin sah ich so in frohem Mut,
Da uns der Flug zum neuen Glänze brachte,
Daß heller ward des Sternes Licht und Glut.
Wenn der Planet nun, sich verwandelnd, lachte,
Wie ward wohl mir, mir, den verwandelbar
Schon die Natur auf alle Weisen machte?
Gleichwie im Teich, der ruhig ist und klar,
Wenn das, wovon die Fischlein sich ernähren,
Von außen kommt, her eilt die muntre Schar,
So sah ich hier zu uns sich Strahlen kehren
Wohl Tausende, von welchen jeder sprach:
"Seht, der da kommt, wird unser Lieben mehren!"
Und wie sie uns sich nahten nach und nach,
Da sah ich süßer Wonne voll die Seelen,
Im Glanz, der hell hervor aus jeder brach.
Bedenke, Leser, wollt ich dir verhehlen,
Was ich noch sah, und schweigend von dir gehn,
Wie würde dich der Durst nach Wissen quälen?
Du wirst daraus wohl durch dich selbst verstehn,
Wie ich ihr Los mich sehnte zu erfahren,
Sobald mein Aug in ihren Glanz gesehn.
"Begnadigter, dem hier sich offenbaren
Des ewigen Triumphes Thron, eh dort
Du noch verlassen hast der Krieger Scharen,
Wir sind entglüht vom Licht, das fort und fort
Den Himmel füllt—drum, wünschest du Erklärung,
So sättige nach Wunsch dich unser Wort."
Ein frommer Geist verhieß mir so Gewährung,
Beatrix drauf: "Sprich, sprich und glaub ihm fest,
So fest, als war es göttliche Belehrung."
"Ich sehe, würdger Geist, du hast dein Nest
Im eignen Licht, das, wie du lächelst, immer
Mit hellerm Glanz dein Auge strahlen läßt,
Doch wer bist du? Was ward der schwache Flimmer
Der niedern Sphäre dir zum Sitz gewährt,
Die uns umschleiert wird durch fremden Schimmer?"
So sprach ich, jenem Lichte zugekehrt,
Das erst gesprochen hatt, und sahs in Wogen
Von Strahlen drum weit mehr als erst verklärt.
Denn gleichwie Sol, von dichtem, Dunst umzogen,
In zu gewaltgen Glanz sich selber hüllt,
Wenn Glut der Nebel Schleier weggesogen,
So barg sich jetzt, von größrer Lust erfüllt,
Die heilige Gestalt im Strahlenringe,
Und sie entgegnete mir, so verhüllt,
Das, was ich bald im nächsten Sange singe.

Sechster Gesang

"Nachdem der Kaiser Konstantin, entgegen
Der Himmelsbahn, gewendet jenen Aar,
Der einst ihr folgt auf des Äneas Wegen,
Da sah man mehr als schon zweihundert Jahr
Zeus Vogel an Europens Rand verbringen,
Nah dem Gebirg, dem er entflogen war.
Beherrschend unterm Schatten heilger Schwingen
Von dort die Welt, ging er von Hand zu Hand,
Bis ihm beim Wechsel meine Hand empfingen.
Cäsar war ich, Justinian genannt,
Der, nach der ersten heilgen Liebe Walten,
Unmaß und Leeres ins Gesetz gebannt.
Und eh ichs unternahm, dies zu gestalten,
Lebt ich zufrieden in dem Wahne fort,
Ein Wesen sei in Christo nur enthalten.
Doch Agapet, der höchste Hirt und Hort,
Er lenkte mich zurück zum Echten, Wahren,
Zum rechten Glauben durch sein heilig Wort.
Ich glaubt ihm und bin jetzt ob des im klaren,
Was er mir sagt—und du auch wirst nun sehn,
Daß Wahr und Falsch im Gegensatz sich paaren.
Kaum fing ich an, der Kirche nachzugehn,
So flößt es Gott mir ein, mich aufzuraffen,
Und nur dem hohen Werke vorzustehn.
Dem Belisar vertraut ich meine Waffen,
Und ihm verband des Himmels Rechte sich
Zum Zeichen mir, ich soll in Ruhe schaffen.
Befriedigt hab ich nun im ersten dich,
Was du gefragt; allein die Art der Frage
Verbindet noch zu einem Zusatz mich,
Damit du sehst, welch Unrecht jeder trage,
Der dieses hehren, heilgen Zeichens Macht
An sich zu ziehn und ihr zu trotzen wage.
Du siehst die Kraft, dies wert der Ehrfurcht macht,
Seit seiner Herrschaft Pallas, überwunden,
Sein Leben selbst zum Opfer dargebracht;
Weißt, daß es drauf den Aufenthalt gefunden,
Dreihundert Jahr und mehr in Albas Aun,
Bis drei und drei dafür den Kampf bestunden;
Weißt, was vom Raube der Sabinerfraun
Es tat bis zu Lukreziens Schmerz, durch sieben,
Die ringsumher besiegt die Nachbargaun.
