Am Nachmittage dieses Tages schrieb er einen langen Brief an den König. Aber hier durfte er kaum Verzeihung hoffen. Er schrieb ihm, wenn ihm ein natürlicher Sohn geboren würde, diesem seinen Namen geben zu wollen; er sei der Letzte seines Geschlechtes: es läge eine Art Berechtigung in seiner Bitte.

Am Abend wurde es stürmisch. Der Staller ging nicht zur Ruhe. Wie in tödlicher Angst bestieg er öfter den dicken steinernen Turm seines Hauses. Er fand keine Ruhe, die er sonst gefunden, je stärker der Wind ihn umsauste und zerzauste.

Als er gegen Morgen, es war eine kalte Märznacht gewesen, noch einmal den Turm bestieg, bemerkte er im Norden der Insel einen ungeheuern Feuerschein. Er überzeugte sich bald, daß dieser von der Hallig Buphever, die durch einen breiten Meeresarm von Schmerhörn getrennt war, herüberleuchtete. Es mußten dort mehrere Werften brennen.

Plötzlich zitterte er am ganzen Körper, er legte die Stirn gegen den Wind, er schien zu suchen, und er hatte gefunden. Ruhig stieg er in sein Arbeitszimmer hinab und kleidete sich zum Weggehen an. In diesem Augenblick wurde es im Hofe lebendig: der Feuerschein war auch von der Dienerschaft bemerkt worden.

Beim Weggehen befahl er seinen Leuten, ihn nicht zu begleiten. Der Wind, geradeaus von Norden kommend, packte ihn; doch er, sich ihm entgegenstemmend, kämpfte vorwärts. Sein Ziel war das Fährhaus, wo in einem eingebognen Teil des Steindeiches ein kleiner Hafen lag, in dem die Bote ruhten, die den Verkehr mit Buphever vermittelten.

Nun stand er auf der Krone des Deiches, ein Turm im Wetter. Seine Blicke waren nach Süden gerichtet, wo er das Häuschen sah, in dem Silk wohnte. Eine unbezähmbare Sehnsucht, zu ihr zu eilen, überkam ihn. Aber er bezwang sich. Mit einem tieftraurigen Blick schied er und stieg hinunter, dem Fährhause zu.

Niemals erlaubt die Welt das Glück, das Greggert Meinstorff kurze Zeit besessen hatte.

Am kleinen Hafen war es lebendig. Schiffer, Fischer und alles, was schwielige Fäuste hatte, war damit beschäftigt, die heftig hin und her schaukelnden Bote mit soviel Tauwerk, als sie erlangen konnten, an Ringen und Bohlen zu befestigen. Die wahnsinnig gewordene See erlaubte nicht, daß auch nur der Versuch gemacht werde, den Buphevenern von Schmerhörn zu Hilfe zu kommen.

In diesem Augenblick traf der Staller im Hafen ein. Er rief einige Leute zu sich heran, um mit ihnen über das Feuer zu sprechen. Plötzlich verlangte er ein Bot: er wolle allein hinüber; keiner solle ihn begleiten. Alle beschworen ihn, von dem tollkühnen Gedanken abzulassen. Allein er, den ihn umringenden Kreis durchbrechend, schritt mit hastigen Schritten auf eins der Bote zu. Die Anwesenden halfen ihm beim Einsteigen, beim Segelaufsetzen, und bei allen jenen kleinen Handgriffen, die beim Flottmachen eines Fahrzeuges nötig sind.

Los! schrie der Staller. Und in schiefer Lage, mit Nordnordwest im Segel, schoß das Bot hinaus. Mit vorgebeugten Leibern, mit starren Gesichtern schauten ihm die Zurückgebliebenen nach – nur zwei Minuten. Der Nachen war gekentert, und eine schwarze Masse, die sich mehr und mehr vom Kiel entfernte, bald auftauchend, bald verschwindend, trieb in die See. Doch nicht zu weit. Die Ebbe war im letzten Fallen. Der Körper Seiner Exzellenz lag in Sand und Schlick und Schlamm auf den Watten. Schon umkreiste ihn die Raubmöwe, den Kopf mit dem furchtbaren Schnabel prüfend über ihn gierend.