Achter Gesang
Die Welt glaubt einst, unselgen Irrtum hegend,
Daß Cypris toller Liebe Glut entflammt,
Im dritten Epizyklus sich bewegend.
Drob nicht zu ihr allein mit Opferamt
Und Weiherufen sich anbetend kehrte
Das alte Volk, im alten Wahn verdammt;
Nein, auch Dionen und Cupiden ehrte,
Als ihre Mutter sie, ihn als das Kind,
Dem Dido ihren Schoß zum Sitz gewährte.
So ward nach ihr, von der mein Sang beginnt,
Der Stern benannt, der, bald der Sonn im Rücken,
Bald ihr im Angesicht liebäugelnd minnt.
Nicht fühlt ich mich in diesen Stern entrücken,
Doch daß ich wirklich drinnen sei, entschied
Der Herrin höhres, schöneres Entzücken.
Und wie man Funken in der Flamme sieht,
Und wie wir Stimmen in der Stimm erkennen,
Die aushält, wenn die andre kommt und flieht;
So sah ich Lichter hier im Lichte brennen,
Und, nach dem Maß des innern Schauns erregt,
So schiens, im Kreis mehr oder minder rennen.
Kein Wind, unsichtbar oder sichtbar, pflegt
So schnell aus kalter Wolk herabzugleiten,
Daß er nicht langsam schien und schwer bewegt
Dem, der die Lichter uns entgegenschreiten
Im Flug gesehn, aus jenem Kreis hervor,
Den hohe Seraphim bewegend leiten.
Und hinter diesen ersten klangs im Chor:
Hosianna! Und seit ich den Ton vernommen,
Sehnt stets nach ihm sich brünstig Herz und Ohr.
Und einen sah ich dann uns näher kommen,
Und er begann allein mit frohem Klang:
"Willfährig sind wir alle, dir zu frommen.
Wir wandeln hin, ein Kreis, ein Schwung, ein Drang,
Uns nie vom Pfad der Himmelsfürsten trennend,
Zu welchem du gejagt in deinem Sang:
Die ihr den dritten Himmel lenkt, erkennend;
Für dich wird uns nicht schwer ein Stillestand,
Für dich in so inbrünstger Liebe brennend."
Als ich zu ihr voll Ehrfurcht mich gewandt,
Und so der Herrin Blick sich ausgesprochen,
Daß ich mich sicher und befriedigt fand,
Schaut ich zum Licht, das mir in sich versprochen
So vieles hatt, und sprach: "Wer bist du, sprich!"
Den Ton vor großer Inbrunst fast gebrochen.
O wie vermehrte, wie verschönte sich
Der frohe Glanz in Mienen und Gebärden
Bei meinem Wort!—Dann sprach er freudiglich:
"Nur kurze Zeit verweilt ich auf der Erden,
Verweilt ich mehr, dann wären viele nicht
Der Übel, die dich noch betreffen werden.
Nur meine Freude birgt dir mein Gesicht,
Nur sie verhüllt mich rings im Strahlenrunde,
So wie den Seidenwurm die Seid umflicht.
Du liebtest mich, und wohl aus gutem Grunde;
Denn lebt ich noch, gewiß dir keimten jetzt
Nicht Blätter nur aus unserm Liebesbunde.
Der linke Strand, den Rhodanus benetzt,
Nachdem er mit der Sargue sich verbündet,
Sah einst im Geist durch mich den Thron besetzt;
So auch Ausoniens Horn, wo, festbegründet,
Bari, Gaëta und Crotona drohn,
Von wo im Meere Verd und Tronto mündet.
Auch schmückte mich des Landes Krone schon,
Das längs durchstreift der Donau Wogenfülle,
Nachdem sie aus Germaniens Gaun entflobn.
Trinacria—bedeckt von schwarzer Hülle
Zwischen Pachino und Pelor, am Schlund
Des Meers, das schäumt bei Eurus Wutgebrülle,
Durch Typhöus nicht, nein, durch den Schwefelgrund
Der Fürsten harrt es noch, der edeln Sprossen
Rudolfs und Karls aus meinem Ehebund,
Wenn schlechte Herrschaft, welche stets verdrossen
Der Unterworfne trägt, zum Mordgeschrei
Nicht in Palermo jeden Mund erschlossen.
Ging Ahnung dessen meinem Bruder bei,
So würd er Kataloniens Bettler jagen,
Damit ihr Geiz kein Sporn zum Aufruhr sei.
Nottuts fürwahr, daß ihm die Freund es sagen,
Wenn ers nicht sieht: daß volle Ladung schon
Sein Nachen hat, und nichts kann weiter tragen.
Er, des freigebgen Vaters karger Sohn,
Braucht Diener, die nicht Gold nur zu gewinnen
Begierig sind, nicht bloß erpicht auf Lohn."—
"Herr, weil ich glaube, daß die Lust hierinnen,
Die deine Rede strömt in meine Brust,
Du, wo die Güter enden und beginnen,
So deutlich schauest, wie sie mir bewußt,
Wird sie mir werter—daß du beim Betrachten
Des Herrn sie schauest, gibt mir neue Lust.
