Von einem Geräusch an der Haustür erwachte er. Einige Kinder standen vor der Schule und begehrten Einlaß. Mit Schrecken sah Peter, daß es gleich sieben Uhr war, und kleidete sich eiligst an.

Als er vor die Tür trat, sah er, daß kaum die Hälfte der Schulkinder versammelt war. Da sagte er ihnen, sie möchten vorläufig nach Hause gehen, um neun Uhr wiederkommen und die noch fehlenden Kinder auch mitbringen. Als die Schulkinder sich zerstreut hatten, ging Peter ins Dorf und geradeswegs nach Westermanns Hofe. Er traf den Bauern auf der Diele vor den Kühen. Dieser starrte ihn verwundert an. Aber Peter ging schnell auf ihn zu und sagte, es täte ihm aufrichtig leid, daß er sich so vergessen hätte, und er bäte ihn um Verzeihung.

Wenn ein Bauersmann etwas Unangenehmes auf dem Herzen hat, was herunter soll, macht er meist erst viele allgemeine Redensarten und kommt dann ganz zuletzt und wie beiläufig mit der Hauptsache heraus. Ähnliches mochte Westermann auch vom Schulmeister erwartet haben, und inzwischen hätte er sich wohl eine Antwort überlegt, die dem Groll, den er gegen den Schulmeister hegte, entsprochen hätte. Aber diese Art Peters, so mit der Tür ins Haus zu fallen, verwirrte ihn und er brachte stockend etwas heraus wie: Das wäre schon gut, und er selbst hätte mit dem großen Jungen ja auch oft seine Not, und Prügel müßten sein; nur zuschanden dürfe man so'n Kind doch nicht schlagen. Na, der Schulmeister wäre noch jung und hitzig, und hätte nun ja wohl eingesehen, wie weit er gehen dürfe, und mit den Jahren kühlte das Blut sich auch mehr ab, und der Mensch würde besinnlicher. Zuletzt fragte er Peter, ob er mit ihm frühstücken wollte. Der nahm das Anerbieten an, und die beiden setzten sich zusammen in die Dönze und aßen Brot und Sülze und tranken einen kleinen Köm dazu. »Dat wi nu jümmer gode Lüe bliewt,« sagte der Bauer, indem sie anstießen.

Auch bei Swiebertsbauer ging's Peter ganz gut. »Ick heww't ja glieks seggt,« meinte dieser trocken, »he schöll Barken nehmen und kene Eken. Eken sünd för so wat nich wussen.«

Peter ging auch zu seinem alten Freunde Mattens und erzählte ihm mit Freuden, nun wäre alles wieder gut. »Würklich?« fragte dieser und kratzte sich im Nacken, »Scholmester, Scholmester, wat heww ick van sin'twegen för Nackensläg krägen düsse Dag'! Oh, wo mi dat freut! Kumm rin, darup möt wi'n lütten Köm nehmen.«

Peter dankte. Er hätte schon bei Westermann einen getrunken.

»Bi Westermann?« fragte Mattens erstaunt. »Deuker ja, wenn de Mann enen utgiwwt, denn is't würklich alles wedder god. Scholmester, ick freu mi nu doch wedder, dat ick em in de Iserbahn ankaschiert heww.«

Um neun Uhr hatte Peter seine Schule vollzählig beisammen. Die Kinder hatten die Einladung bestellt, er selbst hatte unterwegs eingeladen, was er getroffen hatte, und wie ein Lauffeuer war die Kunde durchs Dorf gesprungen, der Schulmeister wäre wieder vernünftig geworden und hätte mit seinem ergrimmtesten Feinde gefrühstückt.

Als Peter in die Schulstube trat und alle Blicke halb neugierig, halb ängstlich auf sich gerichtet sah, war es ihm nicht möglich, den Unterricht in der üblichen Weise zu beginnen und zu tun, als ob nichts geschehen wäre.