In der nächsten Zeit fühlte Peter, wie seine Kräfte allmählich nachließen. Aber der befreite, von einer neuen Kraft getragene Geist, belebt durch die neugewonnene Freude am Beruf, hielt den hinsiechenden Leib noch längere Zeit aufrecht und gewann ihm, nach Zeiten allzu großer Schwäche, noch manche Stunde freudigen und kraftvollen Wirkens ab. Ein Wort Jesu wurde ihm in dieser Zeit vor anderen lieb und wertvoll: Ich muß wirken, solange es Tag ist. Es kommt die Nacht, da niemand wirken kann. Peter war froh und dankbar für jeden Tag seines dem Ende zueilenden Lebens, den er durch Willenskraft noch für den so spät in seiner Herrlichkeit erkannten Beruf gewinnen konnte.

Bis Mitte November gab er den Unterricht noch einigermaßen vollständig, wenn er auch häufig gezwungen war, die Stunden umzulegen und die Kinder verhältnismäßig viel mit Schreiben und Rechnen zu beschäftigen. Von da an mußte er die Kinder nach zweistündigem Unterricht, den er zuletzt nur noch sitzend erteilte, heimschicken. Seine Kraft war dann völlig erschöpft, und er brachte die übrigen Stunden des Tages, meist fiebernd, im Bett zu.

Die Dorfleute taten, was sie konnten. Jetzt, nachdem sie ihren Schulmeister erzogen und zur Vernunft gebracht hatten, mochten sie ihn recht gern. Da er nicht mehr zu den Mahlzeiten in die Häuser gehen konnte, schickten die Bauernfrauen ihm das Essen ins Haus, und die guten legten nach dem Schlachtfest eine frische Wurst bei, oder schlugen trotz der Eierknappheit ihm eins extra in die Suppe, um ihren guten Schulmeister, wenn's möglich wäre, recht bald wieder auf die Beine zu bringen, oder ihm doch eine Freude zu machen. Die Kinder der Häuslingsfrau, die bei Peter aufwartete, lebten in diesen Wochen herrlich und in Freuden.

Peter hoffte noch immer, bis Weihnachten den zweistündigen Unterricht aushalten zu können. Aber am Montag der Weihnachtswoche mußte er liegenbleiben und den Kindern zurufen, daß sie nach Hause gingen. Er hörte, wie sie sich langsam und still entfernten, wie die Schritte der letzten Nachzügler auf dem Hofe verhallten. Sein Tagewerk war getan.

Der Kranke, der von der Häuslingsfrau nur mangelhaft verpflegt und bedient wurde, hatte auf seinem einsamen Krankenlager manche schwere und trübe Stunde durchzumachen.

Hin und wieder kam einer von den Dorfleuten zu Besuch. Claus Mattens stellte sich gleich am ersten Tage ein. Er erzählte dies und das, aber Peter merkte bald, daß der Mann etwas Besonderes auf seinem Herzen hatte. Das kam denn zuletzt auch herunter. Peter könnte, so meinte der Bauer, ja nicht selbst hingehen und sein fälliges Gehalt holen. Ob er ihm den Weg abnehmen sollte? Und ob er nicht von dem Gelde so viel behalten könnte, daß Peters Sachen, bis auf den Tisch etwa, bezahlt wären? Peter gab seine Zustimmung. Da war der Freund sichtlich erleichtert, machte noch einige nette Scherze und wünschte beim Weggehen gute Besserung.

So kam der Tag vor dem Fest heran. Es war dicke Schneeluft, und der Kranke hatte viel unter Atemnot zu leiden, bis nach Mittag die Luft klarer wurde.

Gegen Abend kam der Schuster. Er entschuldigte sich, daß er nicht schon eher einmal vorgesprochen hätte. Aber zu Weihnachten wollte alle Welt in neuen Stiefeln gehen, und grad' eben hätte er das letzte Paar abgeliefert.

Der Besucher blickte in den Ofen, und fand das Feuer erloschen. Er sah sich im Zimmer um. Es war seit mehreren Tagen nicht gekehrt. »Herr Lehrer,« sagte er, »es wäre besser, wenn Sie nach Hause reisten. Hier kriegen Sie ihr Recht nicht.«