Mach itzt, wie froh mich deine Worte machten,
Mich klar und schaffe noch dem Zweifel Ruh:
Wie süße Saaten bittre Früchte brachten?"
So ich—und er: "Die Wahrheit fasse du,
Und dem. was du gefragt, kehrst du zufrieden,
Wie jetzt den Rücken, dann das Antlitz zu.
Das Gut, das ihren Lauf und ihren Frieden
Den Himmeln gab, hat jedem Stern den Schein
Und eine Kraft, als Vorsehung, beschieden.
Nicht nur der Wesen vorbestimmtes Sein
Hat der durch sich vollkommne Geist erwogen,
Er schließt in sich auch ihre Wohlfahrt ein.
Drum, was nur immer fliegt von diesem Bogen,
Kommt, gleich dem Pfeil, auf vorbestimmtem Gang
Gewiß herab zu seinem Ziel geflogen.
War dieses nicht, dann würd im wirren Drang,
Was diese Himmel irgend wirkend schaffen,
Kein Kunstwerk sein, nein, Graus und Untergang.
Dies kann nicht sein, wenn jene nicht erschlaffen,
Die Geister, lenkend diese Sternenschar,
Der Urgeist auch, der dann sie schlecht erschaffen.
Ist diese Wahrheit nun dir völlig klar?"
Und ich: "Gewiß, ich sehs, Natur bleibt immer
In dem, was nötig ist, unwandelbar;"
Drum er: "Nun sprich, wärs für den Menschen schlimmer,
Wenn er nicht Bürger ward und einsam blieb?"
Ich: "Ja, und weitern Grund begehr ich nimmer!"
"Und wär ein Staat, wenn in verschiednem Trieb
Die Menschen nicht verschieden sind erwiesen?
Nein, wenn die Wahrheit euer Meister schrieb!"
So folgert ich bis jetzt, um hier zu schließen:
"Drum also muß der Menschen Tun hervor
Verschieden aus verschiedner Wurzel Sprießen.
Und Solon sproßt und Xerres so empor,
Also Melchisedek, und der Erfinder,
Der bei dem luftgen Flug den Sohn verlor.
Natur, im Kreislauf, so die Menschenkinder
Wie Wachs ausprägt, übt ihre Kunst und sieht
Auf dies und jenes Haus nicht mehr noch minder.
Dies ists, was Esaus Keim von Jakobs schied,
Drob auch Quirin entsproß so niedrer Lende,
Daß man als Vater ihm den Mars beschied.
Und stets auf der Erzeuger Wegen fände
Man die, so sie erzeugten, nur, wenn nicht
Die Vorsehung des Höchsten überwände.
Was hinter dir war, sieh jetzt im Gesicht;
Doch wie ich dein mich freue, geb ich Kunde
Und dir durch einen Zusatz beßres Licht.
Ist die Natur nicht mit dem Glück im Bunde,
Dann kommt sie übel fort, wie jede Saat,
Die man gesät auf fremdem, falschem Grunde.
Und folgte der Natur des Menschen Pfad,
Suchtet auf ihrem Grund ihr nach dem Rechten,
Dann gab es gute Leut und wackre Tat.
Doch solche, die geboren sind, zu fechten,
Macht ihr zu Priestern wider die Natur
Und macht zu Fürsten die, so predgen möchten,
Und deshalb schweift ihr von der rechten Spur.
Neunter Gesang
Noch sprach dein Karl, als er mich aufgeklärt,
Schöne Clemenza, von den Ränkevollen,
Durch welche schnöden Trug sein Sam erfährt.
Doch sagt er: "Schweig und laß die Jahre rollen!"
Drum sag ich nur, daß eurem Schaden bald
Gerechte Straf und Klage folgen sollen.
Schon war das Leben jener Lichtgestalt
Zur Sonn, in deren Strahl es ganz genesen,
Zum Gut, das allem gnügt, zurückgewallt.
Betrogne Seelen, gottvergeßne Wesen!
Was wendet ihr das Herz von solchem Gut
Und habt nur Eitelkeit zum Ziel erlesen!
Und sieh, ein andres jener Lichter lud
Mich, nahend, ein und zeigte seinen Willen,
Mich zu befriedigen, in hellrer Glut.
Beatrix, die den Blick, den heilgen, stillen,
Auf mich gewandt, wie erst, erlaubte mir,
Durch teure Zustimmung, den Wunsch zu stillen.
Ich sprach: "O gnüge meiner Wißbegier,
Bewähr, o Geist, den Fried und Lust durchdringen,
Daß, was ich denke, widerstrahl in dir."
Das Licht, das ich aus seinem Innern singen
Vorher gehört, sprach, mir noch unbekannt,
Wie der, dens freut, das Gute zu vollbringen:
"Doch im verkehrten schnöden welschen Land
Zwischen der Brenta und der Piave Quelle
Und des Rialto meerumfloßnem Strand,
Dort hat ein niedrer Hügel seine Stelle;
Von ihm herab stürzt eine Fackel sich
Und macht in grausem Brand die Gegend helle.