Weißt, wie es Brennus, Pyrrhus auch vertrieben,
Getragen vor der wackern Römer Schar
Und siegreich noch in manchem Kampf geblieben;
Drob Quinctius, benannt vom wirren Haar,
Drob auch Torquatus, Decier, Fabier glänzen
In freudgem Ruhme durch den heilgen Aar.
Er schlug der Libyer Stolz, die, Welschlands Grenzen
Einst Hannibal verführt, zu überziehn,
Wo Alpen deinen Quell, o Po, umkränzen.
Ein Jüngling noch, hob Scipio sich durch ihn.
Pompejus auch, zu des Triumphes Ehren,
Der bitter deinem Vaterlande schien.
Dann, nah der Zeit, in der die Welt verklären
Der Himmel wollt in seinem eignen Schein,
Nahm Julius Cäsar ihn auf Roms Begehren.
Was er dann tat vom Varus bis zum Rhein,
Jser und Seine sahns, es sahns, bezwungen,
Die Tale, die der Rhon ihr Wasser Ieihn.
Wie er den Rubikon dann übersprungen,
Was er dann tat, das war von solchem Flug,
Daß Zung und Feder nie sich nachgeschwungen.
Nach Spanien lenkt er dann den Siegerzug,
Dann nach Durazz und traf Pharsaliens Auen
So, daß man Leid am heißen Nile trug.
Sah wieder dann den Simois, die Gauen,
Von wo er kam, wo Hektor ruht und schwang
Sich auf dann, zu des Ptolemäus Grauen.
Worauf er blitzend hin zum Juba drang;
Dann sah man ihn die Flügel westwärts schlagen,
Wo ihm Pompejus Kriegsdrommet erklang.
Was er mit dem tat, der ihn dann getragen,
Bellt Brutus, Cafsius noch in ewger Not,
Sagt Modena, Perugia noch mit Klagen.
Kleopatra beweints noch, die, bedroht
Von seinem Zorn, entfloh und an die Brüste
Die Schlange nahm zu schnellem, schwarzem Tod.
Mit diesem eilt er bis zur roten Küste,
Mit diesem schloß er fest des Janus Tor,
Weil Fried und Ruh den ganzen Erdball küßte.
Doch was der Adler je getan zuvor,
Und was noch drauf getan dies hohe Zeichen,
Das Gott zur Herrschaft irdschen Reichs erkor,
Muß dem gering erscheinen und erbleichen,
Ders in der Hand des dritten Cäsar schaut
Mit klarem Blick, dem Wahn und Irrtum weichen.
Denn die Gerechtigkeit, die jeden Laut
Mir einhaucht, hat ihn, ihren Zorn zu rächen.
Der Hand des, den ich dir benannt, vertraut.
Jetzt staun ob dessen, was ich werde sprechen:
Er nahm, begleitend dann des Titus Bahn,
Rach an der Rache für ein alt Verbrechen.
Und als darauf der Langobarden Zahn
Die Kirche biß, sah unter seinen Schwingen
Man Karl den Großen ihr mit Hilfe nahn.
Nun siehst du selbst, wie jene sich vergingen,
Von denen ich, sie hart anklagend, sprach,
Die über euch all euer Übel bringen.
Der trachtet selbst dem Reicheszeichen nach,
Der will es durch die Lilien überwinden,
Und schwer zu sagen ist, wer mehr verbrach.
Der Ghibellin mög andres Zeichen finden,
Denn schlechte Folger sind dem heilgen Aar,
Die standhaft nicht das Recht und ihn verbinden.
Der neue Karl mit seiner Guelfenschar,
Nicht trotz er ihm, der wohl schon stärkerm Leuen
Das Vlies abzog mit seinem Klauenpaar.
Oft muß der Sohn des Vaters Fehl bereuen.
Nicht glaub er seine Lilien Gott so lieb,
Um ihrethalb sein Zeichen zu erneuen—
Der kleine Stern, der fern und dämmernd blieb,
Ist Wohnsitz derer, die zum tätgen Leben
Der Durst allein nach Ruf und Ehre trieb.
Und wenn so falsch gelenkt die Wünsche streben,
So muß sich wohl der wahren Liebe Licht
Mit minderm Glanz zum rechten Ziel erheben.
Doch wägen wir dann des Verdiensts Gewicht
Mit dem des Lohns, so wird uns Wonn und Frieden,
Weil eins dem andern so genau entspricht.
Dann stellt uns die Gerechtigkeit zufrieden
Und sichert uns vor jedem sündgen Hang,
Denn glücklich macht uns das, was uns beschieden.
