»Ich!?«

»Ja, du. Und ich werde alles erreichen ... wenn du mit mir gehst.«

»Aber Peter, ich kann doch nicht mit dir auf das Seminar und Hauptseminar gehen ...«

»Brauchst du auch nicht. Ich muß bloß wissen, daß wir beide, die wir hier jetzt auf diesem Wege zusammen gehen, für unser ganzes Leben zusammengehören. Sagst du ja, gut, dann erreiche ich auch, was ich will und wonach ich mich sehne. Seit dem Nachmittag, wo wir zusammen die Bohnenstangen eingesteckt haben, bin ich ein ganz anderer Mensch geworden. Ich kann viel besser unterrichten jetzt und verstehe auch viel mehr von dem, was in den Büchern steht. Wenn du ja sagst, dann erreiche ich, was ich will, das fühle ich ganz deutlich in mir. Und dann wirst du einmal Küsterfrau, und wenn deine Eltern für die vielen Kinder nicht genug zu essen haben, können wir gern eins oder zwei zu uns nehmen. Aber, Marie, daran mußt du jetzt nicht denken. Auch daran nicht, daß ich gern möchte, daß du ja sagst. Du mußt ganz tief hinabsteigen, bis in dein innerstes Herz, und das mußt du fragen. Denn nur ein Ja, das da herauskommt, kann mir was helfen ... Du brauchst dich gar nicht zu übereilen. Wir haben noch beinahe eine Viertelstunde bis nach Hause ...«

»O Peter ...« begann sie, brach aber schnell ab.

Schweigend stiegen sie in das Tal hinab. Nur einmal sagte Peter: »Sieh dir das goldene Tor noch einmal an, ehe die große Wolke es zuschließt!« Da blieben sie eine Weile stehen, sahen schweigend zu, wie die Nachtwolken das letzte Abendglühen verhüllten, und gingen dann langsam weiter.

Als sie am Schulgarten ankamen, — das Haus war von dieser Seite das erste im Dorf — fühlte Peter, daß ihre leichte Hand sich unter seinen Arm schob, sein Herz fing an stürmisch zu klopfen, und er hörte, wie sie leise sagte: »Mein lieber Peter, ja, ich gehe mit dir.«

Da blieb er stehen, faßte ihre beiden Hände und fragte: »Marie, ist das ganz gewiß? So furchtbar gewiß, als du hier vor mir stehst? Kann ich mich darauf verlassen, heute und alle Tage, im Leben und im Sterben?«

»Peter, warum fragst du das so furchtbar ernst?« fragte sie erschrocken.

»Weil bis jetzt in meinem Leben das Glück und das Gute immer nur ein paar Stunden gedauert hat. Wenn ich eben anfangen wollte, mich darüber zu freuen, war's wieder weg ...«