Aufrecht und fest schritt er die Dorfstraße dahin, gehoben von dem Gefühl, in diesen Minuten für ein ganzes Dorf der Gegenstand der Aufmerksamkeit zu sein. Die Kinder, die auf den Höfen spielten, hielten inne, und er grüßte sie wohlwollend. Die Erwachsenen vor den Haustüren nickten ihm zu, und er grüßte sie freundlich und höflich. Als ihm ein Koppel halbwüchsiger Burschen begegnete, versuchte er, seinem Gruß einen kameradschaftlichen Ton zu geben. Aber die dummen Bengel, mit der diesem Alter eigenen Verachtung alles dessen, was irgend mit der Schule zusammenhängt, musterten ihn von oben herab und lachten ihm dreist ins Gesicht. Doch er hatte keine Zeit, sich darüber zu ärgern. Denn schon grüßte ihn über einem Hause die Inschrift: »Hier lehret man die Jugend, zu Gottesfurcht und Tugend«, und mit Herzklopfen faßte er den Türdrücker des Hauses, unter dessen Dach er fortan lernen, lehren und leben sollte.

Als Peter die Tür des Schulhauses hinter sich schloß, öffnete sich gegenüber eine Stubentür, und es erschien ein alter Frauenkopf, der sich aber, kaum seiner ansichtig geworden, wieder zurückzog. Peter hörte, daß er gemeldet wurde: »Vader, he is'r.« Darauf kam ein hageres, grauhaariges, bartloses Männchen angetrippelt, das den Ankömmling an der Hand nahm und in die Stube zog, mit den Worten: »Szüh, ßüh, da bist du ja. Is man gut. Wir haben schon auf dich gewartet. Na, setz dich ... Da hast du deine Sachen woll in? Die leg' da an die Erde. So, so. Bist wohl recht müde von dem langen Weg?«

»O nein,« sagte Peter, »Vater ist mitgegangen und hat meine Aussteuer getragen.«

»Aussteuer? Wo hast du die denn?« fragte der Schulmeister verwundert.

Peter wies etwas unsicher auf sein Bündel.

»Aussteuer im Kissenüberzug? Hihihi, das ist gut. Mudder, hest du't hört? Dor hett he sin' Utstüer in.«

Die Schulmeisterin, die in einem Rohrlehnstuhl saß, verzog ihr faltenreiches, teilnahmloses Gesicht zu einem schwachen Lächeln. Peter war rot geworden.

»Na ja ...« begann der Schulmeister wieder, »du hast doch wohl schon gegessen? Wir sind schon eine halbe Stunde damit fertig. Wegen meinem Magen essen wir immer früh.«

Peter sagte bescheiden, er hätte erst vor zwei Stunden eine Maulschelle gegessen.

»Das ist ja man gut. Sonst, wenn du noch Hunger hättest ... Denn wollen wir gleich den Abendsegen lesen und zu Bett gehen. Denn morgen Punkt sieben Uhr geht's an die Arbeit. Langschläferei und Unpünktlichkeit dulde ich nicht. Das mußt du dir gleich heute merken.«