Verschiedne Tön erzeugen süßen Klang;
So bilden hier die Harmonie der Sphären
Die lichten Kreise von verschiednem Rang.
Du siehst in dieser Perle sich verklären
Romeos Licht, mußt auch sein schönes Tun
Auf Erden des verdienten Lohns entbehren.
Allein die Pprovenzalen lachen nun
Nicht ihres Grolls, denn solche nahn dem Falle,
Die sich in andrer Guttat Schaden tun.
Vier Töchter hatt, und Königinnen alle,
Graf Raimund, und Romeo tat ihm dies,
Der niedre Fremd in stolzer Fürstenhalle.
Und jener folgt, als ihm die Scheelsucht hieß,
Dem Biedermanne Rechnung anzusinnen,
Der acht und vier für zehn ihm überwies.
Arm und veraltet ging er dann von hinnen;
Und wußte man, mit welchem Herzen er
fortzog, sein Brot als Bettler zu gewinnen,
Man preist ihn hoch und pries ihn dann noch mehr.

Siebenter Gesang

Hosianna dir, du Gott der Macht und Wahrheit,
Dir, der du hier der selgen Flammen Glanz
Reich überströmst mit Fülle deiner Klarheit!"
So schien, zurückgewandt zu ihrem Tanz,
Die Seel im Lied den höchsten Herrn zu feiern,
Umringt ihr Licht von neuem Strahlenkranz.
Den Reigen sah ich alle nun erneuern,
Und Funken gleich, die durch die Lüfte fliehn,
Von plötzlicher Entfernung sie verschleiern.
Ich zweifelte. "Sprich, sprich, zur Herrin," schien
Mein Herz zu sprechen bei des Mundes Schweigen,
"Die stets dir Lab in süßem Tau verliehn."
Allein die Ehrfurcht, der ich immer eigen
Als Sklav war, wo nur be nd ice klang,
Ließ, gleich dem Schläfrigen, das Haupt mich neigen.
Sie aber duldete mich so nicht lang;
In Lächeln strahlte mir das hohe Wesen,
Das Feuerpein umschüf in Wonnedrang.
Sie sprach: "Ich hab in deiner Brust gelesen,
Wie ist—dies ists, was dir im Haupte kreist—
Gerechter Rache Züchtgung Recht gewesen.
Doch bald entwirren will ich deinen Geist,
Damit du, wenn dein Sinn sich mir erschlossen,
Um eine große Wahrheit reicher seist.
Der Mensch, der nicht geboren ward, verdrossen,
Zu dulden, sich zum Heil, des Willens Zaum,
Verdammte sich und mit sich seine Sprossen;
Drob das Geschlecht in Wahn und falschem Traum
Viel hundert Jahre krank lag, matt und trübe,
Bis sich das Wort geneigt zum niedern Raum,
Wos der Natur, die sich im irren Triebe
Vom Schöpfer abgekehrt, sich ganz verband,
Bloß durch das Walten seiner ewgen Liebe.
Scharf sei dein Blick jetzt auf mein Wort gespannt.
Diese Natur, dem Schöpfer hingegeben
Und ihm vereint, war rein, wie sie entstand.
Doch durch sie selbst war sie für falsches Streben
Vom Paradies verbannt, weil sie die Bahn
Verlassen, wo nur Wahrheit ist und Leben.
Drum ward die Strafe, durch das Kreuz empfahn,
Mit größerm Recht, als jemals irgendeine,
Der angenommenen Natur getan.
So war die Straf auch ungerecht wie keine,
In Hinsicht des, der sie erlitten hat,
Mit der Natur, der irdschen, im Vereine.
Verschieden war die Wirkung einer Tat.
Gott und den Juden mußt ein Tod gefallen,
Drob Erd erbebt und Himmel auf sich tat.
Schwer wird dirs nicht mehr zu begreifen fallen,
Wenn man von dem gerechten Richter spricht,
Des Rach auf rechte Rache schwer gefallen.
Doch deinen Geist, gleich einem Netz, umflicht
Gedank itzt und Gedank in engem Kreise,
Aus dem er sehnlich Lösung sich verspricht.
Der Rache Recht war klar in dem Beweise,
Denkst du; doch weshalb wählt in seiner Macht
Gott zur Erlösung ebendiese Weise?
Der Schluß, mein Bruder, birgt sich dem in Nacht,
Dem nicht, wenn hell der Liebe Flammen brennen,
Die Glut den Geist zur Mündigkeit gebracht.
Vernimm deshalb, weil wenig zu erkennen,
Wo viel der Blick umsonst sich spähend müht,
Warum die Art die würdigste zu nennen.