Aus einer Wurzel sproßten sie und ich.
Ich, einst Cunizza, glänz in diesem Sterne,
Denn seines Schimmers Reiz besiegte mich.
Und meines Schicksals Grund verzeih ich gerne
Mir selber hier, das mir nicht bitter dünkt,
So schwer eur Pöbel dies auch fassen lerne.
Sieh diesen Glanz, der mir am nächsten blinkt
In unserm Kreis, den leuchtenden, den teuern!
Groß blieb sein Ruhm, und, eh er ganz versinkt,
Wird fünfmal das Jahrhundert sich erneuern.
Sieh, wenn das erste Sein ein zweites schenkt,
Soll dies zur Trefflichkeit euch nicht befeuern?
Doch dies ists nicht, woran die Rotte denkt,
Die Tagliamento hier, dort Etsch umfließen,
Die selbst das Unglück nicht zur Reue lenkt.
Doch färbend wird sich Paduas Blut ergießen
Zum Sumpfe, der Vicenzas Mauer wahrt,
Weil die Verstockten sich der Pflicht verschließen.
Und dort, wo sich Tagnan mit Sile paart,
Herrscht einer, hoch die stolze Stirne tragend,
Zu dessen Fang das Netz schon fertig ward.
Schon seh ich Feltre, den Verrat beklagend
Des Hirten, der dort herrscht, an Schändlichkeit,
Was je geführt nach Malta, überragend.
Kein Paß auf Erden ist so hohl und weit,
Um alles Ferrareser Blut zu fassen,
Das zum Geschenk der wackre Pfaff verleiht,
Um als Parteiglied recht sich sehn zu lassen;
Und solcherlei Geschenk wird wohl zum Geist
Und zu des Landes Art und Leben passen.
Von hohen Spiegeln, die ihr Throne heißt,
Glänzt Gott, der Richtende, zu uns hernieder,
Worin als wahr sich, was ich sprach, erweist."
Sie sprachs, von mir gekehrt, und wandte wieder
Sich hin zu ihrem Kreis, wo sie verschwand,
So wie sie kam, beim Klang der Himmelslieder.
Die andre Wonne, mir bereits bekannt,
Ward leuchtender in Mienen und Gebärden,
Wie in der Sonne Blitz der Diamant.
Dort gibt die Wonne Glanz, wie sie auf Erden
Das Lächeln zeugt, indes bei innrer Pein
Die äußern Schatten unten dunkler werden.
"Alles sieht Gott—du siehst in seinen Schein,"
Sprach ich, "und kann in ihn dein Auge dringen,
So muß dir klar sein ganzer Wille fein.
Drum deine Stimme, die im frommen Singen
Den Himmel mit dem Sang der Feuer letzt.
Die sich bekleiden mit sechsfachen Schwingen,
Warum nicht gnügt sie meinen Wünschen jetzt?
Auch ungefragt harrt ich so lang nicht säumend,
War ich in dich, wie du in mich versetzt."—
"Das größte Tal, worin das Wasser schäumend
Sich ausgedehnt," begann des Selgen Wort,
"Außer dem Meere, rings die Erd umsäumend,
Geht zwischen Feindesufern westlich fort,
So weit, daß hier, an seinem letzten Strande,
Gesichtskreis ist, was Mittagsbogen dort.
Ich lebt an dieses großen Tales Rande
Zwischen Ebro und Magra, die, nicht lang,
Trennt Genuas Gebiet vom Tuskerlande.
Fast einen Aufgang hat und Niedergang
Buggéa und die Stadt, der ich entsprossen,
Sie, deren Blut einst warm den Port durchdrang.
Mich hießen Folco meine Zeitgenossen
Und diesen Stern schmückt meine Freudigkeit,
Wie dort sein Licht sich in mein Herz ergossen.
Nicht zu Sichäus und Creusas Leid
Fühlt in sich Dido solche Flammen wogen,
Wie ich einst fühlt in meiner Jugendzeit;
Nicht Phyllis, von Demophoon betrogen;
Und nicht Alcid, nachdem in seine Brust
Eurytos Tochter siegend eingezogen.
Doch fühlt man hier nicht Reue drob, nein Lust,
Ganz die Erinnerung der Schuld verlierend,
Und nur des ewgen Ordners sich bewußt.
Und jene Kunst, die Welten herrlich zierend,
Sehn wir, und sehn zu gutem Zwecke nun
Die obre Welt die untere regierend.
Doch um dem Wunsche ganz genugzutun,
Der dich durchdrungen hat in dieser Sphäre,
Darf ich noch nicht in meiner Rede ruhn.
Du möchtest wissen, wer der Schimmer wäre,
Der nahe hier so strahlt, als ob die Glut
Der Sonn in reinem Wasser sich verkläre.
So wisse, daß darinnen Rahab ruht,
Die hier, in unsern Orden aufgenommen,
Sich kund im höchsten Glanz des Sternes tut.
Vor jedem andern Geist der Höll entrommen,
Ist sie zum Stern, wo sich vom Erdenrund
Der Schatten spitzt, durch Christi Sieg gekommen.
