Peter nickte. »Gott vergelt's Ihnen, was Sie an mir tun, und ... schon getan haben ...«

Der Mann sah dem Kranken ein paar Sekunden tief in die Augen, als ob er in seiner Seele lesen wollte. Dann ging er.

Nach einer guten Stunde kam er zurück, begleitet von ein paar Männern, in denen Peter Häuslinge des Dorfes erkannte. An der Art, wie der Schuster mit ihnen verkehrte, merkte er, daß sie zu denen gehörten, die jener »Brüder« zu nennen pflegte. Das wunderte Peter; denn sie waren von ganz anderer Art als der Schuster und lebten still für sich hin, ohne irgendwie hervorzutreten.

Die Männer legten ihn mit dem Bett auf eine mitgebrachte Tragbahre, verhüllten ihn sorgfältig gegen die Winterkälte und trugen ihn sorgsam durch das Dorf.

Als endlich die Bahre hingestellt und von den Decken befreit wurde, riß Peter die Augen weit auf. Vor ihm stand ein Christbaum, im Schmuck seiner brennenden Lichter. Und um ihn her standen Lina und der kleine Paul, und noch ein kleines Mädchen, und ein Jüngstes hockte auf dem Arm der Mutter, und die Kinder sahen bald in den hellen Lichterbaum, und bald auf den kranken Gast. »Singt mal, Kinder,« sagte der Vater, und Lina schlug den Arm um Paulbruder, und sie sangen zusammen zweistimmig das Weihnachtslied, das Peter in den letzten Wochen sie gelehrt: »Stille Nacht, heilige Nacht.« Dann setzte der Schuster sich die dicke Hornbrille auf und las das Evangelium von der Geburt des Heilands, und die Kinder, in deren dunklen Augen die Lichter des Tannenbaumes glänzten, hörten andächtig zu, und die Männer standen mit den Mützen in den Händen und schauten ernst und still drein.

Als der Hausvater das Buch geschlossen hatte, sagte er: »So, Kinder, nun drückt die Lichter vorsichtig aus und geht in die andere Stube, daß der Herr Lehrer Ruhe hat. Und du, Mutter, sorgst wohl, daß er noch etwas Warmes zu essen kriegt. Und ji beiden gaht noch mal in dat Scholhus und bringt den Scholmeister sin Kram her, dat wi em dat recht gemütlich maken könnt.«

»Ok de beiden Biller an de Wand,« sagte Peter leise, »und min Vigelin'. Dat dor man nix an passiert!«

»Herr Lehrer, Sie können sich auf meine Freunde verlassen,« beruhigte der Schuster den Kranken.

Als Peter ein wenig genossen hatte, kamen die Männer schon zurück. Der Schuster mußte die Bilder über seinem Bett befestigen, Mignon links, den Harfenspieler rechts. Dazwischen fand die Geige ihren Platz, so, daß der Kranke sie ohne große Anstrengung erreichen konnte. Dies waren ihm die liebsten Besitztümer. Die Anordnung des übrigen überließ er den anderen.

Bald hatten sie ihn verlassen, und im Hause wurde es still. Aber Peter konnte noch lange nicht einschlafen.