Als er in das Haus trat, kam ein Dienstmädchen und wies ihn in eine kleine Altenteilerstube, die er sonst noch nicht betreten hatte. Hier trug sie ihm schnell und scheu das Essen auf. Sonst hatte er hier, wie in allen Häusern, mit der Familie am Tisch die Mahlzeit eingenommen. Er begann zu essen. Aber er brachte nur mit äußerster Anstrengung ein wenig hinunter. Als er sich eine Zeitlang gequält hatte, nahm er ein Stück Fleisch und einige Kartoffeln, wickelte sie in Papier und steckte sie in die Tasche. Er wollte den Leuten nicht verraten, wie dieser Morgen ihn mitgenommen hatte. Aus demselben Grunde setzte er die Füße hart auf und schlug die Türen kräftig zu, als er das Haus verließ. Auf dem Hofe sah er sich einmal um. Aus den Fenstern blickten ihm feindselige Gesichter nach.

Auf der Dorfstraße sah er in der Ferne Clas Mattens daher kommen. Er freute sich, diesen zu treffen und ihm gegenüber sein Verhalten rechtfertigen zu können. Dieser konnte vielleicht dann auch die anderen wieder zur Vernunft bringen. Aber kurz bevor sie einander begegnen mußten, bog der Bauer auf ein Gehöft ab. Und als Peter vorbei war und sich umblickte, sah er, daß jener das nur getan hatte, um eine Begegnung zu vermeiden. Jetzt ging er schon seines Weges auf der Dorfstraße weiter.

Den ganzen Nachmittag wurde er von widerstreitenden Gedanken hin- und hergeworfen. Bald lobte er sich, daß er den Bubenstreich so gründlich geahndet hatte. Bald wieder machte er sich schreckliche Vorwürfe, weil er sich so vergessen hatte. Bald glaubte er, in einem heiligen, gerechten Mannesstolz aufgelodert zu sein. Und dann wieder schämte er sich tief vor sich selbst. Bald hob er den Kopf, als ob er Kraft in sich fühlte, der ganzen Welt zu trotzen, um darauf wieder den Tod herbeizuwünschen, der ihn aus dem Kampf entrücken sollte. Ein wie trotziges, und denn doch wieder bis zum Äußersten verzagtes Ding das Menschenherz ist, das erfuhr er in diesen Stunden gründlich.

Am Abend kam der Knecht des Gemeindevorstehers und brachte ihm einen Brief. Dieser enthielt die kurze Aufforderung des Superintendenten, am nächsten Morgen um acht Uhr vor ihm zu erscheinen.

Peter schlief die Nacht über leidlich, fühlte sich am andern Morgen erquickt und war geneigt, seine Sache als eine Kleinigkeit anzusehen. Auch die Wanderung durch die frische Morgenluft tat ihm wohl, und als er bei der Wohnung seines Vorgesetzten anlangte, fand er beinahe Freude daran, sich vor diesem zu verantworten.

Als er in seine Studierstube trat und ihm wie gewöhnlich die Hand zur Begrüßung reichen wollte, wurde er durch eine Handbewegung und durch ein kurzes »Setzen Sie sich« auf einen Stuhl verwiesen.

»Ich habe Sie in einer sehr unangenehmen Sache herzitieren müssen,« begann der Superintendent, nachdem er seine Pfeife in die Ecke gestellt hatte. »Es waren einige Hausväter Ihres Dorfes bei mir, um im Namen der ganzen Schulgemeinde Beschwerde über Sie zu führen. Sie wissen wohl warum.«

»Jawohl,« sagte Peter klar und bestimmt, »weil ich ihren sauberen Jungens die Prügel gegeben habe, die sie doppelt und dreifach verdient hatten. Haben meine Verkläger das auch gesagt?«

»Ich habe natürlich den Ursachen der Züchtigung nachgeforscht, und da sind sie damit herausgekommen. Die Männer geben selbst zu, daß es eine Dummheit von den Kindern war.«

»Eine Dummheit? Ich meine, eine Bosheit.«