Der Sieg, den er, an beiden Händen wund,
Errungen hat, wird hier von ihr verkündet;
Den Himmeln tut sie, als Trophä, ihn kund,
Weil sie des Josua ersten Ruhm begründet
Durch ihre Hilf in jenem heilgen Land,
Das jetzt der Papst kaum wert der Sorge findet.
Und deine Stadt, die einst durch den entstand,
Des Neid euch alles Mißgeschick bereitet,
Und der zuerst von Gott sich abgewandt,
Sie ists, die das verfluchte Geld verbreitet,
Das einzig, weils zum Wolf den Hirten macht,
Vom rechten Wege Schaf und Lämmer leitet.
Drum wird nicht an die Bibel mehr gedacht,
Doch hat man sehr genau—wars zu verhehlen,
So zeigts der Rand—der Dekretalen Acht.
Drin wird studiert von Papst und Kardinälen
Und Nazareth, wo Gabriel das Wort
Verkündigt hat, wird fremd den geizgen Seelen.
Doch Vatikan, samt jedem heilgen Ort
In Rom, wo Petri Folger einst gepredigt,
Der Märtyrer geweihte Gräber dort,
Bald werden sie des Ehebruchs entledigt.
Zehnter Gesang
Urkraft, der Liebe voll den Sohn beschauend,
Die ihr und ihm allewiglich entweht,
Die Unaussprechliche, das All erbauend,
Schuf, was ihr nur mit Geist und Aug erseht
So ordnungsvoll, daß sie mit Wonneregung
Den ganz durchdringt, der ihre Werk erspäht.
Erheb, o Leser, Blick und Überlegung
Miit mir zum Himmel jetzt, gerad dahin,
Wo sich durchkreuzt die doppelte Bewegung.
Von dort an letz am Kunstwerk deinen Sinn,
Denn selbst der Meister sieht es mit Vergnügen
Und spiegelt liebend seinen Blick darin.
Von dort verteilt sich zu verschiednen Zügen
Der schiefe Kreis, der die Planeten trägt,
Um denen, die sie rufen, zu genügen.
Und war ihr Lauf von dort nicht schief bewegt,
So wäre viele Himmelskraft verschwendet,
Und nichts beinah auf Erden angeregt.
Und war er mehr und minder abgewendet
Vom graden Weg, so blieb auf Erden dort,
Wie hier, die Weltenordnung unvollendet.
Jetzt bleib, o Leser, still auf deinem Ort,
Um dem, was du gekostet, nachzudenken,
Und eh du matt wirst, reißt dich Wonne fort.
Ich gab dir Wein—du magst dich selber tränken,
Denn alle meine Sorgen muß ich nur
Auf jenen Stoff, den ich beschreibe, lenken.
Die Dienerin, die größte, der Natur,
Die sich die Himmelskraft zum Spiegel machte,
Die leuchtend zeigt der Zeiten Maß und Spur.
Vereint dem Orte, dessen ich gedachte,
Sah man in schraubenförmgem Kreis sich drehn,
In dem sie schneller hier die Tage brachte.
Ich war in ihr—allein wie dies geschehn,
Das spürt ich nur, wie wir Gedanken spüren,
Bevor sie noch in unserm Geist entstehn.
Beatrix, die so schnell uns weiß zu führen,
Vom Guten uns zum Bessern einzuweihn,
Daß sich indessen nicht die Stunden rühren,
Wie leuchtend mußte sie von selber sein!
Und was ich drinnen in der Sonne schaute,
Durch Farbe nicht, durch hellen Glanz allein,
Ob ich auf Geist und Kunst und Übung baute,
Nie stellt es doch mein Wort euch deutlich vor,
Drum sehne sich, zu schaun, wer mir vertraute.
Nicht staunt, wenn Phantasie die Kraft verlor,
Daß sie zu solchen Höhn sich schwach erweise;
Kein Blick fliegt über diesen Stern empor.
So war ich nun im vierten Kinderkreise
Des Vaters, der, ihm zeigend, wie er weht,
Und wie er zeugt, ihn nährt mit ewger Speise.
Beatrix sprach: "Dank, Dank sei dein Gebet.
Zur Engelsonne laß ihn sich erheben,
Die dich zu dieser sichtbaren erhöht."
Kein Menschenherz war je mit allem Streben
Zur Andacht noch so freudig hingewandt,
Keins noch so ganz und innig Gott ergeben,
Als ich bei diesem Worte meins empfand,
Das so zu ihm hin all sein Lieben wandte,
Daß in Vergessenheit Beatrix schwand.
Sie zürnte nicht; ihr lächelnd Aug entbrannte
Drob so in Glanz, daß nun mein Geist, der nicht
An andres dacht, itzt andres doch erkannte.
Und sieh, viel siegendes lebendges Licht
Macht uns zum Mittelpunkt und sich zur Krone
Süßer im Sang, als leuchtend im Gesicht.
So schmückt ein Kranz die Tochter der Latone,
Wenn dunstgeschwängert sie die Luft umzieht,
Die widerstrahlt den Streif der lichten Zone.
