Peter schwieg. Er ließ den Blick wieder durch das Fenster in die dämmernde Ferne irren.

»Jung, wenn du so steihst und kiekst, denn sühst du just so ut as din Mudder selig.«

Langsam wandte Peter sich dem Vater zu. »Is dat wahr?« fragte er.

Der Vater nickte stumm, seufzte leise und ließ die Stricksticken wieder klirren, wie um sich auf andere Gedanken zu bringen. Die stille, heimliche Freude, die auf Peters Gesicht lag, sah er nicht.

Bald darauf kam Trina Eggers vom Melken zurück. In der Tür wischte sie sich mit dem Jackenärmel über den Mund. Denn sie hatte eben einen tüchtigen Trunk warmer Ziegenmilch getan. Nach einem Blick in die Wiege sagte sie: »Clas slöppt. Mak Füer an und sett Water up!«

Peter ging hinaus. Nachdem er den berußten Kessel mit Wasser gefüllt und an den Haken über der offenen Feuerstelle gehängt hatte, kniete er nieder, rakte die Asche von den fast erloschenen Kohlen, blies mit vollen Backen hinein und legte trockenes Reisig auf. Knisternd umsprangen ihn die Funken, und eine weißliche Rauchwolke kletterte an den Zacken des schwarzglänzenden Kesselhakens in die Höhe. Peter ließ sich von der hellen Lohe Gesicht und Hände wärmen und schaute nachdenklich in die prasselnden, in buntem Farbenspiel durcheinander schießenden Gluten des von zusammengesuchtem Holzwerk genährten Herdfeuers. Die letzten Worte des Vaters gingen ihm im Kopf rundum. Also er hatte Ähnlichkeit mit seiner seligen Mutter? Sie war gestorben, als er kaum drei Jahre alt war, und ihr Bild war seiner Vorstellung entschwunden. Nun versuchte er, seine Züge ins Weibliche und ins Mütterliche zu übersetzen. Ein deutliches Bild gewann er damit ja nicht. Aber er freute sich, daß er ihr Gesicht haben sollte. Denn er hatte sie noch immer lieb und dachte oft an sie.

Der Kessel fing an zu singen. Das hörte Peter gern. Dabei ließ sich so schön sinnen und träumen. Aber plötzlich fuhr er auf. Aus der Stube klang ein Wortwechsel in das Kesselsingen und das Funkenknistern hinein. Was gesprochen wurde, konnte er nicht verstehen, aber er wußte sofort, daß es sich um ihn und seine Zukunft handelte. Es ging sehr lebhaft dabei zu ... Nun hat die Stiefmutter das Wort ... Noch immer ... Ob sie gar nicht wieder aufhören will? Endlich! ... Aber, Gott sei Dank, der Vater ist noch nicht zum Schweigen gebracht. Ruhig und bestimmt scheint er seine Meinung zu sagen ... Nun sie wieder. Was für eine schrille Stimme sie hat! ... Jetzt beide durcheinander, in höchster Erregung ... Peter sitzt mit stürmisch klopfendem Herzen am Feuer, zwischen Furcht und Hoffnung hin und her geworfen.

Da fliegt die Stubentür auf, und der Vater kommt herausgeschritten, mit einer Entschlossenheit in Haltung und Miene, die ihm sonst fremd ist. »Peter!« ruft er laut über die Diele.

Peter springt wie eine Feder vom Herde in die Höhe. »Hier bin ick.«

»Peter, ick heww din Mudder selig up ehren Dodenbedd in de Hand toseggt, dat ick jümmer god för di sorgen wull. Morrn gah ick to'n Pestohr.«