»Das habe ich tausendmal gehört, und bin damit nichts klüger als vorher.«
»Lieber Herr Lehrer, ich weiß von meiner Lina, daß Sie unseren Herrn nicht verachten, daß Sie ihn auch liebhaben. Nun, der hat gesagt: Philippe, wer mich siehet, der siehet den Vater.«
»Aber wie macht man's denn, daß man in ihm den Vater sieht?«
»Das muß Gott uns blinden Menschen offenbaren. Niemand kennet den Vater denn nur der Sohn, und wem es der Sohn will offenbaren. Und niemand kennet den Sohn denn nur der Vater, und wem es der Vater will offenbaren.«
»Ja, so jagt ihr uns ewig im Kreise herum, ihr klugen Schriftgelehrten ...«
»Wissen Sie was, Herr Lehrer? Ich freue mich herzlich, daß Sie in diese Not hineingekommen sind.«
»Darüber freuen Sie sich?«
»Sie sagten vorhin, Sie hätten in einer schrecklichen Nacht Gott verloren. Und ich sage Ihnen, in einer noch schrecklicheren Nacht der Seele werden Sie den lebendigen Gott wiederfinden. Wenn der Wellen Macht in der trüben Nacht will des Herzens Schifflein decken, da wird er seine Hand nach Ihnen ausstrecken.«
»Verstehen Sie sich auch aufs Prophezeien?«
»Nein, aber ich weiß, Sie werden die Last, die Sie sich selbst aufgeladen haben, nicht eher los werden, als bis Sie sie auf Gott geworfen haben.«