Am Himmelshof, von dem ich wieder schied,
Gibts viele Schöne, köstliche Juwelen,
Nicht auszuführen aus des Reichs Gebiet.
Dergleichen eins war der Gesang der Seelen;
Doch wer nicht selbst zu jenen Höhn sich schwang.
Der lasse von den Stummen sichs erzählen.
Nachdem dreimal die Sonnen mit Gesang,
Gleich Nachbarsternen, die den Pol umkreisen,
Uns rings umtanzt in Glut und Wonnedrang,
Da schienen sie wie Fraun sich zu erweisen,
Die horchend stehn, noch nicht gelöst vom Tanz,
Bis sie gefaßt das Maß der neuen Weisen.
"Wenn, wahre Lieb entzündend, dir der Glanz
Der Gnade lacht, der sich durch Liebe mehret,"
So sprach ein Licht aus jenem Strahlenkranz,
"Wenn er in dir vervielfacht sich verkläret,
So, daß er dich empor die Stiege lenkt,
Die niemand absteigt, der nicht aufwärts kehret,
So wird der, welcher deinen Durst nicht tränkt
Mit seinem Wein, so wenig Freiheit zeigen,
Als Wasser, das sich nicht zum Meere senkt.
Erfahren möchtest du, von welchen Zweigen
Des Kranzes Blumen sind, der feiernd sich
Um sie schlingt, die dich stärkt, emporzusteigen.
Von Dominiks geweihter Schar war ich,
Der solche Wege leitet seine Herden,
Wo wohl gedeiht, wer nicht dem Wahne wich.
Man hieß mich Thomas von Aquin auf Erden,
Und meines Meisters, meines Bruders Schein,
Albrechts von Köln, sieh rechts hier heller werden
Und willst du aller andern sicher sein,
So folge mit den Augen meinen Worten
Auf diese Blumen, die zum Kranz sich reihn.
Den Gratian sieh wonneflammend dorten;
Dem doppelten Gerichtshof dienend, fand
Er frohen Einlaß an des Himmels Pforten.
Auch jenen Petrus sieh von Lust entbrannt;
Als Scherflein bot er, nach der Witwe Weise,
Der Kirche seinen Schatz mit treuer Hand.
Der fünfte Glanz, der schönste hier im Kreise,
Haucht solche Liebe, daß die ganze Welt
Nach Kunde gierig ist von seinem Preise.
So tiefes Wasser ists, das er enthält,
Daß, ist das Wahre wahr, ihm nie ein zweiter
Als Weiser sich und Seher gleichgestellt.
Sieh neben ihm den leuchtenden Begleiter.
Niemand war je auf Erden noch im Amt
Und der Natur der Engel eingeweihter.
Das kleinre Licht, das dorten lächelnd flammt,
Des Glaubens Anwalt ists, aus des Lateine
In Augustini Schriften manches stammt.
Verfolgend nun mein Lob von Schein zu Scheine
Mit geistgem Blick, erspähst du dürstend jetzt,
Wer in dem achten Lichte dir erscheine.
Jedwedes Gut in sich zu schaun, ergetzt
Die heilge Seele, die den Trug danieden
Dem offen kund tut, der sie hört und schätzt.
Der Leib, von dem sie durch Gewalt geschieden
Liegt in Cieldor, und sie kam aus Gefahr
Und Bann und Märtyrtum zu diesem Frieden.
Bedo und Isidor sieh hell und klar,
Sieh Richard dann die Liebesstrahlen spenden,
Der mehr als Mensch einst im Betrachten war.
Das Licht, von dem zurück zu mir sich wenden
Dein Auge wird, rief, bei der Erde Gram
Tiefsinnig ernst, den Tod, um ihn zu enden.
Sigieri ists, der zu der Toren Scham
Einst im Strohgäßchen las und, streng und trübe,
Durch Folgerung auf bittre Wahrheit kam."—
Dann wie, uns rufend, früh der Uhr Getriebe,
Wenn Gottes Braut aufsteht, das Morgenlied
Singend dem Bräutigam, daß er sie liebe,
Hierhin und dorthin kreisend drängt und zieht
Tini tin! verklingend in so süßem Tone,
Daß frische Lieb in frommen Herzen blüht;
So regte sich die edle Strahlenkrone,
Mit Süßigkeit im himmlischen Gesang,
Die nur begreift, wer dort am Sternenthrone
Die ewig ungetrübte Lust errang.
Elfter Gesang
O menschliche Begier voll Wahn und Trug,
Wie mangelhaft sind doch die Syllogismen,
Die dir herabziehn des Gefieders Flug!
Der ging dem Jus nach, der den Aphorismen;
Der sucht als Priester Ehren und Gewinn;
Der herrschte durch Gewalt, der durch Sophismen;
Der stahl, der hatt ein Staatsamt nur im Sinn;
Der mühte sich, in Fleischeslust befangen,
Und jener gab dem Müßiggang sich hin;
Indes ich, allem diesem Tand entgangen,
Im Himmel oben mit Beatrix war,
So herrlich und so ruhmvoll dort empfangen.
Still stand nun jeder von der selgen Schar
Im Kreis zurückgekehrt zur ersten Stelle,
Und stellte sich, wie Licht auf Leuchtern, dar.