Die ewge Gut, in sich nie zornentglüht,
Zeigt, wenn im All sich ihre Schönheit spiegelt,
Wie sie die Funken eigner Glut versprüht.
Was ihr unmittelbar entströmt—verriegelt
Ist dem des Todes Tür, und fest und treu
Ist das Gepräge, wenn sie selber siegelt.
Was ihr unmittelbar entströmt, ist frei,
Ist völlig frei, und deshalb wohnt dem Neuen
Die Kraft nicht, es zu unterjochen, bei.
Je mehrs ihr gleicht, je mehr muß sies erfreuen,
Drum will die heilge Glut, das Licht der Welt,
Aufs ähnlichste den hellsten Schimmer streuen.
In allem dem ist hoch der Mensch gestellt,
Der aber, wenn nur eins ihm fehlt, entweihet,
Mit Schmach herab von seinem Adel fällt.
Die Sünd allein ist das, was ihn entfreiet.
Unähnlich macht sie ihn dem höchsten Gut,
Das wenig drum von seinem Glanz ihm leihet.
Nie kehrt zurück ihm seine Würde, tut
Er dem nicht Gnüge durch gerechte Leiden,
Was er gefehlt in sündger Lüste Glut.
Eure Natur, die in den ersten beiden
Ganz sündigte, ward, wie der Würd entsetzt,
So auch verdammt, das Paradies zu meiden.
Und Möglichkeit, dahin zurückversetzt
Dereinst zu sein, gabs nur auf zweien Pfaden,
Wenn scharf dein Geist der Dinge Wesen schätzt:
Entweder Gott verzieh allein aus Gnaden,
Oder es mußte sich, der ihn gekränkt,
Der Mensch, gnugtuend, selbst der Schuld entladen.
Dein Blick sei in den Abgrund jetzt versenkt
Des ewgen Rates, und mit ernstem Schweigen
Sei ganz dein Geist nach meinem Wort gelenkt.
Gnugtuung konnte nie der Mensch erzeigen,
Und, eng beschränkt, so tief nicht niedergehn,
Gehorchend, nicht sich so in Demut neigen,
Als, ungehorsam, er sich wollt erhöhn;
Drum könnt er nie sich von der Schuld befreien,
Genugtuung nicht durch ihn selbst geschehn.
Drum wählt, ihn neu zum Leben einzuweihen,
Gott, so gerecht wie gnädig, seinen Pfad
Und führt auf diesem ihn, vielmehr auf zweien.
Doch weil so werter ist des Täters Tat,
Je heller strahlt die Gut in dem Gemüte,
In dem die Handlung ihre sQuelle hat,
Hat, die die Welt gestaltet, Gottes Güte,
Auf jedem Wege, der ihr offen lag,
Euch neu erhöht zu eurer ersten Blüte.
Und zwischen letzter Nacht und erstem Tag
Ist nie so Hohes, Herrliches gediehen
Für sie und euch, was er auch schaffen mag.
Freigebger wars, daß Gott sich selbst verliehen,
Drob zu erstehn der Mensch genügend ward,
Als hätt er ihm nur aus sich selbst verziehen,
Karg war erfüllt in jeder andern Art
Das Recht, wenn Gottes Sohn um euretwillen
Nicht demutsvoll dem Fleische sich gepaart.
Jetzt, um noch besser deinen Wunsch zu stillen,
Und daß du sehst, gleich mir, das volle Licht,
Will ich noch eins dir deutlicher enthüllen.
Ich sehe Feuer, sehe Luft—so spricht
Dein Zweifel—Wasser, Erd, in mannigfachen
Vermischungen, und alle dauern nicht.
Geschöpfe sind ja alle diese Sachen;
Und sollte dies, wenn ich dich recht verstand,
Sie nicht vor der Verderbnis sicher machen?
Die Engel, Bruder, und dies reine Land,
Sie dürfen wohl sich für erschaffen halten,
Weil, wie sie sind, ihr volles Sein entstand.
Doch alles, was die Element entfalten,
Die Elemente selbst, sie läßt allein
Der Höchste durch geschaffne Kraft gestalten.
Geschaffen ward ihr Stoff, ihr erstes Sein,
Geschaffen ward die Bildungskraft dem Tanze
Der Sterne, die um eure Welt sich reihn.
Die Seele jedes Tiers und jeder Pflanze
Zielet nach verschiedner Bildungsfähigkeit
Regung und Licht aus ihrem heilgen Glanze.
Allein der höchsten Güte Hauch verleiht
Unmittelbar uns selber unser Leben
Und Liebe, die dann ihr sich sehnend weiht.
Wie aus der Gruft die Leiber sich erheben,
Erkennst du, wenn du denkest, wessen Ruf
Dem Menschenleib sein erstes Sein gegeben,
Als er die beiden ersten Eltern schuf.