Da standen seine Bücher und sagten: »Wir sind auch noch da.«

Er stellte sich ans Fenster — zum Sitzen hatte er keine Ruhe — und nahm ein Buch vor die Augen. Aber die Sonne lachte auf die Blätter, und die Buchstaben tanzten. Sie wollten sich nicht zu Wörtern zusammenfinden, und zu vernünftigen Sätzen erst recht nicht.

Er legte das Buch hinter sich und nahm ein anderes. Es war dieselbe Geschichte. Der Geist, der in diesen beiden Büchern wohnte, war nicht stark genug, seinen vor Freude außer Rand und Band geratenen Geist zu fesseln.

Da nahm er ein drittes Buch. Es war eigentlich nur ein schmales Heftchen, das er sich von einem Kollegen im Kirchdorf geliehen hatte. Darauf war zu lesen: Goethe, Ausgewählte Gedichte.

Peter hatte mehrfach darin geblättert. Er schätzte Goethe im allgemeinen nicht. In dem Heft standen manche Dinger, die Gedichte sein sollten, aber sich durchaus nicht reimten. Ja, in einigen waren nicht einmal die Verse gleich lang. Um so ungereimtes, unegales Zeug zu schreiben, dachte Peter, brauchte einer doch kein großer Dichter zu sein. Aber anderes reimte sich gut, und er fand es auch sonst ganz nett.

Als er das Büchlein durchblätterte, fiel ihm ein Gedicht in die Augen, das war überschrieben: Mailied. Die Maisonne lag auf dem Garten und blinkte in den Blättern des Apfelbaumes vor seinem Fenster. Das kann passen, dachte Peter, das Lied wollte er lesen. Und die Buchstaben hörten auf zu tanzen und standen ganz klar vor ihm.

Wie herrlich leuchtet
Mir die Natur!
Wie glänzt die Sonne!
Wie lacht die Flur!

Es dringen Blüten
Aus jedem Zweig
Und tausend Stimmen
Aus dem Gesträuch.

Der Kuckuck! dachte Peter. Das ist ja gar nicht zusammengedichtet, das ist ja wirklich so! Er überzeugte sich noch einmal davon, indem er in den blühenden Garten hinabblickte und den Vogelstimmen lauschte, die so süß herauftönten.

Und Freud' und Wonne
Aus jeder Brust,
O Erd', o Sonne!
O Glück, o Lust!