Da schien es mir, aus jenem Schimmer quelle,
Der mich zuerst gesprochen, neuer Laut,
Und lächelnd sprach er dann in reinrer Helle:
"Wie, wenn ins ewge Licht mein Auge schaut,
Mich dieses ganz mit seinem Strahl entzündet,
So ist mir deines Denkens Grund vertraut.
Du zweifelst noch und hörtest gern verkündet
In offnen Worten und verständlich breit,
So, daß sie deine Fassungskraft ergründet,
Was wohl mein obges Wort: Wo wohl gedeiht—
Und dann: Kein zweiter kam ihm gleich—bedeutet.
Und hier ist nötig scharfer Unterscheid.
Die ewge Vorsicht, die das Weltall leitet,
Mit jener Weisheit, die in Tiefen ruht,
Zu welchen kein erschaffnes Auge gleitet,
Damit sich dem Geliebten ihre Glut,
Die Glut der Braut, die er mit lautem Schreie
Sich anvermählt hat durch sein heilges Blut,
Sichrer in sich und ihm getreuer, weihe,
Hat, ihr zur Gunst, zwei Fürsten ihr bestallt.
Und hier und dorten führen sie die zweie.
Der eine war von Seraphsglut umwallt,
Der andre zeigt im Glanz der Cherubinen
Die Weisheit dort im irdschen Aufenthalt.
Von einem sprech ich, weil, wen man von ihnen
Auch preisen mag, man nie vom andern schweigt,
Da beide wirkten, einem Zweck zu dienen.
Beim Bach, der von Ubaldos Hügel steigt,
Und dem Tupino, hebt sich, zwischen beiden,
Ein Berg, des Abhang fruchtbar grün sich neigt.
Von ihm muß Hitz und Frost Perugia leiden,
Und hinter diesem Berg liegt Gualdo dicht,
Und fühlt mit Nocera des Joches Leiden.
Dort, wo sich seines Abhangs jähe bricht,
Dort sah man einer Sonne Glanz entbrennen,
Gleich der am Ganges klar im hellsten Licht.
Nicht möge man den Ort Ascesi nennen,
Denn wenig sagt, wer also ihn benannt;
Nein, was er war, gibt Orient zu erkennen.
Schon als der Glanz nicht fern dem Aufgang stand,
Begann er solche Kraft zu offenbaren,
Daß sich dadurch erquickt die Erde fand.
Denn mit dem Vater stritt er, jung an Jahren,
Für eine Frau, vor der der Freuden Tor
Die Menschen fest, wie vor dem Tod, verwahren,
Bis vor dem geistlichen Gericht und vor
Dem Vater sie zur Gattin er sich wählte
Und täglich lieber hielt, was er beschwor.
Sie, des beraubt, der sich ihr erst vermählte,
Blieb ganz verschmäht mehr als elfhundert Jahr,
Da, bis zu diesem, ihr der Freier fehlte,
Obgleich durch sie Amicias in Gefahr
So sicher ruht, als dessen Stimm erklungen,
Des Mächtgen, der der Erd ein Schrecken war;
Obgleich sie standhaft, kühn und unbezwungen,
Als selbst Maria unten blieb, sich dort,
An Christi Kreuz, zu ihm emporgeschwungen.
Allein nicht mehr in Rätseln red ich fort;
Franziskus und die Armut sieh in ihnen,
Die dir geschildert hat mein breites Wort.
Der Gatten Eintracht, ihre frohen Mienen
Und Lieb und Wunder und der süße Blick
Erweckten heilgen Sinn, wo sie erschienen.
Und solchem Frieden eilte, solchem Glück
Barfuß erst Bernhard nach, der Ehrenwerte,
Und glaubte doch, er bliebe träg zurück.
O neuer Reichtum! Gut von echtem Werte!
Egid, Silvester folgten bald dem Mann
Barfuß, weil hoher Reiz die Frau verklärte.
Der Vater und der Meister ging sodann
Nach Rom mit deiner Frau und mit den Seinen,
Die schon des niedern Strickes Band umspann.
Nicht feig sich beugend sah man ihn erscheinen,
Als Peter Bernardones niedrer Sohn,
Mocht er auch ärmlich und verächtlich scheinen,
Nein, kund tat er vor Innocenzens Thron
Den strengen Plan mit königlicher Würde,
Und der besiegelte die Stiftung schon.
Dann, als die Schar der Armen in der Hürde
Des Hirten wuchs, des Wunderleben hier,
Im Himmelsglanz, man besser singen würde,
Verlieh der frommen heiligen Begier,
Auf Gottes Eingebung, zum Eigentume
Honorius der zweiten Krone Zier.
Dann predigend, aus Durst nach Märtyrtume,
Kühn in des stolzen Sultans Gegenwart,
Von Christi und von seiner Folger Ruhme,
Fand zur Bekehrung er das Volk zu hart,
Drob, da ihm hier sein edles Werk nicht glückte,
Von ihm bebaut Italiens Garten ward.
Und auf Alvernas Felsenböhen drückte
Das letzte Siegel noch ihm Christus ein,
Das dann zwei Jahre seine Glieder schmückte.
Als der, der ihn berufen, aus der Pein
Zur Wonn ihn rief, den Lohn hier zu erwerben,
Daß er sein Knecht war, niedrig, arm und klein,
Empfahl er noch, als seinen rechten Erben,
Den Brüdern seine Frau, ihm lieb und wert,
Zu treuer Lieb im Leben und im Sterben.
Eh ihrem Schoß die Seele, schon verklärt,
Entfloh, heimkehrend zu des Vaters Reiche,
Ward nur die Erd als Sarg von ihm begehrt.
Jetzt denke selbst, wer dem an Würde gleiche,
Der, sein Genoß, durchs Meer führt Petri Kahn,
Daß er auf gradem Weg das Ziel erreiche.
Dies Amt hatt unser Patriarch empfahn,
Und gute Ware trägt auf deiner Reise,
Wer treu ihm folgt auf der befohlnen Bahn.
Doch deine Herd ist jetzt nach neuer Speise
So lüstern, daß sie üppig hüpft und springt
Und sich zerstreut und irrt vom rechten Gleise.
Je weiter hin der Schäflein Herde dringt,
Dem Hirten fern sich irrend zu zerstreuen,
Je minder Milch zum Stalle jedes bringt.
Wohl gibts noch welche, die den Schaden scheuen.
Die folgen, angedrängt dem Hirten, nach,
Doch wenig Tuch gibt Kutten diesen Treuen.
Jetzt aber, war mein Wort nicht trüb und schwach,
Verblieb dein Ohr, aufmerksam meinen Lehren,
Rufst du zurück dem Geiste, was ich sprach,
Dann wirds Befriedgung deinem Wunsch gewähren,
Dann zeigt der Baum, von dem ich pflückte, sich,
Und meines Tadels Grund wird sich erklären:
Wo wohl gedeiht, wer nicht dem Wahne wich."
Zwölfter Gesang
Sobald mir nur das letzte Wort erschollen,
Das aus der selgen Himmelsflamme drang,
Begann die heilge Mühl im Kreis zu rollen.
Doch eh sie rundherum sich völlig schwang,
War sie umringt von einem zweiten Kranze,
Eingreifend Tanz in Tanz und Sang in Sang;
Sang, hold verhaucht bei diesem Strahlentanze,
Dem unsrer Musen und Sirenen Lied
So weicht, wie Widerschein dem ersten Glanze.
Wie auf Gewölk, das leicht das Blau umsieht,
Man zwei gleichfarbge, gleichgespannte Bogen,
Wenn Juno ihrer Magd befiehlt, ersieht,
Erzeugt vom innern der, der ihm umzogen—
Der Rede jener gleich, die Liebesglut,
Wie Sonnenglut die Dünste, weggesogen—
Die Bogen, die nach allgemeiner Flut
Der Herr dem Noah zeigte, zum Beweise
Des Bunds, durch den die Erde sicher ruht;—
So drehte jetzt um uns sich gleicherweise
Der ewgen Rosen schöner Doppelkranz,
So glich der äußere dem innern Kreise.
Und als zuletzt der festlich frohe Tanz,
Die Lust des Sangs, der lichten Flammen schweben,
Das Spiegeln einer in der andern Glanz,
Still ward in einem Nu, mit gleichem Streben,
Wie sich die Augen, wenn es dem gefällt,
Der sie bewegt, verschließen und erheben;
Klang aus dem Kreis, von neuem Licht erhellt,
Ein Laut, nach dem ich mich so eilig kehrte,
Wie der Magnet nach seinem Sterne schnellt.
Er sprach: Die Liebe, die mich schön verklärte,
Ists, die vom zweiten Hort mich sprechen heißt,
Durch den man hier so hoch den meinen ehrte.
Vom andern spreche, wer den einen preist,
Zusammen glänzt ihr Ruhm, so wie sie stritten
Für einen Zweck und mit gleich tapferm Geist.
Des Heilands Heer, für welches schwer gelitten,
Ders neu bewehrt, zog zweifelnd und voll Leid
Der Fahne nach, schwach und mit trägen Schritten,
Als er, der herrscht in Zeit und Ewigkeit,
Den Kriegern half, die hart gefährdet waren,
Aus Gnad und nicht ob ihrer Würdigkeit;
Und, wie gesagt, um seine Braut zu wahren.
Zwei Kämpfer rief, durch deren Wort und Tat
Gesammelt wurden die zerstreuten Scharen.
Woher der Zephir haucht, um am Gestad
In Tal und Au die Knospen froh zu schwellen,
Wenn sich der Lenz im Schmuck Europen naht,
Dort, nah dem Strand, wo hochgetürmte Wellen
Weit hergewälzt, von Sturmeswut bekriegt,
Dem Sonnenstrahl sich oft entgegenstellen,
Dort ist der Platz, wo Callaroga liegt,
Beschützt und wohlgedeckt vom großen Schilde,
Auf dem der Leu obsiegt und unterliegt.
Dort ward erzeugt im glücklichen Gefilde
Der Glaubenstreue Buhle, der Athlet,
Dem Feind ein Graus, den Seinigen voll Milde.
Dem Geist, erschaffen kaum, ward zugeweht
Vom höchsten Geiste Kraft und hohe Gabe,
Und ungeboren war er schon Propbet.
Als mit der Glaubenstreue drauf der Knabe
Verlöbnis hielt, vom heilgen Quell benetzt,
Wo gegenseitges Heil die Morgengabe,
Da ward die Zeugin, die Sein Ja! ersetzt,
Schon von der Wunderfrucht, die ihm entsprieße,
Und seiner Schul, im Traumgesicht ergetzt.
Und daß sich, was er war, erkennen ließe,
Gebot ein Geist, vom Himmel hergesandt,
Daß man nach ihm, der ihn besaß, ihn hieße.
Dominikus ward er darum benannt,
Der Gärtner, welchen als Gehilfen Christus
Für seinen Garten wählt und sich verband.
Wohl schien er Bot und treuer Knecht von Christus,
Wie das, was er zuerst geliebt, bezeugt,
Denn er vollzog den ersten Rat von Christus.
Wohl fand ihn öfters die, so ihn gesäugt,
Am Boden liegend, wach, in tiefem Schweigen,
Als spräch er aus: Hierzu bin ich gezeugt.
O du, sein Vater, Felix wahr und eigen!
O Mutter, wahrhaft als Johann erblüht,
Wenn wir bis zu des Namens Wurzel steigen!
Nicht für die Welt, für die man jetzt sich müht,
Nach des von Ostia, des Thaddäus Lehren,
Nein, fürs wahrhafte Manna nur entglüht,
Sollt er als Lehrer bald sich groß bewähren,
Den Weinberg pflegend, der bald Unkraut trägt,
Wenn nicht des Winzers Hand ihm emsig wehren.
Vom Stuhl, der einst die Armen mild gehegt—
Einst, nicht durch Schuld des Stuhls—durch dessen Sünden
Der sitzt, und aus der Art der Väter schlägt,
Erbat er Zehnten nicht, noch fette Pfründen,
Erlaubnis nicht, Ablaß und Heil für Geld,
Um drei und vier für zehen, zu verkünden;
Nein die, zu kämpfen mit der irren Welt,
Durch jenen Samen, dem die Bäum entspringen,
Die, zweimal zwölf, sich um dich her gestellt,
Die Pflichten des Apostels zu vollbringen,
Strebt auf sein Will und seine Wissenschaft,
Gleich Strömen, die aus tiefer Ader Springen.
Und ihre Wellen stürzten grausenhaft
Auf ketzerisch Gestrüpp, es auszubrechen,
Und mit dem Widerstand wuchs ihre Kraft.
Er gab darauf den Ursprung manchen Bächen,
Die hinziehn durch der Kirche Gartenland,
Drob ihre Bäume schönre Frucht versprechen—
Wenn so ein Rad des Kriegeswagens stand,
Auf dem den Kampf die heilge Kirche wagte,
Als sie die innern Meutrer überwand,
So muß dir jetzt, wie hoch das andre ragte
An Trefflichkeit, vollkommen deutlich sein,
Und was von ihm dir Thomas Gutes sagte.
Allein das Gleis hält jetzo niemand ein,
Das in den Grund der Schwung des Rades prägte,
Und Essig wird, was vormals süßer Wein.
Die Schar, die seiner Spur zu folgen pflegte,
Hat jetzt der Füße Stellung ganz gewandt
Und geht zurück, wo er sich vorbewegte.
Wie schlecht die Saat ist, wird euch bald bekannt,
Denn bei der Ernte wird das Korn erlesen
Und eingescheuert, doch der Lolch verbrannt.
Zwar, will man Blatt für Blatt das Buch durchlesen,
Das unsre Namen zeigt, so sagt ein Blatt
Noch hier und dort: Ich bin, was ich gewesen.
Doch nicht Casal, noch Aquasparta hat
Dergleichen Glieder unsrer Schar gegeben,
Da der zu streng ist, der zu schlaff und matt.
Jetzt wiss, ich bin Buonaventuras Leben,
Von Bagnoregio, und gering erschien
Beim großen Amt mir jedes andre Streben.
Hier sind Jlluminat und Augustin,
Zwei von den ersten barfußarmen Scharen,
Die durch den Strick in Gottes Huld gediehn.
Hier sind der von Sankt Viktor zu gewahren,
Und Mangiador, der Spanier Peter dann,
Des Ruhm der Welt zwölf Bücher offenbaren.
Nathan der Seher, Erzbischof Johann,
Anselm, Donat, der sich dem Werke weihte,
Des sich die erste Kunst berühren kann.
Ruban ist hier; und solchen Brüdern reihte
Sich dieser an, begabt mit Sehergeist
Abt Joachim, helleuchtend mir zur Seite.
Wenn solchen Kämpfer meine Rede preist,
So ists des Thomas liebentflammte Weise,
Die mit sich fort auch meine Rede reißt,
Und mit mir fortzieht all in diesem Kreise.